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Gregor Müller spielt ab heute am Theater Lüneburg in den Bekenntnissen des Felix Krull. Foto: t&w
Gregor Müller spielt ab heute am Theater Lüneburg in den Bekenntnissen des Felix Krull. Foto: t&w

Gregor Müller: Zeit für etwas Neues

oc Lüneburg. Ach, der arme Gregor! „Ich war ein schlechter Schüler, kein Mädchen hat sich für mich interessiert, ich hatte keinerlei Interessen.“ Oh je. Aber dann! „Dann ging ich in die Theater AG. Plötzlich haben mich die Lehrer gesehen, die Mädels, plötzlich hatte ich eine Clique, mit der ich mich zum ersten Mal besoffen habe.“ Glücklicher Gregor! Er blieb auf der Spur. Der Junge aus Konstanz wurde Schauspieler, und was folgte, ist eine Mixtur aus Zufall und Willen, aus Hintendran und Vorneweg. Gregor Müller, seit 2010 Schauspieler am Theater Lüneburg, steigt zum Saisonende aus. Heute, an diesem Sonnabend, aber steigt er noch einmal ein in eine große Rolle, samt einem Solo von rund 40 Minuten. Gregor Müller ist Felix Krull.

Er muss Text pauken, Zeit bleibt für einen Cappucino. Schnell ein Blick zurück ins Jahr 2010: Alle Positionen am Theater waren besetzt bis auf eine. „Ich kam als letzter ins Ensemble“, erzählt Gregor Müller über seinen Start in Lüneburg, wohin er eigentlich gar nicht wollte. Er hatte Schauspiel in Wiesbaden studiert, frei einige Rollen angenommen, am Staatstheater Wiesbaden, in Mainz, beim Fernsehen. Dann wurde ihm zur Bewerbung in Lüneburg geraten. Nun gings ganz schnell: „Ich schickte am Donnerstag eine Mail, bekam am Freitag eine Einladung, war Sonnabend zum Vorsprechen hier und bekam Sonntag morgens um acht die Zusage.“ Sein erstes festes Engagement.

Als Intendant Hajo Fouquet vergangene Woche die Saison 2016/17 vorstellte und Müllers Ausstieg erwähnte, ging ein Raunen des Bedauerns durch die Reihen. Gregor Müller hat sich erhebliche Popularität erspielt. Das ist ihm fast peinlich. Aber eigentlich auch ganz schön. Manchmal schwebe er auf einer „Selbstbewusstseinswolke“, sagt Müller und weiß um die Sturzgefahr, die sein Beruf mit sich bringt. „Ich bin langsam aufgetaut“, sagt er und erzählt, wie nervös er anfangs war. Spielen macht stark.

Müller startete in Lüneburg mit elf kleinen Rollen in „Candide“. Die Rollen wurden bald größer. Der Christian in den „Buddenbrooks“ war wichtig, der Ferdinand in „Kabale und Liebe“ und der Clavigo „die coolste Inszenierung“. Danach wollte Müller schon einmal gehen, „aber da hat mir Hajo Fouquet den Mephisto angeboten.“ Er blieb.
Erfolge feierte Müller auch auf den kleinen Bühnen, und immer ist es auch das Team, das den Erfolg mitstrickt. Das ist ihm wichtig. Die Lust, etwas auszuprobieren, andere Formen zu testen, führte zur SomnamBar, dem Spätprogramm im T.NT-Foyer. Dort gelang Müller mit Philipp Richert, der Kumpel ist und Kollege, ein Hit aus schwarzer Komik und rockiger Musik: „Struwwelpeter“ immer ausverkauft.

Bis zum 24. Juni bleibt „Felix Krull“ auf dem Spielplan. Dann ist der Tank leer, Müller muss auftanken. Er ist nun 34 Jahre alt. Zeit für Neues, was immer es wird und wo. Zuerst einmal ist Zeit für Laura und einen VW-Bus. Gen Süden, Richtung Marokko. „Mal sehen, wie weit wir kommen“, sagt Müller und: „Ich bin kein Urlaubstyp. Ich freu mich drauf.“ Am 27. Mai 2017 aber ist er wieder da spätestens. Als Gast, denn dann soll es zehnmal den „Struwwelpeter“ geben. Bis dahin kann viel passieren. „Ach“, sagt Gregor Müller und setzt sein Clooney-Lächeln auf, „es wird alles gut sein.“ Dann kommt Laura ins Café, ihn abholen, und leise sagt er noch schnell etwas über sie, das sie nicht hört. Das aber ist zu schön, um es hier auszuposaunen.