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Melissa und Andy (Agnes Müller und Frank Hangen) begleiten einander durch ihr Leben  ohne sich dabei zu sehen. Foto: t&w
Melissa und Andy (Agnes Müller und Frank Hangen) begleiten einander durch ihr Leben ohne sich dabei zu sehen. Foto: t&w

T.NT-Studio: Premiere für „Love Letters“

sel Lüneburg. Grüße zu Weihnachten, Glückwünsche zum Geburtstag, Einladungen zur Beförderung und zur Vernissage, Bekanntmachungen von Hochzeiten und Phasen, manchmal lange, des Schweigens. Briefe, die vor Lebenslust überschäumen, die vor Glück und Leichtigkeit schweben, mal flapsig, mal frivol, mal als Fassade. Und Briefe, die Einsamkeit, Verzweiflung und Scheitern, mitunter Scham, ahnen lassen. Und diese lange Phasen des Schweigens, die von Enttäuschung, Verdruss und Verletztheit sprechen. Briefe zweier Leben und einer Liebe: „Love Letters“.
Das Zwei-Personen-Kammerspiel aus der Feder von Albert Ramsdell Gurney ist ein Stück, das lange nachwirkt, das zwei Leben miteinander verwebt und von verpassten Chancen erzählt. Oder waren diese verpassten Chancen am Ende der eigentliche Grund dieser lebenslangen Liebe, die Melissa und Andy teilen?
Agnes Müller und Frank Hangen entblätterten am Freitag im T.NT zwei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein können. Und die beiden Protagonisten wuchsen, reiften und alterten mit ihren Figuren. Sie schälten Melissas und Andys Schwächen und Ängste frei, ließen das Publikum mithoffen und bangen: Sollten sich die beiden am Ende ihres Lebens doch noch zusammentun? Oder besser doch nicht, nach all dem, was sie an Erinnerungsgepäck mit sich tragen?
Melissa und Andy kennen sich seit ihrer Kindheit sie, die temperamentvolle, extrovertierte Künstlerin, er, der ehrgeizige, zielstrebige Anwalt, der sogar Senator wird. Nach der Schule verlieren sie sich aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn, denn sie schreiben sich, beschreiben ihre Leben mit allen Höhen und Tiefen, nehmen Anteil am Lebensweg des anderen, sind eifersüchtig, sehnsüchtig.
Im späten Herbst ihres Lebens werden sie tatsächlich für einige Zeit ein leidenschaftliches Liebespaar, aber Andys Verantwortung für seine Familie, seinen Wahlkreis, für überhaupt alles beendet die Passion. Melissa strauchelt erneut, schon zuvor hatte sie einige Male die Balance verloren, sich in Entzugskliniken begeben. Jetzt verabschiedet sie sich für immer, Andy schreibt einen letzten, langen Brief an Melissas Mutter. „Sie war das Herz meines Lebens“, sagt er, und dieses eine Mal schauen sich Melissa und Andy in die Augen.
Bis dahin sitzen Agnes Müller und Frank Hangen nebeneinander an einem schlichten Holztisch und lesen, jeder in seiner eigenen Welt, aus ihren Briefen vor. Es ist ein großartiges Schauspiel, das die beiden Schauspieler abliefern: anrührend und aufwühlend, tröstend und gleichzeitig verstörend. Am Sonntag, 29. Mai, 16 Uhr, ist es noch einmal im TNT zu sehen und es hat ein größes Publikum verdient.