Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Nina George bei ihrer Lesung in Lüneburg, gestern war sie auch in Salzhausen zu Gast. Foto: t&w
Nina George bei ihrer Lesung in Lüneburg, gestern war sie auch in Salzhausen zu Gast. Foto: t&w

Nina George liest aus „Das Traumbuch“

aweg Lüneburg. Die kleinen Entscheidungen, die in unserem Leben so viel bewegen — das ist es, was Schriftstellerin Nina George beschäftigte, bevor sie ihr neuestes Buch schrieb. In ihrem Roman „Das Traumbuch“ konfrontiert die Autorin ihre Hauptpersonen und Leser immer wieder mit den großen Konsequenzen der kleinen Entscheidungen. Jetzt las die Autorin, die mit ihrem letzten Buch „Das Lavendel-Zimmer“ einen Weltbestseller landete, bei Lünebuch.

Wenn sie jemand frage, worum es in „Das Traumbuch“ eigentlich ginge, antworte Nina George mittlerweile: „Es geht um alles: Um Liebe, Freundschaft und die Frage: Was ist zwischen Leben und Tod?“ Und dann sei da noch die Frage ihrer Lektorin gewesen, die als eine der ersten Ausschnitte aus dem neuen Buch gelesen habe. „Sie sagte: Nina, du willst also deinen Protagonisten nach dem ersten Kapitel ins Koma fallen lassen?“

Genau das wollte Nina George und hat das erste Kapitel nicht verändert. Henri, ein Kriegsreporter, der in London wohnt, fällt nach einem Unfall ins Koma. Doch bleibt Henri nicht der einzige Protagonist in der Geschichte. Eddie, eine Buchverlegerin und Henris frühere Liebe, und sein 13-jähriger, hochsensibler Sohn Sam erzählen ebenfalls in „Das Traumbuch“. Es sind drei Menschen und drei Perspektiven, die alle anders mit der Situation umgehen, die in den 43 Tagen nach dem Unfall noch einige unerwartete Wendungen nehmen wird.

Es stecken in Nina Georges „Traumbuch“ viele Themen und Gedanken. „Meine mutigsten und komplexesten Bücher schreibe ich aus einem Impuls heraus“, sagt die Autorin. Im „Lavendel“-Buch verarbeitete sie den Tod ihres Vaters. In ihrem neuen Roman war es eine lebensgefährliche Lebensmittelvergiftung, die sie sich in ihrer Wahlheimat, der Bretagne, zuzog. „Ich habe die Geschichte mit den starken Empfindungen, die ich währenddessen erlebte, begonnen“, sagt die 42-Jährige. Die Gedanken, die ihr selbst durch den Kopf gingen, als sie ohnmächtig wurde, spiegeln sich in der Geschichte um Henri, Sam und Eddie wider. Und auch ihr Hauptthema, die Frage nach falschen und richtigen Entscheidungen, führen immer wieder zum eigentlichen Kern der Geschichte.

Was das Buch, das aktuell auf Platz 20 der Spiegel-Bestsellerliste steht, für Nina George bedeutet, zeigt sich auch durch ihre Lesung. Mit vollem sinnlichen und geistigen Einsatz stellt sie ihre Hauptpersonen in den Kapiteln vor, ganz so, als seien es reale Freunde oder Familie. „Sam, das ist mein absoluter Liebling“, sagt sie, bevor sie einen kurzen Einblick in die Perspektive des 13-jährigen Sohns gibt. Genau wie Nina George ist Sam ein Synästhetiker. Gehörtes und Gesehenes verschmelzen oft mit Zweitempfindungen wie Farben oder geometrischen Formen. „Genau wie bei Sam hat für mich jede Nummer eine Farbe“, sagt George. Während die Autorin aus Sams erstem Kapitel liest, wird deutlich, wie vielschichtig sein Charakter ist. Er sieht die Welt, das Krankenhaus als Kind, Teenager, Erwachsener und eben auch als Synästhetiker.

Auf die Publikumsfrage, was nach „Das Traumbuch“ kommt, darf die Autorin noch keine konkrete Antwort geben. „2018 wird ein Buch kommen. Aber den Titel haben wir noch nicht schützen lassen, den würde ich ihnen gerne verraten, darf ich aber leider nicht“, sagt George und lacht.