Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Konzerte von L'Ohreley sind immer choreographiert und didaktisch-methodisch einwandfrei aufbereitet. Foto: t&w
Konzerte von L'Ohreley sind immer choreographiert und didaktisch-methodisch einwandfrei aufbereitet. Foto: t&w

Frauenchor L’Ohreley feiert 20-jähriges Bestehen

oc Lüneburg. Wie sich die Welt der Chöre gewandelt hat, lässt sich seit Jahren an den Namen ablesen und am Repertoire abhören. Viele Chöre mit Namen wie MGV Concordia Eintracht Deutsche Eiche von 1918 ringen ums Überleben. Wie Pilze aus dem Wald schossen Chöre mit Namen, originell wie die der Friseure. Sie heißen ChorNetto, LoChorMotion, Ohregano, Miss Töne oder in diesem Fall L’Ohreley, wozu ein Schwesternchor namens Femmes Vocales gehört. Sie singen eher nicht „Ännchen von Tharau“, sondern „Sister Act“-Sachen, nicht so sehr „Heideröslein“, eher „Engel“ von Rammstein. Das alles und viel mehr ließ sich über gut drei Stunden gut anhören — zum 20. Geburtstag von L’Ohreley im Glockenhaus.

Schuld hat Birke Licht. Sie leitete in den Achtzigern nicht nur den Frauen-und-Männer-Chor „Ohregano“, sondern setzte 1986 eine Anzeige in die LZ, um einen reinen Frauenchor zu gründen. Zum ersten Treffen kamen 80 Frauen. Daraus erwuchsen zwei Chöre, neben L’Ohreley eben Femmes Vocales, die im Juni zu ihrem 20. im Museum singen. Birke Licht lebt heute auf Föhr, die Femmes werden von Imke McMurtrie geleitet, die L’Ohreleys von Karin Malangré. Offen ist, welcher Chor die höhere Lehrerinnenquote vorweisen kann.

Ein „Best Of“ studierte L’Ohreley zum 20. ein. Das konnte kein kurzer Abend werden für die 35 Sängerinnen, ihre Leiterin, ihre umsichtige Klavierbegleiterin Eva Pankoke und ihre Choreografin Alexandra Fischer. Auch nicht für den Quotenmann. Als solcher ging Arrangeur Peter Mallangré einmal ans Piano. Er ist natürlich auch Lehrer, ebenso die Chorleiterin und die Pianistin und mutmaßlich viele im ausverkauften Saal.Die hatten ihr Vergnügen — obwohl: Auf die per Zettel zu beantwortende Frage, warum die Besucher denn ein L’Ohreley-Konzert besuchen, kam zu 80 Prozent die knappe Antwort: „Weil meine Frau mitsingt.“ Das ist auslegbar.

Bereut haben werden die Gatten den Besuch aber nicht. Denn es ging musikalisch ziemlich hochwertig zu, wobei schiere Perfektion nicht die entscheidende Größe für den Chor ist, sondern Stimmigkeit. Und da zeigt sich der — in „freundliches Schwarz“ gekleidete — Chor enorm wandlungsreich. Ob er einen Gospel anstimmt, ins Lateinamerikanische oder Afrikanische schaut, mit Formen von Improvisation arbeitet, Schlagern Ironie unterschiebt oder Präzisionseinsätze meistert wie bei Karl Jenkins „Boogie Woogie“: Dank Karin Malangrés genauer Arbeit bekommen die Chorsätze Format und Charakter. Das Ergebnis gibt dem Chormotto recht: „Das wird schon.“ Ob „Macavity“ aus „Cats“ mit Schwung oder der von Chören oft gesungene Rammstein-,,Engel“ mit Tiefe — das passt schon.

Es entwickelt sich ein Abend der fröhlichen Stilbrüche. Nie aber ist ein Konzert des Chors einfach ein Konzert — und dieses schon gar nicht. Es wird viel erzählt aus 20 Jahren und methodisch-didaktisch einwandfrei aufbereitet. Die Chorinspektion müsste, wenn es sie denn gäbe, großen Respekt zeigen. Außerdem ist der Chor in Bewegung: Zuerst hatte Kerstin Kessel vom Theater Lüneburg mit den Frauen szenisch-choreografisch gearbeitet, heute macht das Alexandra Fischer, eine Tanzpädagogin. Dass die Chorfrauen dem Ernsten Raum geben, dann wieder viel Selbstironie beweisen — es wird eben gern und redundant diskutiert — macht Sinn und Spaß.

Den haben sie und ihr Publikum noch zweimal, am Freitag/Sonnabend, 22./23. April, jeweils um 19 Uhr. Vielleicht schaut ja Gründerin Birke Licht vorbei. Eines aber gilt auch für L’Ohreley e.V. von 1996. Wo singt der Nachwuchs?