Aktuell
Home | Kultur Lokal | Immanuel Kant: Ein Schatz, der Arbeit macht
Lorenz Grimoni verabschiedet sich von Immanuel Kant. Fast 30 Jahre hatte Grimoni in Duisburg ehrenamtlich das Königsberg-Museum mit seiner berühmten Kant-Sammlung geleitet. Foto: be
Lorenz Grimoni verabschiedet sich von Immanuel Kant. Fast 30 Jahre hatte Grimoni in Duisburg ehrenamtlich das Königsberg-Museum mit seiner berühmten Kant-Sammlung geleitet. Foto: be

Immanuel Kant: Ein Schatz, der Arbeit macht

oc Lüneburg. Für Lorenz Grimoni war gestern ein sehr guter Tag und einer voller Wehmut. Fast 30 Jahre leitete er ehrenamtlich das Museum Stadt Königsberg in Duisburg. Doch Grimoni, Jahrgang 1939, fand keinen Nachfolger, die Stadt Duisburg wollte zudem die Räume anderweitig nutzen. Nutznießer ist, wie berichtet, das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg. Gestern wurde der Vertrag in der Heiligengeiststraße unterzeichnet, und damit ist besiegelt, dass Lüneburg die weltgrößte Sammlung in Sachen Immanuel Kant erhält, die drittgrößte zur Künstlerin Käthe Kollwitz und vieles mehr. Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert zeigte schon, wohin der Weg führt: Ist der laufende Ausbau 2017 fertig, soll ein Anbau für Kant und Königsberg folgen bis 2024.
Oberbürgermeister Ulrich Mädge sicherte die Unterstützung der Stadt zu. Lüneburg erhalte mit dem Duisburger Königsberg-Museum einen unermesslichen Schatz und erfahre eine große Aufwertung.

Dr. Mähnert machte deutlich, welch große Herausforderung nun auf das Haus und sein Team zukommt. Das steckt mitten in der Planung eines Museums, das sich neu ausrichtet „für einen Kulturraum, den es nicht mehr gibt.“ Und weiter: „Wir müssen das so abbilden, dass junge Leute erkennen, was es sie heute angeht.“ Von der Königsberg-Sammlung war bei den Plänen für den laufenden Ausbau nicht die Rede. Aber Dr. Mähnert ist vor allem glücklich, denn in Sachen Königsberg, der Hauptstadt Ostpreußens, habe man bisher „entscheidende Sammlungslücken“ gehabt.
2024 wird der 300. Geburtstag des Philosophen Immanuel Kant gefeiert. Lorenz Grimoni weiß, wie Kant bekannt gemacht wird: 2004 kamen zu „seiner“ Duisburger Kant-Ausstellung 27000 Besucher „ohne die Schüler einzurechnen“. Welcher Schatz da auf Lüneburg zukommt, würdigten alle am Umzug Beteiligten. Lüneburg repräsentiere künftig „einen der wichtigsten Aufklärer der Moderne weltweit“, meinte Hubertus Hilgendorf, Stiftungsratsvorsitzender der Ostpreußischen Kulturstiftung. Klaus Weigelt, Vorsitzender des Kuratoriums Königsberg und der Stiftung Königsberg, unterstrich das und spannte den Bogen weiter: Königsberg bleibe eine Metropole des Geistes, „Königsberg bleibt auch in Lüneburg unsterblich.“

5000 Exponate umfasst der Gesamtbestand, im Juni wird er anrollen. Vier Stücke hatte Grimoni mitgebracht, allen voran eine Plastik von Käthe Kollwitz: „Die Klage“, gedacht für den von den Nazis geächteten Bildhauer Ernst Barlach. Kant war natürlich auch da, in Gestalt einer 120 Jahre alten Statuette des Denkers und in einem Porträt, der Kopie eines Gemäldes, das zurzeit als Leihgabe im Haus der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin hängt.

Eines musste Dr. Mähnert aber schon mal klarstellen. Auch wenn er auf einen 450 Quadratmeter großen Kant/Königsberg-Anbau hoffe, Königsberg komplett werde nicht abzubilden sein. Ein großes Depot jedenfalls wird mitgeplant. Möglich werde der Anbau ohnehin nur, wenn die Zusammenarbeit mit Bund und Land ähnlich gut laufe wie bei der laufenden Maßnahme. Deren Abschluss verzögert sich aus gutem Grund: Der Bund hatte eine Million Euro zusätzlich für die Gestaltung des Museums gegeben und deren Verwendung will geplant sein.
Die letzte Ausstellung, die Lorenz Grimoni in Duisburg ausrichtete, galt dem Reformationsjubiläum für ihn als Theologen ein guter Beschluss und vorab das Thema des Jahres 2017 landauf, landab.