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Die Skulpturen von Anne Speier haben Titel wie Feel the wall oder Feel the ceiling. Foto: ff
Die Skulpturen von Anne Speier haben Titel wie Feel the wall oder Feel the ceiling. Foto: ff

Ausstellung Fantasie: Die Welt schmeckt wieder

ff Lüneburg. Kunst kann und soll irritieren, mit Eindeutigem lässt sich Spannung in der Regel nicht lange aufrecht erhalten. Um die Phänomene der Ambivalenz und der Ambiguität also um das Aufeinandertreffen von Gegensätzen und um die Mehrdeutigkeit drehten sich die jüngsten Ausstellungen in der Halle für Kunst. Der Themenkomplex soll nun in einer Trilogie genauer beleuchtet werden. Den Auftakt macht die Ausstellung „Fantasie“, in der Exponate von jüngeren und älteren Künstlern kombiniert werden.
Mit Fantasie ist natürlich nicht der Entwurf von märchenhaften Welten gemeint. Eher geht es um das Wesen künstlerischer Praxis an sich, um jene Momente, in denen zwischen Werk und Betrachter eine Verbindung entsteht. Dabei wiederum kommt die Fantasie ins Spiel, ohne sie wäre die Reflexion von Kunst wohl undenkbar. Wichtig seien also, so die Kuratorin Stefanie Kleefeld, „die Aspekte, die auf Interesse und Resonanz stoßen“. Zurückgestellt werden soll die durchaus angebrachte Kritik, „dass sich manch zeitgenössische Kunst zu sehr im Durchdeklinieren von Referenzen, im Aufrufen eines kritischen Impetus, in einem Diskurs geschulten Vokabular oder in der glatten Oberfläche erschöpft“. Anders gesagt: In der Ausstellungs-Praxis waren die Präsentationen recht spröde geworden wenig zu sehen, wenig zu fühlen, alles überschattet von einem gewaltigen Theorie-Überbau.

Blickfänge in der Lüneburger Ausstellung sind drei Skulpturen, monströse Wesen, die nur aus Beinen, Unterleib und vor allem einer riesigen Zunge bestehen, die als Geschmacksorgan symbolhaft für die sinnliche Wahrnehmung stehen mag. Stiller in ihrer Poesie sind fünf kleinformatige Farbstiftzeichnungen, sie wirken ein wenig naiv, romantisch, melancholisch, fast wie Einträge für ein Poesi-Album. Es gibt Filme, Videoprojektionen, Erörterungen, Experimente, manches benötigt dann doch ein wenig Zeit, anderes ist plakativ, da spannt die Ausstellung mit sparsamen Mitteln einen großen Bogen. Zu sehen sind Arbeiten von Henning Bohl, Nicola Brunnhuber, Stephan Dillemuth, Isabelle Fein, Jutta Koether, Chris Kraus, Frances Scholz, Anne Speier und Raphaela Vogel.

Begleitet wird „Fantasie“ in der Reichenbachstraße von einer Veranstaltungsreihe. Die nächsten Termine: Ein Lesekreis rund um „Venusia“ von Mark von Schlegell beginnt am Mittwoch, 18. Mai, um 18 Uhr. „Mitglieder führen Mitglieder“ (mit Andreas Peschka) heißt es am Donnerstag, 26. Mai, um 18.30 Uhr. Bernd W. Plake leitet am 28. Mai einen Workshop für Kinder über „Kunstgeschichten“. Die Filme „Amboy“ (Frances Scholz, 2014) und „Episodes of Starlite“ von Frances Scholz sind am 1. Juni in der Scala zu sehen.
Die Trilogie wird 2017 weitergeführt, Teil zwei stellt die Begriffe „authentisch unauthentisch“ gegenüber, Teil drei wird von Gebärde und Ausdruck handeln.