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Iris Holstein und Matthias Hederer zitieren die Ästhetik alter Kabinette der Naturwissenschaften. Foto: ff
Iris Holstein und Matthias Hederer zitieren die Ästhetik alter Kabinette der Naturwissenschaften. Foto: ff

Inszenierung des Forschens in Tosterglope

ff Tosterglope. Naturwissenschaftler gehen in kleinen, aber beharrlichen Schritten vorwärts. Kaum vorstellbar sind heute die Strapazen und Risiken, die etwa Alexander von Humboldt (1769-1859) bei seinen jahrelangen Forschungsreisen nach Lateinamerika und Zentralasien auf sich nahm. Solche Expeditionen des 18. und 19. Jahrhunderts, getrieben von Entdeckergeist (und oft auch Eitelkeit) üben einen eigenwilligen Reiz aus. Nicht umsonst wurde Kehlmanns „Vermessung der Welt“ ein Bestseller. Das Duo Iris-a-Maz hat die Instrumente und Ausprägungen jener Ära zu einem eigenen künstlerischen Programm entwickelt; Exponate sind unter dem Titel „Orbis subviridis“ bis 17. April im Kunstraum Tosterglope zu sehen.

Iris-a-Maz, das sind die Hamburger Iris Holstein und Matthias Hederer (Studium: Szenografie und Medienkunst); „Orbis subviridis“ ist zunächst nur ein einfacher, einfarbiger Farbkreis — aber ausgestattet mit allen Schattierungen dieser Farbe. Im Falle Blau diente er etwa dazu, die Erscheinungen des Himmels zu klassifizieren. Nun ist der Kreis in Grün, auf das Zehnfache vergrößert, Teil einer Installation, in der symbolhaft das Tostergloper Land vermessen wird. Dazu gehört auch eine riesige rotweiße Kompassnadel, natürlich akurat auf Norden ausgerichtet.

Botanik und Entomologie, also Pflanzen- und Insektenkunde, das sind Kernbegriffe, um die sich die Arbeiten von Iris-a-Maz drehen — eine „Inszenierung des Forschens“, so die Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin Mascha Pöhls, also: sammeln, sezieren, bestimmen, präparieren, präsentieren. Schaukästen mit Insekten und allerhand Fundstücken vermitteln einen Eindruck von alten Kabinetten, von Wunderkammern, in denen die exotischen Mitbringsel zu bewundern waren. Dabei sind die Fundstücke an sich gewöhnlich, was Holstein und Hederer eben so vor der Haustür, also im urbanen Raum, vorfanden: tote Käfer zum Beispiel, oder auch weggeworfene Flaschenverschlüsse, es geht allein um die Ästhetik der Exponate — eine Trophäenschau der Wissenschaft. „Global Player Herbarium“ nennt das Duo sein Langzeitprojekt, für das auch mit Videos, Fotos und Klang-Konserven gearbeitet wird.

Anderswo ist ein kleiner Flaschengarten zu sehen, der einst dazu gedient haben mag, die kostbaren Fundstücke aus der Ferne heil in die Heimat zu transportieren: Pflanzen, die in gewöhnlichen, verschlossenen Flaschen groß gezogen werden; ihr Inneres bildet ein vollständiges kleines Biotop. Die Blumen und Sträucher, wegen der Enge im Bonsai-Format gewachsen, halten es darin tatsächlich einige Jahre aus.

Mascha Pöhls lädt am Sonntag, 17. April, 15 Uhr, zur Finissage von „Orbis subviridis“, dann wird die Inszenierung des Forschens noch einmal zur Sprache kommen.