Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Jörg Baberowski (links) und Harald Welzer nehmen als Autoren Stellung zu aktuellen gesellschaftspolitischen Problemen. Fotos: nh
Jörg Baberowski (links) und Harald Welzer nehmen als Autoren Stellung zu aktuellen gesellschaftspolitischen Problemen. Fotos: nh

Literaturbüro: Über Gewalt und Migration

lz Lüneburg. Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie gehen wir mit Flucht und Migration um? Wie entsteht Gewalt? In der neuen Reihe des Literaturbüros Lüneburg mit dem Titel „Was uns bewegt“ werden Sachbuchautoren eingeladen, die sich mit diesen Fragen und Themen beschäftigen, um das Gespräch darüber anzuregen. Die Reihe startet am Dienstag, 12. April, um 19.30 Uhr im Heinrich-Heine-Haus mit Jörg Baberowski als Gast, er stellt sein Buch „Räume der Gewalt“ vor.

Der Historiker Baberowski hatte sich bereits in seinem preisgekrönten Buch „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt“ mit dem Thema Gewalt auseinandergesetzt. In „Räume der Gewalt“ schildert er eindringlich, was Gewalt mit Menschen macht, warum sie zum Menschen gehört und wie sie entsteht. Joachim Scholl, freier Journalist und Moderator im Deutschlandradio, führt das Gespräch mit ihm.

Das Buch gilt als beeindruckende Studie über den sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Umgang mit Gewalt. Sie ist kein „Betriebsunfall“ oder „Extremfall“, sie war und ist eine für jedermann zugängliche Handlungsoption. Wer wirklich wissen will, was geschieht, wenn Menschen einander Gewalt antun, muss eine Antwort auf die Frage finden, warum Menschen Schwellen überschreiten und andere verletzen oder töten.

Jörg Baberowski, geboren 1961, ist Professor für Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu seinen Veröffentlichungen zählen: „Der Rote Terror. Die Geschichte des Stalinismus“ (2003), und „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt“, ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2012.

Zum zweiten Abend der Reihe kommt der durch seine Thesen zum Nationalsozialismus („Opa war kein Nazi“) und zum Klimawandel bekannte Sozialpsychologe Harald Welzer. Er stellt am Mittwoch, 29. Juni, um 19.30 Uhr im Hörsaal 1 der Leuphana Universität sein Buch „Die smarte Diktatur. Angriff auf unsere Freiheit“ vor. Noch deutlicher als in seinem Bestseller „Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand“ zeigt Welzer darin, wie scheinbar unverbundene Themen wie Big Data, Landraub, Klimawandel, Migration und Ungleichheit zusammenhängen, und dass es höchste Zeit ist, den Kampf gegen die „smarten Diktatoren“ aufzunehmen.

Welzer zeigt auf, dass sich unsere Gesellschaft radikal verändert, aber fast unsichtbar: Das Private verschwindet, die Macht des Geldes wächst ebenso wie die Ungleichheit, wir kaufen immer mehr und zerstören damit die Grundlage unseres Lebens. In der smarten Diktatur sind Konsum und Überwachung ein und dasselbe; was die Überwacher brauchen, liefern die Bürger selbst mit jedem Klick.

Welzer verdeutlicht, dass Zuschauen keine Haltung ist, sondern es höchste Zeit für Gegenwehr ist, wenn man die Freiheit erhalten will. Harald Welzer, geboren 1958, ist Direktor von „Futurzwei Stiftung Zukunftsfähigkeit“ und Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg. Daneben lehrt er an der Universität St. Gallen. Zuletzt hat er „Selbst denken“ (2013) und mit Michael Pauen „Autonomie. Eine Verteidigung“ (2015) veröffentlicht. Das Gespräch moderiert Steffi Hobuß, Dozentin für Philosophie von der Leuphana.

Die Reihe „Was uns bewegt“, gefördert von der Stiftung Niedersachsen und der Sparda-Bank, wird im Herbst fortgeführt.