Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Mit Blümchen und Ukulele: Raimund Becker-Wurzwallner ist gut für eine Liebesballade gerüstet. Die Entscheidung über das Programm des Abends allerdings liegt allein beim Publikum. Insgesamt 82 Texte stehen zur Auswahl. Foto: ff
Mit Blümchen und Ukulele: Raimund Becker-Wurzwallner ist gut für eine Liebesballade gerüstet. Die Entscheidung über das Programm des Abends allerdings liegt allein beim Publikum. Insgesamt 82 Texte stehen zur Auswahl. Foto: ff

„Wer reitet so spät…“ mit Raimund Wurzwallner

ff Lüneburg. „Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich/ Damon, den Dolch im Gewande. /Ihn schlugen die Häscher in Bande“, und so fort: An Schillers „Bürgschaft“ kommt kein Schüler vorbei, auch nicht am „Erlkönig“ seines Kollegen Goethe. Ein „kollektives Balladentrauma“ hat Raimund Becker-Wurzwallner diagnostiziert. Und weil Balladen eigentlich etwas Schönes sind und die deutsche Literatur in dieser Hinsicht unendlich vielseitig ist, bietet der Schauspieler nun einen ganzen Theaterabend rund um das Handlungsgedicht an: „Wer reitet so spät… Der Ritter Fips!“ Premiere ist am Donnerstag, 26. Mai, 20 Uhr im T.NT.

Der Bogen reicht, der Titel deutet es an, von den Dichterfürsten des Sturm und Drang bis zu den gereimten Kalauern Heinz Erhardts. Insgesamt 82 Texte hat Raimund Becker-Wurzwallner vorbereitet, macht rund 6 Stunden Text. So lange wird der Abend natürlich nicht gehen. Das Publikum kann wählen, bekommt eine Titelliste, der Schauspieler agiert auf Zuruf — Rezitation, Lesung, ein bisschen Schauspiel, ein guter Schuss Comedy, eventuell Gesang, wie es gerade passt. Auf anderthalb Stunden wird es vermutlich hinauslaufen, je nach Bestellung. Der kürzeste Text dauert 30 Sekunden, Wurzwallner hat aber auch den 15-minütigen „Kinderkreuzzug“ von Brecht im Angebot — der übrigens durchaus heitere Geschichten hinterlassen hat. Der jüngste Text stammt von Robert Gernhardt (1937-2006), der schon eher für seinen Humor bekannt ist.

Die romantische Geschichte der Loreley ist in drei Versionen vorrätig, von Heine, Brentano und Kästner. Der Schwerpunkt liegt auf den bekannten Balladen, aber auch James Krüss („Die Weihnachtsmaus“) und Börries Freiherr von Münchhausen („Die Lederhosen-Saga“) haben etwas Brauchbares zu dem Genre beigetragen. Morgenstern, Jandl, Ringelnatz, die Auswahl ist groß — nur Dichterinnen sind nicht dabei. Da hat Raimund Becker-Wurzwallner, der zusammen mit seiner Frau Birgit Becker Regie führte, einfach nichts Passendes gefunden. Die Ballade ist nun einmal — unter anderem — durch eine konkrete Handlung definiert, und da legten weibliche Autoren die Betonung anscheinend lieber auf das Lyrische.

Der Solo-Balladen-Abend ist ein Gastspiel des Ensembles „Theater zur weiten Welt“, insgesamt acht Termine sind bis 25. Juni im Theater-Studio geplant.