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Oliver Wille ist der neue künstlerische Leiter der Sommerlichen Musiktage. Der Geiger und Kammermusikprofessor aus Hannover wird bereits beim Auftaktkonzert zu hören sein. Foto: molina
Oliver Wille ist der neue künstlerische Leiter der Sommerlichen Musiktage. Der Geiger und Kammermusikprofessor aus Hannover wird bereits beim Auftaktkonzert zu hören sein. Foto: molina

Die Sommerlichen Musiktage Hitzacker haben wieder einen Vorgeiger

oc Hitzacker. Der Umbruch kam eher plötzlich und ist recht radikal. Carolin Widmann reichte mit Ende der 70. Sommerlichen Musiktage Hitzacker die Leitung weiter, und mit ihr ging Linda Engelhardt, die Vorsitzende des Trägervereins. Auch einige Sponsoren nutzten den Umbruch, um sich auszublenden. Aber ein neues Team steht und mit ihm ein Programm, das für die 71. Ausgabe verspricht, den Kern des ältesten deutschen Kammermusikfestivals zu stärken. Der Mann an der Spitze heißt nun Oliver Wille, er hat Meriten als Kammermusiker, Professor und Kulturmanager vorzuweisen. Vor allem hat er einen Plan.

Wille, 1975 in Berlin geboren, spielt seit seinem fünften Lebensjahr Geige. Er studierte in Berlin und Köln, an der Indiana University Bloomington sowie dem New England Conservatory Boston. Mit 14 Jahren gründete er mit Jana Kuss und zwei Mitstreitern das heute international gefragte Kuss-Quartett. Im April spielt es unter anderem in Parma, Posen und London. Seit 2011 unterrichtet Wille als Professor für Kammermusik an der Musikhochschule in Hannover, als Lehrender ist Wille auch international gefragt. Er ist zudem künstlerischer Leiter der Kammermusikreihe Hannover, Kurator einer Quartettwoche in Frankfurt — und nun der Mann für Hitzacker!

Zuerst verabschiedet sich Wille vom typischen Motto, er schreibt über sein Programm für die Zeit vom 30. Juli bis 7. August einfach „Treff.Punkt“. In seiner Begüßung zum Programm schreibt er: „Jedes Jahr spüren Künstler und Hörer: Hier passiert Überraschendes, Unvergessliches, Unerhörtes. Innovation und Tradition, neue Experimente und alte Freunde — alles trifft selbstverständlich, mit spürbarer Neugierde und Offenheit aufeinander.“ Und weiter: „Sollte ich dieses Festival neu erfinden? Nicht nötig!“

Wille geht es in einer Hinsicht ähnlich an wie Albrecht Mayer, der gerade seine erste Musikwoche, Hitzackers Winter-Festival, hinter sich hat: Er baut stark auf Künstler, „die mir am Herzen liegen, mit denen ich Ungewöhnliches probiert habe, die mich auf unterschiedliche Weise inspirieren, die wegweisend waren und sind.“ Kommen werden Pianisten wie Pierre-Laurent Aimard und Igor Levit, die Geiger Antje Weithaas und Roby Lakatos, Klarinettistin Sharon Kam, Mandolinenspieler Avi Avital, Bariton Dietrich Henschel, das Vokal-Ensemble Trio Mediaeval und der gerade 80 Jahre alt gewordene Komponist Aribert Reimann.

Den Auftakt lässt sich Oliver Wille nicht nehmen, den übernimmt er mit seinem Kuss-Quartett. Wille wird bei seinen Musiktagen mehrfach zur Geige greifen, das war bei seinen künstlerischen Vorgängern nicht anders. Bewährte Formate behält er bei, die Hörer-Akademie, das Chorsingen für alle und die Late Night Lounge etwa. Neue Impulse setzen kleine Vorkonzerte unter dem Titel „Sieben nach Sieben“, Konzerteinführungen mit Künstlern der Abendprogramme, ein Publikums-Wunschkonzert — und Pianist Pierre-Laurent Aimard wird mit einem Tonmeister in einem Open-Air-Projekt Werke von Bach, Kurtág, Stockhausen und Messiaen mit der Natur verschmelzen lassen.

Bauen können die Sommerlichen Musiktage auf einen großen Verein. „Die Anzahl unserer Mitglieder liegt bei etwas über 400, die Anzahl der Abos lag im vergangenen Jahr bei 268“, sagt Susanne Römer, die auch weiterhin die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. An der Spitze des Trägervereins steht nun Dr. Christian Strehk, Ressortleiter Kultur bei den Kieler Nachrichten. Zum neuen Beirat gehört auch Lüneburgs Theaterintendant Hajo Fouquet.
Das gesamte Programm findet sich unter www.musiktage-hitzacker.de, der Vorverkauf läuft auch bei der LZ-Veranstaltungskasse, Am Sande.