Aktuell
Home | Kultur Lokal | Hannes Wader füllt das Vamos
Statt des Notenpults benutzt er mittlerweile einen Teleprompter, aber ansonsten war es bei Hannes Wader im Vamos eigentlich wie immer. Foto: phs
Statt des Notenpults benutzt er mittlerweile einen Teleprompter, aber ansonsten war es bei Hannes Wader im Vamos eigentlich wie immer. Foto: phs

Hannes Wader füllt das Vamos

ff Lüneburg. Musiker, die ihre eigenen Lieder singen und sich selbst auf einem Instrument begleiten, werden auch in Deutschland Singer/Songwriter genannt. Früher hießen sie Liedermacher. Davon spielen in der ersten Liga noch drei: Konstantin Wecker, Reinhard Mey und Hannes Wader natürlich. Der gelernte Dekorateur, 1942 in Bielefeld-Gadderbaum geboren, blickt nun auf eine Bühnenlaufbahn von 55 Jahren zurück eine Legende, aber eine lebende. Hannes Wader ist in Form, im Vamos feierten mehr als 600 Zuschauer seine Lieder.

Immer wieder faszinierend: die Präsenz seiner seelenvollen Stimme er ist eben der Sänger mit der Hannes-Wader-Stimme. Sauberes, teilweise filigranes Gitarrenpicking, dazu ein Riesenrepertoire, vom Arbeiter-Kampflied bis zur Ballade aus der Epoche der Romantik, mehr braucht es nicht. Natürlich hat er wie immer mit „Heute hier, morgen dort“ begonnen, und auch die anderen Lieder kamen zumindest den regelmäßigen Gästen im Publikum bekannt vor: „Das Hotel zur langen Dämmerung“ beispielsweise, eine miese Absteige, in der Wader in einer schlaflosen Nacht mit Erscheinungen der eigenen Person konfrontiert wird. Oder der Talking Blues „Wo ich herkomme“ da werden Erinnerungen an seinen legendären, endlosen „Tankerkönig“ wach.

Wo er herkommt: Hannes Wader stammt aus einfachen Verhältnissen, ist konsequent seinen Weg als Barde gegangen, hat sich oft und gern Ärger eingefangen er wirkt eben authentisch. Nur Wader darf heute noch, ohne dass es komisch wirkt, „Die Gedanken sind frei“ singen, und das „Bürgerlied“ („Ob wir rote, gelbe Kragen, Helme oder Hüte tragen…“), das wir noch aus der Liederheftchen-Reihe „Student für Europa“ kennen. Auch von Solidarität ist noch einmal die Rede.

Seit einer Weile singt der Liedermacher auch englisch oder wenn es um sein großes Vorbild George Brassens geht auch mal französisch. Das ist ehrenwert, gehört aber nicht unbedingt zu den Höhepunkten seiner Konzerte. Richtig gut ist Wader in der Reflexion gesellschaftspolitischer Veränderungen, zum Beispiel, wenn er von einem längst ergrauten, zahnlosen Straßenmusiker singt, in dem er sich selbst spiegelt und erkennt: „So wie der bin ich nicht mehr“. Denn längst führt Wader eine bürgerliche Existenz, und dass er, der einstige Klassenkämpfer, auch mal in einer schön restaurierten Mühle wohnte, hatte ihm den beißenden Spott seines Kollegen Hans Scheibner eingetragen. Und immer mal durchbricht Wader seine Auftritte mit Selbstironie etwa, wenn er ein echt griechisches Lied im landestypischen Siebenachtel-Takte schrieb und dann feststellte, „dass dieser Rhythmus in Griechenland weitgehend unbekannt ist“. Oder wenn er dem Straßenmusiker einen Schein zusteckt, wenn dieser „Cocaine“ singt. Denn mit diesem Lied „Ich kam von Frankfurt nach Berlin, zwei Koffer voll mit Kokain“ hatte Wader einst begonnen.

Nach zwei Sets von akurat je einer Dreiviertelstunde war er mit dem regulären Programm durch. Hannes Wader hat sich nicht neu erfunden an diesem Vamos-Abend, warum sollte er auch? Es geht ihm gut, und das ist irgendwie ein beruhigendes Gefühl.