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Lennart Hillmann mit Margit Weihe, der Leiterin des theaters im e.novum. Hier hat alles begonnen. Foto: ff
Lennart Hillmann mit Margit Weihe, der Leiterin des theaters im e.novum. Hier hat alles begonnen. Foto: ff

Ernst Busch: Lüneburger erobert Platz an Schauspielschule +++ mit Video

ff Lüneburg. Die Mutter hatte es wohl gleich gewusst: Der Junge gehört ins Theater. Also nahm sie ihren Lennart, der eigentlich gar keine Lust hatte, mit ins e.novum-Theater. Dort wurde „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ gespielt. Dann ging alles ganz schnell: Mit acht Jahren hatte Lennart seine erste eigene kleine Rolle, den Torwächter bei Aschenbrödel. Der Lüneburger war infiziert, „ich wollte gar nicht wieder von der Bühne runter“. Jetzt hat Lennart Hillmann, Jahrgang 1995, die Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule Ernst Busch in Berlin geschafft – mehr geht nicht.

Noch vor seiner Bewerbung an der Ernst Busch versuchte sich Lennart Hillmann im Video-Portal der Landeszeitung. Sein schauspielerisches Talent zeigte er vor allem im fünfteiligen Selbstversuch „Mein Ding“ — für die Kamera schlüpfte er dort beispielsweise einen Tag lang in die Rolle eines Punks, oder eines Bodybuilders. Hier sehen sie ihn in Lüneburg unterwegs als Cos-Player, weitere Clips gibts unter www.lzplay.de

Die Hochschule Ernst Busch ist eine Legende. Sie hat ihre Wurzeln in der von Max Reinhardt 1905 eingerichteten Schauspielschule des Deutschen Theaters zu Berlin. Das DDR-Kulturministerium ließ die Schauspielschule im September 1951 formal neu entstehen, sie erlangte den Ruf einer „Kaderschmiede“. Im Jahre 1981 erhielt sie den Status einer Hochschule und wurde nach dem ein Jahr zuvor verstorbenen Sänger und Schauspieler Ernst Busch benannt. So lang wie die Tradition ist die Liste ihrer namhaften Absolventen – von Paul Dahlke und Marianne Hoppe über Fritzi Haberlandt bis zu dem „Tatort“-Pathologen Jan Joseph Liefers. Sogar Hans-Joachim Kulenkampff, eher Showmaster als Schauspieler, ging durch die vierjährige Ausbildung.

Lennart Hillmann blieb als Kind dem theater im e.novum treu, nahm Unterricht bei Margit Weihe und spielte – den König in „Dornröschen“, den „Erzbischof“ bei den „Wilden Schwänen“, später in der „Legende von König Artus“ die Titelrolle. Das Abi 2014 in der Wilhelm-Raabe-Schule wurde in den Probenplan integriert: Zugleich agierte Hillmann in einer anderen Penne, als Pfeiffer – „mit drei f, eins vor dem Ei, zwei dahinter“ – in der „Feuerzangenbowle“.

Schwieriger erwies sich die Suche nach einem Ausbildungsplatz: Landauf, landab sprach Lennart Hillmann vor, traf dabei immer wieder auf die gleichen jungen Leute, die es ebenfalls allerorts zwischen Hamburg und München versuchten. Zwölfmal rasselte er durch, ausgerechnet beim 13. Versuch, ausgerechnet bei der als besonders streng geltenden „Ernst Busch“, hatte er Erfolg.

Die Jury wollte drei Monologe hören, jeweils bis zu fünf Minuten lang, darunter einen klassischen und einen selbst geschriebenen. Hillmann entschied sich für Shakespeares Romeo, für den Brackenburg aus Goethes „Egmont“ und für das Solo eines Motivationstrainers, der während eines Vortrags erfährt, dass seine Mutter gestorben ist – und trotzdem weitermacht. „Es ist wichtig, Rollen zu spielen, in denen Menschen eine Entwicklung durchmachen, sich verändern“, sagt Lennart Hillmann. Hatte er Lampenfieber? „Natürlich, und wie, ich hätte fast gekotzt“. Auch wenn ihm andere Studenten noch Last-Minute-Tipps gaben und signalisierten, dass er gut rüberkommt.

Margit Weihe ist natürlich stolz auf ihren Schüler, den – nach Anna Gesewski und Peter Posniak – dritten Ernst-Busch-Darsteller aus dem e.novum. Im September geht es los. Bis dahin ist noch ein wenig Zeit, die anderen Projekte zu pflegen, seine ZuSa-Sendung beispielsweise, und seinen YouTube-Kanal, beide unter dem Titel „Reine Willkür“. Bevor die Kurse in Sprecherziehung, Gesang und Fechten, Inszenierung und Improvisation beginnen, will sich Lennart Hillmann die Kollegen anschauen, also „möglichst viel ins Theater gehen“.