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Von links: Christian-Ivar Hammerbeck, Ursula Blancke Dau, Jüri Kask, Madis Liplap, Aet Ollisaar, Anne Rudanovski und Reet Pulk-Piatkowska. Ganz links: Der Werkszyklus City Life, Arbeiten von Marko Kekishev. Foto: ff
Von links: Christian-Ivar Hammerbeck, Ursula Blancke Dau, Jüri Kask, Madis Liplap, Aet Ollisaar, Anne Rudanovski und Reet Pulk-Piatkowska. Ganz links: Der Werkszyklus City Life, Arbeiten von Marko Kekishev. Foto: ff

Kunst aus Tartu in Lüneburg

ff Lüneburg. Die Partnerschaft Lüneburgs mit der estnischen Stadt Tartu, begonnen Anfang der 90er-Jahre, war zuletzt ein bisschen müde geworden. Doch mittlerweile weht ein frischer Wind, das liegt an der Initiative der Deutsch-Estnischen Gesellschaft, an Ursula Blanke Dau und Christian-Ivar Hammerbeck. Die beiden Maler knüpften Kontakte zu Kollegen, zur Kunsthochschule Tartu und ihren Lehrenden; aktuelle Positionen beschreibt jetzt eine Ausstellung in der Kulturbäckerei.
„Tartu hat sich gewaltig verändert“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge bei der Vernissage. Eine Stadt im Aufbruch, das fordert auch die Kunst-Professoren, die „ihr Denken auf den Rhythmus einer jüngeren Generation umtakten müssen“. So beschreibt es die Kuratorin der hochschuleigenen Galerie „Noorus“ (deutsch: „Jugend“). Die Arbeiten der Lüneburger Ausstellung Malerei und Objekte vor allem spiegeln Tradition und Moderne, setzen sich mit der Vergangenheit auseinander und tasten sich an neue Darstellungsformen heran, sind als Kommentare konzipiert oder stehen einfach für sich.
Kadi Pajupuu beispielsweise hat ihren Werkszyklus „Wütender Fluss“ genannt, die Exponate zitieren eine Handschrift des Pastors Johannes Gutslaff aus dem 17. Jahrhundert, eine estnische Übersetzung des Alten Testaments. Der Titel bezieht sich auf eine Episode von 1642. Bauern der Gemeinde Urvaste hatten eine Wassermühle abgerissen, weil sie glaubten, dass der Bau den Fluss entweihe. Johannes Gutslaff hatte versucht, sich mit den Bauern als Theologe auseinanderzusetzen.
Jüri Kask dagegen bewegt sich ganz im Hier und Jetzt: „Nur wenn ich daheim bin, spüre ich, dass in meiner Wahrnehmung die Wechselwirkung mit meiner Umgebung akzentfrei ist. Dies ist der Grund, weshalb ich immerzu daheim sein möchte: Um die Dinge richtig zu sehen.“ Die großformatigen Gemälde Titel: „Vom Boden bis zur Decke“ wirken wie Versuche, die eigenenen Lebensräume zu strukturieren, sie miteinander zu verknüpfen und die Wege der Bewohner zu dokumentieren. Dabei ist der heiter-ironische Unterton eines bekennenden Stubenhockers zu hören.
Helle-Reet Vahersalu schildert in ihren verrätselten, verschachtelten Gemälden Erinnerungen an Lebensituationen, eingefärbt in den Ton von Rost die Künstlerin wuchs unmittelbar neben der Eisenbahn auf. Marko Kekishev wiederum schildert in seinem Zyklus „City Life“ (Digitaldrucke) seine Wahrnehmung in leuchtenden Farben und bizarren, sich überlagernden Formen.
Die auf beiden Etagen der Kulturbäckerei eingerichtete Ausstellung mit Werken von sieben estnischen Künstlern, der beiden deutschen Gastgeber und Hunderten selbstgemalter Postkarten von Schülern aus Tartu läuft bis 5. Juni; als Finissage gibt es um 18 Uhr einen Vortrag zum Thema „Esten und Deutsche. Kulturkontakte einst und heute“. Mit dabei: Dr. Eike Eckert vom Ostpreußischen Landesmuseum und Kerstin Meenen, Kulturwissenschafts-Studentin an der Leuphana Universität.