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Wiederaufgetaucht: Ein Landschaftsbild, das Gerhard Fietz 1945 malte. Foto: oc
Wiederaufgetaucht: Ein Landschaftsbild, das Gerhard Fietz 1945 malte. Foto: oc

Gerhard Fietz: verschollen geltende Bilder aufgetaucht

oc Lüneburg. Der Zufall spielt in der Kunst eine große Rolle, und das gilt weit über das Leben eines Künstlers hinaus. Das Werk von Gerhard Fietz (1910-1997), der lange in Göddingen bei Bleckede lebte, ist mustergültig dokumentiert. Rund 4000 Nummern erfasst das Werkverzeichnis, das mit Hilfe der Sparkassenstiftung in mehreren Bänden erschien. Darin findet sich gelegentlich der Hinweis „Verbleib unbekannt“. Etwa bei Werknummer 19445/40, das zur Drucklegung nur als fotografische Abbildung bekannt war. Nun ist das Bild plötzlich aufgetaucht, wenn auch mit dem Bildvermerk 1945/456 oder heißt es 455. Und eine fette Überraschung gab es auch noch.
Von 1944 bis 1950 lebte Gerhard Fietz, der verwundet aus dem Krieg heimkam, in Schlederloh, heute ein Ortsteil von Icking, das liegt im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Fietz malte viel und suchte seinen Weg. Er sollte ihn 1949 zur Gruppe „Zen 49“ führen, einer Künstlergruppe, die in der Abstraktion einen neuen Zugang zur Welt suchte. Das verschollene Bild von 1945 dürfte eines der letzten sein, bei dem Gerhard Fietz Landschaft auf gegenständliche Weise erfasste.

Überraschung beim Ausrahmen: Auch die Rückseite des nummerierten Bildes wurde genutzt.
Überraschung beim Ausrahmen: Auch die Rückseite des nummerierten Bildes wurde genutzt.

Das Bild und mit ihm weitere, die zum Teil als verschollen galten, fanden sich in München. Der Zufall folgt in diesem Fall einer Recherche. Bei der Vorbereitung des letzten Bandes zum Werkverzeichnis tauchten Entwürfe auf, die zeigten, dass Fietz keramische Objekte plante. Der Name des Keramikers war bekannt, und ein Nachfahre wurde gefunden, ein Medizinprofessor in München. Er erinnerte sich an Gerhard Fietz und daran, dass der Maler seinen Vater mit Bildern bezahlte. Die Bilder waren erhalten, Nummer 1945/455 oder 456 (bei der Nummer wurde etwas radiert und geändert) hing an der Wand. Vier der sechs Bilder sind nun im Besitz der Treuhandstiftung Fietz, die ein Kernwerk des Künstlers im Kunstarchiv Neuhaus bewahrt.

Beim Ausrahmen des Bildes (Eitempera auf Papier) gab es eine Überraschung. Die Rückseite war ebenfalls bemalt – mit einer abstrakten Komposition, die versucht, das Wesenhafte einer Form zu erfassen. Das Bild ist nicht nummeriert, nicht signiert. Die Zeiten waren karg. Allerdings ist dies der einzige bekannte Fall, bei dem Fietz beide Seiten nutzte.

Zu Ende gehen wird das Kapitel Fietz in Göddingen. Das Gerhard-Fietz-Haus wird mittelfristig verkauft, der Künstler Gerhard Fietz ist dann in Lüneburg ein Fall fürs (Kunst-)Archiv. Ein neues Kapitel Fietz wird dagegen in Süddeutschland aufgeblättert.

Das Stadtmuseum Penzberg wird mit 2,9 Millionen Euro erweitert, soll im Juni wieder öffnen. Bisher hatte es einen Schwerpunkt auf den Bildern Heinrich Campendonks. Gerade wurde der Campendonk-Bestand durch eine Schenkung um 180 Bilder erweitert. Künftig kommt als zweiter künstlerischer Schwerpunkt Gerhard Fietz hinzu. Das hat geographisch seinen Sinn: Penzberg liegt nah an Icking bzw. Schlederloh.