Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Matthias Oppermann zwischen seinen Bergerkundungen, an denen er ab Sonnabend in Scharnebeck teilhaben lässt. Foto: t&w
Matthias Oppermann zwischen seinen Bergerkundungen, an denen er ab Sonnabend in Scharnebeck teilhaben lässt. Foto: t&w

Matthias Oppermann und die „Schwerkraft der Berge“

oc Scharnebeck. Es gibt immer mehrere Wege, um nah an den Kern einer Sache zu gelangen. Als Psychoanalytiker ist es Matthias Oppermann gewohnt, Schicht um Schicht abzutragen, um das Eigentliche eines Problems freizulegen. Als Maler wählt Oppermann den umgekehrten Weg. Er trägt Schicht um Schicht auf, mit dem Ziel, seinem Erleben von Natur einen treffenden Ausdruck zu geben. „Die Schwerkraft der Berge“ erfassen will der Hamburger, der auch ein Münchner ist, mit seiner Ausstellung auf dem Kulturboden.

Mit neun Jahren begann für Oppermann das Erlebnis der Berge. Das war in den 60er-Jahren. Die Berge ließen ihn nicht los. Oppermann wuchs in München auf, ging aber zum Studieren nach Hamburg — und blieb im Norden. Berge sind wie das Meer ein unergründlicher Sehnsuchtsort. Das Erhabene, das Weite, das Ewige — Berge bündeln große Gefühle. „Man wird zum Menschen“, sagt Oppermann und spricht von „existenziellen Erfahrungen“ und vom „Erstaunen“ angesichts der Schönheit und der Gewalt der Bergwelt. Paradies und Hölle sind sich nah.

Oppermanns Kunst bündelt diese Faszination auf vielen Wegen. Oppermann, 1956 geboren, geht es um das Abbild von Eindrücken und Emotionen, nicht um Gipfel X oder Hang Y. Seine Bilder sind somit abstrakter und zugleich subtiler als die imposanten Berggemälde, mit denen seit Caspar Wolf und später den Romantikern unzählige Maler Eindruck zu schinden wussten. Oppermann malt seine Berge, das sind die Alpen, in vielen Schichten: Hinter einem Panorama schimmert ein weiteres hervor — und dahinter und dahinter geht es tiefer zu sich überlagernden Bergerfahrungen. Dafür nutzt Oppermann Ölfarben, sie seien sinnlicher. Acryl ist ihm zu künstlich.

„Ich muss wandern, in Bewegung sein, erst dann kann ich malen“, sagt Oppermann. Das gilt auch für seine Kunst. Oppermann ist ein Suchender, er malt direkt am Berg und verdichtet und verfremdet das Ergebnis im Atelier. Er probiert technisch viel, lässt sich auf ein Motiv wieder und wieder ein, er überzeichnet, übermalt Geschaffenes immer neu. Das Bildwerden wird dabei zum eigentlichen Thema. Das gilt auch für ein zehn Meter langes getuschtes Panorama. Besonders aber gilt es für seine fotografischen Werke, die durch das immer neue Übereinanderlegen eine malerische Wirkung bekommen. Zu sehen sind außerdem Aquarelle, die stärker das Atmosphärische betonen. Und in jüngerer Zeit mischt sich der Mensch in Oppermanns Bilderwelt ein — aber die Berge bleiben zentrales Thema.

Matthias Oppermann studierte parallel zu Medizin und zur Ausbildung zum Psychoanalytiker figürliches Zeichnen. Er ist Mitglied im Bund Bildender Künstler und in der dänischen Künstlergruppe Riimfaxe, mit der er ab 3. Juni in den Zehntspeicher Gartow kommt. „Die Schwerkraft der Berge“ wird am Sonnabend, 9. April, um 16 Uhr mit einer Einführung des Landschaftsfotografen Andreas Gierth eröffnet. Das ist sozusagen ein Gegengeschäft: Oppermann sprach gerade bei einer Gierth-Ausstellung.

Die Galerie Kulturboden in Scharnebeck öffnet bis zum 30. April freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends von 15 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 13 Uhr.