Aktuell
Home | Kultur Lokal | Anke Gruss ist die erste Stipendiatin eines neuen Förderungsprojektes
Die Malerin Anke Gruss, hier vor einem der Bilder, in denen sie den Lichtern der nächtlichen Großstadt nachspürt. Foto: t&w
Die Malerin Anke Gruss, hier vor einem der Bilder, in denen sie den Lichtern der nächtlichen Großstadt nachspürt. Foto: t&w

Anke Gruss ist die erste Stipendiatin eines neuen Förderungsprojektes

oc Lüneburg. Da ist ein Bild von der Dammstraße. Häuser ragen bedrohlich blaupechschwarz und rostbraun hinauf, verzackt und verschrägt, über ihnen ein Himmel voll Unruhe, grau und blassblau in klobigem Strich. Doch da ist da noch eine Wand im Hintergrund, die leuchtet gelb, wie es nur gelb leuchten kann. Mehr Geheimnis geht kaum in einem Bild. Es ist Teil einer Ausstellung, die Anke Gruss an diesem Wochenende in der KulturBäckerei zeigt. Anke Gruss, das ist die Frau aus Atelier 10, und die Bilder hängen gleich vor ihrer Tür.

„Lichtsprung“ hat die Malerin, Kunstpädagogin und -therapeutin ihre Drei-Tage-Ausstellung überschrieben. Licht, natürliches und künstliches, das ist ihr Thema. Anke Gruss untersucht, wie etwas wirkt, wenn es ins Grelle, ins Fahle, ins Klare, ins Unbestimmte getaucht wird. Ihre Themen entnimmt sie oft Orten ihres Lebens, der Potsdamer Platz spielt eine Rolle, Lüneburg und das Leben am Meer, wohin es Anke Gruss oft zieht.

Viel Zeit verbrachte die 1970 in Köln geborene Künstlerin auf den Lofoten. Dort ist Licht im Polarwinter ein rares Gut, im Sommer ein überreiches — und immer wird es extrem intensiv empfunden. Anke Gruss konserviert in ihrer Malerei diese Intensität, sie findet Widerhall in kraftvollen Farbklängen. Die können, wenn die Malerin zu Ölfarben greift, quietschvergnügt daherkommen und doch Bilder ergeben, die nicht erschlagen, sondern Offenheit bewahren. Bei den Aquarellen rücken das Verwaschene, das Verlaufen von Konturen, die Übergänge in den Vordergrund. Oft malt Anke Gruss seriell, sie testet Stimmungen und Wirkungen. In jüngeren Bildern rückt sie hautnah an ihre Themen heran, es gibt Aquarelle, die ein Sofapolster, ein Fell, einen Leinenstoff zeigen. „Da geht es weiter“, sagt sie.

Einzukasteln ist die Malerei von Anke Gruss also nicht so leicht. Denn es ist da etwas Sprunghaftes. Malt sie alleinstehende Häuser, städtische Nachtszenen, dann spiegelt sie Einsamkeit und Verlorenheit. In anderen Bildern tobt Bewegung, scheint das Leben zu explodieren. Aber wer sich mal auf den Lofoten und mal in Berlin tummelt, der trägt eben Pole von der Stille und vom Brausen der Welt in sich.

Die Ausstellung ist nur an diesem Wochenende zu sehen. Bedeutsam ist sie noch aus einem weiteren Grund: Es handelt sich um eine „Stipendiatsausstellung des Uwe Lüders Kunststipendiums der ­Sparkassenstiftung Lüneburg“. Von November 2015 bis Anfang Februar 2016 wurde Anke Gruss gefördert, die Bilder entstanden alle in dieser Zeit. Der Lübecker Uwe Lüders ist Vorstandsvorsitzender der L. Possehl & Co. Unternehmergruppe. Er ist kunstbegeistert und wird sich weiter mit eigener Stiftung unter dem Dach und in Zusammenarbeit mit der Sparkassenstiftung im Bereich der Kunstförderung bzw. durch Vergabe von Stipendien engagieren. Zum Stipendium für Anke Gruss ist auch ein Katalog erschienen.