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Sopranistin Dobrinka Kojnova-Biermann begeisterte in der Titelrolle das Publikum. Foto: t&w
Sopranistin Dobrinka Kojnova-Biermann begeisterte in der Titelrolle das Publikum. Foto: t&w

Gräfin Mariza zeigt ungarisches Temperament

aat Lüneburg. „Gräfin Mariza“ das ist die Reiche und Schöne, die zur Abschreckung ungeliebter Freier ihre fingierte Verlobung mit einem erfundenen, nach einer Strauß-Operette benannten Adligen namens Zsupán feiert (der aber plötzlich leibhaftig auftaucht und allerlei Turbulenzen verursacht). Und die sich unstandesgemäß in ihren Gutsverwalter Tassilo verliebt, der sich unverhofft als Graf entpuppt. Emmerich Kálmán hatte 1924 die rührselig-heitere Geschichte vertont, und seine hinreißenden Evergreens sorgen dafür, dass diese Operette noch heute eine der beliebtesten ihres Genres ist.

„Heftig geprobt“, so Moderator Friedrich von Mansberg, hatte man nicht nur die Musik, sondern auch ein möglichst effektives Schauspiel. Denn die als konzertant angekündigte Aufführung wurde am Pfingstsonnabend von den passend kostümierten Akteuren auf halber Bühne auch gespielt. Schwungvoll begleitet von den bestens aufgelegten Lüneburger Symphonikern unter der galanten Stabführung von Robin Davis, herzbewegend gesungen von einem bestens disponierten Solistenteam samt agilem Haus- und Extrachor, ging Friedrich von Mansbergs facettenreiche Inszenierung über die Bühne des gut besuchten Theaters am Ende mit verdienten Bravos und rauschendem Beifall vom Publikum gefeiert.

Die Dialoge hatte von Mansberg gekürzt, die Musik blieb trotz einiger Auslassungen gefühlt komplett. Eine Balustrade, die den farbenfroh ausgeleuchteten Bühnenraum vom Orchester trennte, deutete eine Kulisse an und half das vergnügliche Spiel der Komödianten zu beleben. Dass Karl Schneider für die umfangreiche Rolle des Tassilo im letzten Moment Timo Rößler zu ersetzen hatte und also selbstverständlich ein Notenpult benötigte, wusste von Mansberg geschickt in seine fein durchdachte Personenregie einzubauen. Auf Gefühl, köstlichen Humor zielende Details integrierten Schneider souverän in das Bühnenspiel.

Nicht nur die Moderation, die den Inhalt der drei Akte stets charmant andeutete, ohne deren Ausgang zu verraten, gestaltete von Mansberg überaus kurzweilig: Er spielte und sang auch übergangslos mit, mimte den Zsupán mit gewandtem Tenor, „ungarischem“ Akzent und viel Witz. Schmachtende Klänge und flotte Strettas der Symphoniker, nicht zuletzt der wehmütig-tiefgründige Csárdás (als fesches Intermezzo getanzt von Olaf Schmidt und Kerstin Kessel) animierten das Publikum zu Zwischenapplaus.
Konzertmeister Menke brillierte mit den Geigensoli des „Zigan“. Die durchweg stimmlich und schauspielerisch eindrucksvollen Solisten wurden durch Robin Davis und das Orchester mit Präzision und Fingerspitzengefühl begleitet: Die in vortrefflicher Verfassung ihre Titelpartie gestaltende Angela Davis mit sicherem, strahlendem und inbrünstigem Sopran; Franka Kraneis (Soubrette) als frohgemute Lisa und Tassilos Schwester, die schließlich den Baron bekommt, Dobrinka Kojnova-Biermann (Sopran) als nachdenkliche Kartenleserin Manja sowie Steffen Neutze (Bariton) als urkomischer Fürst Populescu.

Wunderbar leichtfüßig kamen sie daher, die Ohrwürmer wie „Grüß mir die süßen, die reizenden Frauen im schönen Wien“ und „Komm Zigan“ des Tassilo, „Höre ich Zigeunergeigen“ der Mariza, die Duette „Einmal möchte ich wieder tanzen“, „Sag ja, mein Lieb“, „Schwesterlein“, „Ich möchte träumen“ oder das Doppelduett „Komm mit nach Varadin“, das nach dem perfekten Operetten-Happy-End samt stimmstarkem Chor noch einmal als „Rausschmeißer“ erklang.

One comment

  1. Hallo, jetzt haben sie den richtigen Namen unter das Bild geschrieben, aber meine liebe Kollegin Dobrinka hat die Rolle der Manja gesungen und nicht die Titelrolle!