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Marij von Gorkom nimmt das Mundstück ihrer Bassklarinette in Betrieb. Foto: ff
Marij von Gorkom nimmt das Mundstück ihrer Bassklarinette in Betrieb. Foto: ff

38. Studienwoche für zeitgenössische Musik im Glockenhaus

ff Lüneburg. Der Organisator habe, so Friedrich von Mansberg, „ja eine gewisse Routine“, das war dezent untertrieben. Der Vorsitzende des Lüneburger Kulturausschusses meinte Prof. Helmut W. Erdmann, der im Glockenhaus seine mittlerweile 38. Internationale Studienwoche für zeitgenössische Musik“ eröffnete. Wie immer geht es (bis 7. Mai) um die Schnittstelle zwischen akustischer und elektrischer Klang­erzeugung, um die Verbindung klassischer Musikinstrumente mit live, also unmittelbar reagierender Sound-Technik. Den Auftakt gestaltete Marij von Gorkom mit ihrem Programm „Sonic Spaces“.

Die niederländische Bassklarinettistin arbeitet seit 2012 mit Komponisten aus ihrer Heimat und Neuseeland zusammen, um die Möglichkeiten des Instruments auszuloten und einen eigenen Weg in der modernen Aufführungspraxis zu finden. So bieten die „Sonic Spaces“, die jedes Jahr zusammengestellt werden, auch eine Reihe von Uraufführungen. Das Lüneburger Programm spannte mit insgesamt sechs Stücken einen weiten Bogen, ausgehend von Ton Bruynèls „Intra“, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1971 zurückreichen, bis zu Gleb Foulgas „Substances“ von 2014. Die Kompositionen sind in der Regel präzise — mit Noten — notiert, keine Graphiken, keine Vektoren also. Mechanische Geräusche des Instruments, das Klappern der Mechaniken beispielsweise, werden percussiv mit einbezogen, manches könnte als Soundtrack für einen Film dienen. Überhaupt stellen sich viele Assoziationen ein — das Brummen eines Motorflugzeugs, eine Verfolgungsjagd in der Straßenschlucht einer Großstadt, eine Slapstick-Prügelei in einem Disney-Film vielleicht: Es gibt eben kaum Grenzen, Melodien tauchen eher fragmentarisch auf, um gleich wieder aufgelöst und erneut verdichtet zu werden. Und irgendwie führt die Bassklarinette in ihrem samtig-hintergündigen Klang immer wieder zum Gesang der Wale — aber wer weiß das schon genau?

Live-Elektronik heißt: Das Eingangssignal wird verfremdet, künstlich erzeugte Klänge werden in den Vortrag mit eingemischt — oder die Musikerin nimmt sie erst im Spiel auf, damit sie dann in einer Schleife, einem „loop“, in die Musik zurückzukehren. Die Technik überwachte und bediente einmal mehr Erdmanns langjähriger Kollege Claus-Dieter Meyer-Cybranz. Für Stück Nummer fünf, für „synchronicity ain`t no thing“ von Adam Bansanta, kam allein das im Studio vorbereitete Material zum Einsatz, Marij von Gorkom hatte Pause.

Helmut W. Erdmann skizzierte bei der Eröffnung die Zusammenhänge: Die Lüneburger Studienwoche sei immer auch Teil eines internationalen Netzwerkes, das gelte ebenso für die Arbeit der Komponisten und Musiker. Vielseitigkeit sei auch ein Thema der Musik selbst. Der Blick richtet sich beispielsweise in dieser Woche mehrfach auf das Werk von Max Reger (1873-1916), der sich als Pionier der Moderne beschreiben lässt.