Aktuell
Home | Kultur Lokal | Storyboarder Uwe de Witt zeichnete für „Ente gut!“
Computer statt Zeichenbrett: Uwe de Witt scribbelt direkt auf dem Bildschirm. Foto: ff
Computer statt Zeichenbrett: Uwe de Witt scribbelt direkt auf dem Bildschirm. Foto: ff

Storyboarder Uwe de Witt zeichnete für „Ente gut!“

ff Lüneburg. Einen Spielfilm zu drehen, egal ob für Kino oder TV, das ist ein teurer Spaß. Das ganze Projekt von der ersten Planung bis zur Uraufführung kann Jahre dauern — die eigentliche Drehzeit ist aber kurz, denn das Equipment, die Studios und das Personal kosten Geld. Also gilt es, am Set keine Zeit zu vergeuden. Jede Szene, jede Kamerafahrt, jeder Schwenk wird möglichst exakt geplant. Dafür ist der Storyboarder da. Am Donnerstag, 26. Mai, startet der Abenteuerfilm „Ente gut! Mädchen allein zu Haus“ in der Scala, die Vorbilder schuf der Embsener Uwe de Witt.

Die elfjährige Vietnamesin Linh (Lynn Dortschack) lebt mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester in Halle-Neustadt. Als die Mutter kurzfristig in die Heimat zurückreist, um die kranke Großmutter zu pflegen, bleiben die Geschwister allein zurück — vor allem für Linh eine schwierige Aufgabe. Neben Schule und Haushalt ist da noch der vietnamesische Imbiss, dessen Betrieb nicht unterbrochen werden darf. Pauline (Lisa Bahati Wihstutz), ein Mädchen aus der Nachbarschaft, entdeckt das Geheimnis und versucht die Mädchen damit zu erpressen — bekäme das Jugendamt Wind von der Sache, würde es schnell einschreiten. Doch dann freunden sich Pauline und Linh an und versuchen gemeinsam, das Abenteuer zu meistern. Und der Stadtteil Neustadt ist ein eher raues Pflaster.

Regisseur Norbert Lechner und Uwe de Witt kennen sich schon von einem früheren Film. De Witt, Jahrgang 1966, studierte Grafik und Design. Er arbeitet als Illustrator, Maler, als Comic-Künstler — und eben als Storyboarder. „Eigentlich war unser Projekt auf zehn Tage ausgelegt, aber dann wurde ein ganzer Monat daraus“, erzählt Uwe de Witt, der sich daheim ein Atelier eingerichtet hat. Dessen Zentrum ist ein Rechner mit einem großflächigen Bildschirm — die moderne Variante einer Staffelei. Früher wurden die Szenen-Entwürfe gezeichnet und dann eingescannt, inzwischen arbeitet der Storyboarder mit dem Stift direkt auf dem Desktop.

Für den gut anderthalbstündigen Spielfilm „scribbelte“ (skizzierte) Uwe de Witt fast tausend „frames“, also Bilder. Als Grundlage bekommt er sogenannte floor-planes — Grundrisse der Schauplätze mit Beschreibungen der Szenen; Beispiel: „Der Morgen graut. Eine enge, karg eingerichtete, aber fast penibel eingerichtete Neubauwohnung. In einem der drei Betten schläft ein kleines vietnamesisches Mädchen (…). Linh holt leise aus dem Kleiderschrank (…) Blusen und Hosen. Nach einem kurzen Blick zu ihrer Schwester verlässt sie fast geräuschlos das Schlafzimmer.“

Daraus macht der Storyboarder eine Reihe von Skizzen, sie sehen wie Comic-Strips ohne Sprechblasen aus. Sie dienen dem Kameramann als Orientierung für die Einstellungen und die Einrichtung der beweglichen und fest aufgebauten Kameras. Anhand der Storyboards können auch animierte, also mit dem Computer bearbeite Szenen eingerichtet werden — so gibt es bei „Ente gut!“ eine Szene, in der Linh in einem Konfetti-Regen steht, den die Bewohner eines Hochhauses herabrieseln lassen.

Totale, Halbtotale, Nahaufnahme, Zoom, abgeschnittene Motive, all dies erfordert vom Storyboarder, der in der Regel weit vom Drehort entfernt arbeitet, ein gutes Vorstellungsvermögen — und natürlich die Fähigkeit, schnell und präzise zu arbeiten, auf Änderungen einzugehen. Aber damit hat Uwe de Witt Erfahrung, als Illustrator etwa für Demonstrations-Projekte großer Konzerne wie beispielsweise Audi ist er es gewohnt, bis möglichst vorgestern seine Arbeiten abzuliefern. „Ente gut!“ gewann auf dem Filmfestival in Montreal den Publikumspreis.