Aktuell
Home | Kultur Lokal | Premiere für Tanzprojekt an der Volkshochschule
In die Zeit der 50er- bis 70er-Jahre führen die Szenen aus dem Rückspiegel. Sie werden in der Musikschule aufgeführt. Foto: t&w
In die Zeit der 50er- bis 70er-Jahre führen die Szenen aus dem Rückspiegel. Sie werden in der Musikschule aufgeführt. Foto: t&w

Premiere für Tanzprojekt an der Volkshochschule

oc Lüneburg. Für Helga Gerhard-Schröder galt über Jahrzehnte ein Satz von Ödön von Horváth: „Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“ Denn eigentlich, sagt die Lüneburgerin, wollte sie Tänzerin werden. Sie wurde Lehrerin. Auch gut — und sicher. Aber es ist ja nie zu spät, „und mittlerweile habe ich das frühere Lebensziel verwirklicht“. Etwas später, etwas anders: Helga Gerhard-Schröder leitet seit 2011 eine Tanzgruppe an der Volkshochschule, und die blickt am Sonnabend, 16. April, in den „Rückspiegel“, um 19 Uhr in der Musikschule.

Der Kursus firmiert unter dem Titel „Community-Dance — moderner Ausdruckstanz“. 13 Mitglieder zählt die Gruppe, zehn werden auf die Bühne gehen, alle befinden sich im Bereich 50plus, alle sind Frauen. „Aber wir erwarten einen Mann“, sagt die Leiterin. Nur noch nicht zum aktuellen Projekt. Eigentlich sind auch alle Laien, bis auf Tessa Higgins, sie bringt Erfahrung mit.

Helga Gerhard-Schröder ließ sich von Royston Maldooms Projekt „Rhythm is it“ mitreißen. Maldoom machte Tanzprojekte für jedermann und jedefrau populär, unter anderem kinoreif in Berlin mit Hauptschülern und den Symphonikern. Auf sechs Jahre Ausbildung blickt die Lüneburger Kursleiterin zurück, sie weiß, was sie wie umsetzen kann. Vor zwei Jahren hatte sie mit ihrer Gruppe einen Abend unter dem Titel „Poesiealbum — getanzt“ aufgeführt. Der Zuspruch war so groß, dass nun eine neue Produktion reif ist.

„Rückspiegel“, das sind „getanzte Erinnerungen, wie sie kommen und gehen, quälen, bedrücken, aber auch erheitern können und im Alter immer präsenter und drängender werden“, erläutert die Tanzleiterin. Der immer von der Gegenwart ausgehende Blick führt in den umgesetzten Szenen zurück in die 50er- bis 70er-Jahre.

Helga Gerhard-Schröder sieht in ihrer Arbeit auch einen pädagogischen bzw. psychologischen Nutzen. „Die Begegnung in der Gruppe hilft, die Arbeit an den Erinnerungen weiterzuführen, aufzufangen und ihnen eine Form zu geben“, schreibt sie in ihrem Programm zu der Produktion. Und sie zitiert Dr. Maria Schneider, die künstlerische Leiterin der Wolfsburger Movimentos-Festwochen, aus dem Interview der Landeszeitung im März: „Tanz ist eine große Herausforderung an die Konzentration und birgt gleichzeitig die Möglichkeit für individuelle Deutungsmöglichkeiten. Er schafft dadurch einen Zugang zu tieferen Ebenen der Wahrnehmung.“

Geplant ist bisher nur eine — rund 90 Minuten dauernde — Vorstellung.