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Blick auf bevorstehende personelle Wechsel am Theater Lüneburg

oc Lüneburg. Das Theaterblut fließt und spritzt jetzt wieder etwas sparsamer im Theater Lüneburg. Der Struwwelpeter wird zugeklappt bzw. die gleichamige, ziemlich blutige Junk-Oper, die 30-mal am merkwürdigsten Spielort des Theaters lief, immer vor vollem Haus. Das Stück der Tiger Lillies hatte sein Lüneburg-Debüt vor gut drei Jahren bei der ersten SomnamBar im Foyer des T.NT erlebt, in sehr reduzierter, improvisierter Form. Das gefiel so gut, dass die makabre, mit schwarzem Humor und eben auch mit Theaterblut sprudelnde Rockoper fest ins Programm rutschte.

Das Gespann Philip Richert/Gregor Müller inszenierte, sang und spielte das Stück. Eine Band mit Jan Hellberg, Henning Thomsen und Robert Schulz (alternierend Sebastian Brand) rockte, als Engel umflatterten Calvin Auer, Till Krüger und Dominik Semrau das gräusliche Geschehen. Jetzt sollte nach drei Spielzeiten Schluss sein, am Montagabend Abend lief die nach Plan letzte Zugabe. Warum es nicht weitergeht? Müller geht — und hat vorher noch viel zu spielen, zum Beispiel den Felix Krull ab 7. Mai. Aber wer weiß, vielleicht kommt er als Gast zurück und heckt mit Richert neue Streiche aus.

Müller kam 2010/11 ins Lüneburger Schauspielensemble, spielte viele große Rollen und gehört bzw. gehörte zu denen, die über das Repertoire hinaus Ideen haben und umsetzen. Gregor Müller verlässt das Theater nicht für ein neues Engagement, sondern aus Gründen der Mangels, was grammatikalisch korrekt ist, denn er wird mit seiner Lebensgefährtin Laura Mangels wohl auf längere Zeit nach Afrika gehen. Kommt er zurück, könnte es — vielleicht — noch einmal ein Müller/Richert-Projekt geben. Intendant Hajo Fouquet hat da zumindest eine Idee, und Müller kann ja auch als Gast am Theater aktiv sein. Und da nichts so alt ist wie das, was gerade getippt wurde: „Struwwelpeter“ 2016/17, da gibt es — gerade noch für nicht denkbar gehaltene — Pläne einer Wiederaufführung.

Theater ist für Künstler ein Geschäft auf Zeit. Der Wechsel ist eine Konstante und notwendig für beide Seiten: Theater braucht frische Impulse, neue Gesichter, neue Stimmen. Künstler wiederum können sich besser entwickeln, wenn sie Neues probieren an neuen Orten mit neuen Regisseuren, Dirigenten, Choreographen etc.

Es gibt zum Spielzeitende, das auf den 26. Juni datiert ist, weitere Wechsel, auch aus dem Schauspiel. Die Leitende Schauspieldramaturgin Katja Stoppa, seit 2011/12 am Haus, wird in gleicher Position nach Thüringen wechseln. Schauspielerin Ulrike Gronow, seit 2010/11 in vielen wichtigen Partien zu sehen, geht nach Sachsen. Stippa und Gronow werden wie Müller neben den laufenden Aufgaben noch eine neue Produktion miteinstudieren, nämlich die „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ — zum 7. Mai.

Aus dem Ballett verabschieden sich zum Saisonende Harumi Washiyama und Marco Dalia. Ebenfalls zu neuen Ufern bricht Ballett- und Solorepetitorin Hye-Yeon Kim auf. Sie saß bei vielen Produktionen — nicht nur — im Theater an den Tasten.

Gleich drei, die eigentlich aus dem Theater nicht wegdenkbar sind, gehen in Rente. Das sind Chordirektorin Deborah Coombe, Musiktheater-Inspizientin Doris Pfeiffer und Walter Hampel, der Meister des Lichts. Letzterer könnte noch etwas Zeit dranhängen, heißt es.

Neu besetzt wird außerdem die Pressestelle, da Nadja Meyer einen anderen Bereich kennenlernen möchte. Die Nachfolge ist bereits geregelt. Und dann gibt es noch interne Wechsel. Matthew Sly vom Ballett, der gerade das Tanzstück „Dornknackersee“ erfand, wird neuer Schauspiel-Inspizient und zugleich Leiter des Tanzjugendclubs. Inspizientin Britta Haarmann nämlich wechselt an die Kasse, und Tanzpädagogin Heidrun Kugel übernimmt die Musik-Inspizienten-Stelle von Doris Pfeiffer.

Wer und was neu kommt, das wird am 28. April bei der Pressekonferenz zur Spielzeit 2016/17 verraten.