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Rotraut Kahle bereitet ihre Sammlung von Brautkleidern für die Ausstellung vor. Nicht immer und überall wurde Weiß getragen. Foto: ff
Rotraut Kahle bereitet ihre Sammlung von Brautkleidern für die Ausstellung vor. Nicht immer und überall wurde Weiß getragen. Foto: ff

Brautmode im Spiegel ihrer Zeit

ff Lüneburg. Welche Farbe trägt die Braut, wenn sie vor den Altar tritt? Weiß natürlich. Daran hat sich im vergangenen Jahrhundert, egal ob in den eher braven 50er-Jahren oder in der Flower-Power-Zeit, nicht viel geändert. Aber es gab andere Zeiten, da musste so ein Stoff für den schönsten Tag des Lebens nicht nur schick, sondern auch praktisch sein. Rotraut Kahle bereitet eine Ausstellung über die Geschichte des Brautkleids vor, ihre Sammlung ist schon jetzt sehenswert — aber es fehlen noch spezielle Exponate. Wer kann helfen?

Zeit ihres Lebens hat sich Rotraut Kahle als Wissenschaftlerin mit Mode vor dem Hintergrund ihrer Zeit beschäftigt, Ausstellungen und Vorträge gestaltet. Mit dem Fernziel, einmal Brautkleider auszustellen, begann sie beizeiten mit dem Sammeln — Geschenke und Leihgaben aus der Region vor allem. Rund 40 Exponate sind schon beisammen, aber es gibt zwei weiße Flecken in der Chronologie: Hochzeitskleider aus dem späten 19. Jahrhundert und aus den 30er/40er-Jahren. „Das ist eine schwierige Zeit“, so Rotraut Kahle. Aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, in der manche junge Frau ihren Mann an der Front per Rundfunk-Übertragung heiratete, gibt es offensichtlich kaum noch Brautkleider. Vermutlich wurde der Stoff in den kargen Zeiten in vielen Fällen neu verwertet.

Im Bürgertum fand bereits früh ein Wechsel von farbigen zu ausschließlich symbolhaft weißen Bratutkleidern statt; auf dem Lande dagegen wurde lange noch Schwarz getragen, damit war das gute Stück auch für den sonntäglichen Kirchgang und Beerdigungen tauglich — „Freud-und-Leid-Kleider“, so Rotraut Kahle.

Die jeweilige Mode ihrer Zeit spiegelt sich natürlich auch bei der Hochzeit: Charleston-Look in den Zwanzigern, Pettycoat-Zitate und Kunststoffe in den Sechzigern, Blumen in den Siebzigern. Zur Sammlung gehört auch ein echtes Prinzessinnen-Exemplar — „ganz klar frühe achtziger Jahre, da hat Lady Di geheiratet“, so Kahle. Die Reichen und Schönen wirkten oft stilbildend, ohne Jacqueline Kennedy beispielsweise hätte es der knappe „Pillbox“-Hut wohl kaum in die Kirchen geschafft. Hinter vielen Exponaten stecken Geschichten, die auch auf der Ausstellung erzählt werden sollen. Eines der Kleider etwa erschien innerhalb weniger Jahre vier Mal zur Trauung — getragen von vier Schwestern, die offensichtlich eine ähnliche Konfektionsgröße hatten.

Die Ausstellung, konzipiert mit dem Marstall-Museum Winsen/Luhe, soll am 17. Juni im Heinrich-Heine-Haus eröffnet werden, bis 24. Juli bleiben und dann in den Marstall wechseln. Wer helfen möchte, wird gebeten, sich unter %Tel. 04131-36227 oder rotrautkahle@web.de zu melden. Rotraut Kahle bittet darum, nur Exponate aus der angesprochenen Zeit anzubieten, andere Epochen seien hinreichend vertreten.