Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Regine Tarara (links) und Ulla Graßt  stellen gemeinsam aus, schaffen aber völlig unterschiedliche Kunst. Foto: t&w
Regine Tarara (links) und Ulla Graßt stellen gemeinsam aus, schaffen aber völlig unterschiedliche Kunst. Foto: t&w

Ulla Graßt und Regine Tarara im Heinrich-Heine-Haus

oc Lüneburg. Sie sind beide Malerinnen, beide Mitglieder im Bund Bildener Künstler, und das war es denn auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Ulla Graßt aus Heiligenthal ist im Bereich einer freien Malerei unterwegs, die manchmal schon keine Malerei mehr ist. Regine Tarara aus Lüneburg malt Landschaften und das auf eine Weise, die einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Zusammen haben sie jetzt eine Ausstellung im Heinrich-Heine-Haus bestückt, und der Kontrast wertet die jeweils andere Position auf.

Regine Tarara, Jahrgang 1954, ist diplomierte Illustratorin, sie hat Lüneburg-Bilder gemalt und einiges mehr. Immer stärker ins Zentrum ihres Schaffens rückten Bilder, von denen Betrachter regelrecht in die Tiefe gesogen werden. Das Thema Landschaft ist für Tarara ein weitgehend abstraktes, sie schafft Räume, die Wiese, Feld, Moor oder Meer sein mögen. Sie zieht eine Horizontlinie über die Leinwand, und darüber dehnen sich Farbflächen als wolkenlose Himmel. Es mag gelegentlich einen tatsächlichen Ort geben, der hinter dem Motiv steht, aber das Kunstwerk löst sich von aller Bestimmtheit auf zu einem reinen Assoziations- und Empfindungsraum.

Tarara interessieren vor allem, wie sich Farben und Farbaufträge zueinander verhalten. Die Tiefe in den Bildern resultiert aus den Farbklängen, die einander durchdringen und zu immer weiteren Schichten zu führen scheinen. Natürlich spielt dabei das Licht eine ganz wichtige Rolle. Die Farben sind nie grell, stehen nie in scharfem Kontrast, sie scheinen einander zu bedingen. So nordisch spröde und kühl das Szenario an sich sein mag, Farben bringen Wärme. Es gibt dazu einige kleinere Arbeiten, die an Wiesen, an Blüten erinnern.

„Ich bin gut im Zerstören“, sagt Ulla Graßt. Sie interessiert weniger das Motiv, mehr das Material – und wie aus ihm Kunst werden kann. Ulla Graßt ist vom Informell, von der lyrischen Abstraktion inspiriert, also von einer Kunst nach 1945, die sich von bestehenden Formprinzipien löste, das Formlose und das Spontane beförderte. Das ist lang her und funktioniert weiter.

Ulla Graßt ist eine Entdeckerin, eine Forscherin, und es hat Reiz, ihr dabei zu folgen. Sie kombiniert gängige Techniken und erweitert sie um ungewohntes Material, sie probiert verschiedenste Untergründe aus. In jüngerer Zeit experimentiert sie mit flüssigem Wachs und Pigmenten, schafft damit Bilder freier geometrischer Gebilde mit geradewegs archaischem Charakter. Andere Arbeiten behalten zwar ein gängiges Rahmen-Format, wachsen aber in den Raum, das sind zum Beisipiel Projekte aus Noppenfolie oder aus Papiermachee. In der Regel bleiben die Formen abstrakt, manchmal lässt sich eine Erinnerung an Gegenständlichkeit ausmachen. Das Ergebnis der Graßt-Erforschungen ist immer ein Werk, das einen direkt ansprechenden Charakter besitzt. Es will gefallen.

Die Ausstellung läuft bis zum 20. März, öffnet mittwochs von 11 bis 16 Uhr, sonnabends/sonntags von 11 bis 18 Uhr. Finissage: 20. März, 16 Uhr.