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Die Musiker treffen sich zum ersten Mal wenige Stunden vor dem Auftritt. Die erste Probe ist gleichzeitig die Generalprobe. Foto: t&w
Die Musiker treffen sich zum ersten Mal wenige Stunden vor dem Auftritt. Die erste Probe ist gleichzeitig die Generalprobe. Foto: t&w

1stClass Session: Ein Tag hinter den Kulissen

Von Elena Gulli

Es sieht leicht aus: ein paar Menschen, die sich auf einer Bühne treffen, Musik machen und Spaß haben. Was viele nicht wissen: Die Gäste der 1stClass Session treffen sich zum ersten Mal am Tag des Auftritts und üben die Lieder nur einmal, bevor sie gemeinsam auftreten. Damit das klappt, ist im Vorfeld perfekte Organisation angesagt. LZ-Redakteurin Elena Gulli hat einen Tag mit den Musikern und den ehrenamtlichen Helfern der etablierten Konzertreihe verbracht.

Nils von Walcke-Schuldt und Lucas Strack haben ihren Auftritt schon Stunden, bevor der erste Ton erklingt – um 9 Uhr morgens. Der 37-jährige Tontechniker und der 25-jährige Backliner sind die ersten, die kommen, und die letzten, die gehen. Als erstes holen sie die Autos ab, dann checken sie im Lager der Firma Amphire alle Cases – die Transportverpackungen also –, ob alles dabei ist. Sie laden sie ein, fahren in die Ritterakademie, laden alles aus und bauen gemeinsam die Bühne auf. Erst am Nachmittag kommen die Musiker, und nach einem kurzen Kennenlernen geht es gemeinsam auf die Bühne. Nils und Lucas gehören zu denen, die mit ihrer Arbeit die 1stClass Session unterstützen. Ohne sie und ohne die Sponsoren wäre die Veranstaltung in dieser Form nicht möglich. Es ist alles top organisiert – von der Flasche Wasser bis zum Handtuch am Bühnenrand, vom Chauffeur-Dienst bis zur Moderation.

Am 25. Mai 2007 fing die Geschichte der 1stClass Session in der damaligen WunderBar an, die regelmäßig Hunderte von Zuschauern in Lüneburg und im ganzen Norden begeistert. Gastgeber Peer Frenzke und seit fünf Jahren seine Vize Gudrun Reimers sind die Drahtzieher der 1stClass Session, „Partner in Crimes“ sozusagen. Gitarrist Frenzke nimmt Kontakt zu den Künstlern auf, und Reimers macht die ganze Feinarbeit. Mittlerweile kommen die Künstler auch auf ihn zu, er wird via Facebook oder über Mails kontaktiert. „Das Problem, dass Künstler nicht kommen, haben wir nicht mehr“, so der 52-Jährige. Auch Lieder auf Zuruf werden inzwischen nicht mehr gespielt, der Auftritt wird einigermaßen geplant. Alle Musiker bekommen die Setlist erst eine Woche vor dem Auftritt von den Sängern. Bei den Songs liegt der Schwerpunkt oft auf eigenem Material. Es werden Lead-Sheets geschrieben, in denen die Chords-Structures grob abgebildet sind – eine Art Leitfaden. Das ist das Gerüst, und das haben die Musiker dann auf dem Tablet auf der Bühne vor den Augen. Auf der einzigen gemeinsamen Probe checken die Band-Mitglieder die Tonart und die Grooves, die gut dazu passen. Zeit für mehr ist nicht vorhanden. „Wir haben uns schon davon verabschiedet, eine halbe Stunde Soli zu jammen“, so Mastermind Frenzke.

Bei der Probe herrscht größte Konzentration, die Anspannung ist spürbar. Denn das ganze Material ist ja immer fremd. Hier wird sofort der Unterschied zwischen Anfängern und Profi-Musikern deutlich. Es wird über Details sachlich diskutiert: Nach wie vielen Takten kommt der Refrain? Und wie endet das Lied? Der Bassist schlägt ein Fade-Out vor, die Idee wird angenommen und umgesetzt.

„Diva-Verhalten unter den Musikern ist eher selten“, erklärt Frenzke. Nur ein einziges Mal soll sich ein Künstler so herrisch verhalten haben, dass sich die Band gegen ihn zur Wehr gesetzt und solidarisiert habe. „Wir haben ihn an der einen oder anderen Stelle auflaufen beziehungsweise nicht so gut aussehen lassen“, gibt Frenzke mit einem Augenzwinkern zu.

Die Musiker nehmen aus Liebe zur Musik teil, denn sie bekommen nur eine schmale Festgage. Nur die ganz prominenten Gästen verdienen mehr, das wird dann aber von mehreren Sponsoren gepuffert. „Es darf nicht verpönt sein, dass wir auch wirtschaftlich für den Veranstalter denken müssen“, erklärt Frenzke: „Das muss man auch klar sagen: Wir können nicht wahllos nur unbekannte Künstler mitnehmen. Wir müssen schon mal gucken, alle Vierteljahr bekannte Gesichter zu zeigen, damit der Saal wieder voll wird. Die Besucherzahl ist im Moment konstant, zwischen 200 und 300 sind schon sehr gut für eine immer wiederkehrende Veranstaltung“.

Zurück zum Auftritt: Nach der Probe, also zwischen 18 und 19 Uhr, gehen die Musiker in den Backstage-Raum. Dort ist es nicht so aufregend, wie man denken könnte. Die Band-Mitglieder gehen in der Regel in sich, um sich zu konzentrieren, sie essen, sortieren die Noten. Um 19 Uhr ist Einlass. Die Vorband ist dran. Dann geht es los.
Nach dem Konzert bauen Nils von Walcke-Schuldt und Lucas Strack die Bühne ab. Erst gegen 1 Uhr sind sie wieder zu Hause. Am Tag danach folgt der nächste Auftritt in Neu Wulmstorf. Nach zwei Tagen ist es vorbei, und es gilt wie immer: Nach der 1stClass Session ist vor der 1stClass Session. Der nächste Auftritt, am 27. Mai, muss auch vorbereitet werden.