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Bildhauerin Gisela Milse 
und Radbruchs Bürgermeister Achim Gründel präsentieren den Entwurf der Skulptur, die dann 2,20 Meter hoch sein wird. Foto: ff
Bildhauerin Gisela Milse und Radbruchs Bürgermeister Achim Gründel präsentieren den Entwurf der Skulptur, die dann 2,20 Meter hoch sein wird. Foto: ff

Gisela Milse: Vom Speckstein zum Kunst-Projekt

ff Radbruch. Am Anfang war eine kleine Skulptur aus Speckstein, ein Entwurf. Er stand in Gisela Milses Atelier in Radbruch, und stellt eine Familie dar. Bei einem Tag der offenen Tür wurde Bürgermeister Achim Gründel auf das Objekt aufmerksam. Das ist vier Jahre her. Jetzt steht ein vier Tonnen schwerer Block aus Schweins­taler Sandstein am Ortsrand des Dorfes, nahe des „Huus för Kinners“. In einigen Wochen wird er aussehen wie der Entwurf, und dann werden sicher auch Kinder darauf herumklettern.

Gisela Milse, Jahrgang 1955, ist eine erfahrene Bildhauerin. Sie studierte Gestaltung in Hamburg, hat seither unzählige Ausstellung mit ihren Skulpturen bestückt, auch in der Region Lüneburg. Mit der Flex fürs Grobe sowie Hammer und Meißel für die feineren Strukturen arbeitet Gisela Milse schon seit einigen Tagen an dem Block. In sechs Wochen soll ihre Arbeit, die von der Künstlerin eine gewisse Wetterfestigkeit verlangt, fertig sein. Der massige, gelbbraune Brocken mit einem reizvollen rötlichen Adergeflecht stammt aus einem Steinbruch nahe Kaiserslautern, er ist rund 250 Millionen Jahre alt. Achim Gründel, selbst ausgebildeter Geologe, preist die feinen, durch die Kräfte der Natur geformten Schichten, die sich wie Jahresringe auf der Oberfläche abzeichnen. Gisela Milse schätzt sie vor allem wegen ihres ästhetischen Potenzials bei der Gestaltung von groben und glattgeschliffenen Oberflächen.

Vater, Mutter, drei Kinder, ein Hund: Die rund 2,20 Meter hohe Skulptur ist so konzipiert, dass sich die ganze Familie erst beim Herumgehen erschließt. Noch sind nur grobe Umrisse zu erkennen die meisten Kinder interessieren sich vor allem für den Hund, aber Gisela Milse mag sich auf eine Rasse noch nicht festlegen. Ohnehin werden die Figuren nur angedeutet, die Proportionen sind wichtig, und die Gestalten werden sich auch erklettern lassen. Eigentlich sollte die Bildhauerin am vorgesehenen Ort arbeiten, aber Krach und Staub hätten den Kindergartenbetrieb zu sehr belastet. Also wurde ein vorläufiges Fundament einige Meter weiter im Grünen gelegt, Workshops für die Kinder sollen das Entstehen der Familiengruppe begleiten.

So viel Aufwand kostet Geld: rund 11000 Euro. Die Gemeinde, das war dem Bürgermeister von vornherein klar, konnte das nicht bezahlen. Also klopfte Achim Gründel an viele Türen, fand große und kleine Sponsoren selbst aus dem Verkauf von Marmelade und von Radbrucher Luftbildern flossen einige Euro in das Projekt, bis es nach vier Jahren endlich losgehen konnte. Für Gisela Milse ist es nicht die erste Arbeit im öffentlichen Raum Radbruchs, seit 2006 steht ihr Objekt „Die Drei“ in der Dorfmitte.