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Alan John Roylands malt eine harmonische Welt, bei seinen Objekten kann es anders zugehen. Foto: be
Alan John Roylands malt eine harmonische Welt, bei seinen Objekten kann es anders zugehen. Foto: be

Alan John Roylands und das Loslassen

oc Lüneburg. Als Alan John Roylands acht Jahre jung war, bekam er von seinem Kunstlehrer prägendes Lob. Die Kunst blieb Lebensthema des Londoners, der fürs sichere Brot Ingenieur wurde und sein Wissen für Flugzeuge und Schiffe einsetzte. Im kommenden Jahr wird der Wahl-Lüneburger, das ist ein schlecht gehütetes Geheimnis, 80 Jahre. Dass er jetzt in seiner Kunst auch ein wenig „den verrückten Engländer“ zulässt, das ist sein gutes Recht und soooo verrückt nun auch wieder nicht, wie in der Galerie im Zieglerhof zu sehen ist.

„Werkschau Reflections“ schreibt Roylands über seine Ausstellung. Sie zeigt Bilder aus der Zeit ab 1967, und Roy­lands kann zu jedem Bild eine Geschichte erzählen, die hinter das Werk führt. Mitgebracht hat er außerdem einen Katalog. Er ist Willi Langbein (1895-1967) gewidmet, einem Kieler Künstler, bei dem Roylands sehend und testend in die Schule ging. Handwerk ist dem Ingenieur wichtig. Für die künstlerische Seele aber musste er loslassen lernen, an die Stelle der kühlen Präzision die unergründliche Tiefe der Emotion erspüren.

Langbeins Malerei fußte tief in der Tradition, und auch Roy­lands fühlt sich ihr verbunden in seinen Landschaftsbildern, Stillleben und Porträts. Er kann mit Hingabe über Farbe reden, über Ölfarbe, Acryl trocknet ihm zu schnell, werde zu leicht grell. Aber Öl! Da schwärmt Roylands von „magischen Übergängen“, wenn er in Englischrot einen Tupfer Ocker gibt „die Harmonie!“ und einen Hauch Schwarz „wieder eine neue Nuance!“.

Seit fast genau 25 Jahren ist Alan Roylands mit Edith Kecsek liiert. Kennengelernt hat er die Tänzerin und langjährige Ballettchefin des Lüneburger Theaters in der Hamburger Kunsthalle wo sonst. Die Liebe zum Tanz und zum Theater wurde ein Roylands-Thema bis hin zu Porträts von den Sängern Ulrich Kratz und Wlodzimierz Wrobel.
Der „verrückte Engländer“ äußert sich nicht so sehr in Bildern, sieht man mal von der Lust am Experimentieren ab. Eher bei Objekten. Da kann Roylands seine Kenntnisse von Konstruktionen auffrischen und seinem Humor Lauf lassen, indem er eine Blume für Roboter baut, die „Please dont water“ heißt. Es gibt auch einen rückwärtigen Frauenakt aus Lochblech in einem roten Rahmen zu sehen und eine geballte Faust, die ein Ei zu zerschlagen droht. Da aber ist Schluss mit lustig, das Ei steht als Zeichen für bedrohtes Leben.

Die Austellung von Alan John Roylands läuft bis 31. Mai, Vernissage: Freitag, 6. Mai, 18 Uhr.