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Plötzlich König ist Artus (Frédéric Brossier, re.), Merlin (Fabian Kloiber) hats im Buch gelesen.  Guinevere (Ulrike Gronow), Kai (Steffen Happel) und Lanzelot (Florian Rast, l.) wundern sich der Worte. Foto: theater/tamme
Plötzlich König ist Artus (Frédéric Brossier, re.), Merlin (Fabian Kloiber) hats im Buch gelesen. Guinevere (Ulrike Gronow), Kai (Steffen Happel) und Lanzelot (Florian Rast, l.) wundern sich der Worte. Foto: theater/tamme

„King A – eine Ode an die Ritterlichkeit“ im T.3

oc Lüneburg. Das muss man sich natürlich verdammt gut überlegen, ob man plötzlich König sein will. Artus aber hat nun mal ratzfatz das Schwert aus dem Stein gezogen, und Merlin weiß aus alten Schriften: Da führt nun kein Weg zurück. Artus ist zwar eher der sanfte Typ, nicht so ein Haudrauf wie sein Bruder Kai. Aber was solls? Artus macht sich seine Gedanken — und nimmt den Job an. Dass es bald noch ein ganz anderes Problem gibt, das sorgt in Inéz Derksens Jugendstück „King A — eine Ode an jedes Ritterherz“ für erheblichen Wirbel. Zu sehen ist die Geschichte im T.3 des Theaters.

Es geht ganz gut zur Sache in der Inszenierung von Sabine Bahnsen. Wo Ritter sind, da müssen Schwerter sein, und die werden denn auch geschwungen, und manche Fechterei geht als Keilerei weiter. Aber die ganze Gewalt bringt nicht wirklich was, und dann ist da ja noch die Sache mit der Liebe, die füllt den zweiten Teil des Stücks.

Ein König braucht eine Frau, das findet die schöne Guinevere auch. Also werden sie heiraten. Dummerweise liebt die Königin in spe den Ritter Lanzelot irgendwie noch mehr als den Artus. Lanzelot aber ist der beste Kumpel vom König. Das ist eine sehr vertrackte Sache, und die ist nach 75 Minuten Spielzeit nicht ganz vom runden Tisch. Aber dort raufen sich Artus und seine Tafelrunde trotzdem zusammen, um Musketiere-Spruch zu schmettern: „Einer für alle — alle für einen!“

Petra Maria Würth hat auf die Bühne einen Haufen Kisten, Kästen, Fässer und Koffer gepackt. Mit ihnen lassen sich schnell Räume schaffen, und in Fällen von Wut fliegen die Sachen auch gut durch die Gegend. Die Akteure tragen wechselweise Alltagsklamotten von heute, Rokoko-Kostüme und auch mal Ritterliches. Aber was Ritter sein eigentlich bedeutet, darum geht es im Kern. Ritter müssen kämpfen, bis der Arzt kommt, findet der forsche Kai. Oder müssen sie gerecht sein, edel und hilfreich? Das sind Leit-Themen, mit denen Artus sein Königreich leiten will — und das dann auch sehr basisdemokratisch.

Fünf Akteure spielen in Sabine Bahnsens tempo- und actionreicher Inszenierung. Alle müssen körperlich fit sein und dürften sich blaue Flecke holen. Frédéric Brossier packt einigen Charme in den nachdenklichen Artus, der gelegentlich doch aus seiner Haut fährt. Lanzelot wird von Florian Rast als liebenswerter Kumpel gespielt, der aber eigene Interessen verfolgt. Steffen Happel kann als Kai voll auf Proll gehen, der will immer alles und das sofort. Ulrike Gronow behauptet sich als Ritterin unter Rittern, entspricht dann aber als Liebende doch so einigen Klischees und Mädchenträumen vom starken Mann, der sie gefangen nimmt und befreit. Und dann ist da noch Merlin, eigentlich ja der Weise im Lande Artus. Bei Fabian Kloiber ist er aber mehr Zauderer als Zauberer — eine witzige Sichtweise.

Stück und Inszenierung liefern Menschen ab neun Jahren jede Menge Gesprächsanlass, und das kommt zur Premiere gut an.ch