Aktuell
Home | Kultur Lokal | Theater Lüneburg: Erfolg zahlt sich nicht aus
Franka Kraneis und Karl Schneider im Bajazzo, die Oper ist noch zweimal zu sehen, im Verbund mit Cavalleria rusticana. Foto: theater/tamme
Franka Kraneis und Karl Schneider im Bajazzo, die Oper ist noch zweimal zu sehen, im Verbund mit Cavalleria rusticana. Foto: theater/tamme

Theater Lüneburg: Erfolg zahlt sich nicht aus

oc Lüneburg. Die Saison neigt sich ganz langsam dem Ende zu. Das Theater Lüneburg wird wieder rund 30 neue Produktionen gespielt, zu rund 400 Vorstellungen das Licht angeworfen haben. Der Zuspruch war auch in diesem Jahr sehr gut, mehr als 100000 Besucher werden gekommen sein. Im Vergleich zu so ziemlich allen Bühnen in Deutschland erzielt Lüneburg bei Kennzahlen wie dem Zuschuss pro Besucher Topwerte. So weit. So gut. Aber es kann so nicht weitergehen. Soll das Theater in seiner Form und Qualität überleben, braucht es mehr Geld. Schnell.

Das Problem liegt seit Jahren auf dem Tisch, und sein Ursprung ist alt. Er stammt aus einer Zeit, als das Land seinen Zuschuss einfror, und Tarifsteigerungen den Sockel der Finanzierung unterhöhlten. Das Loch ist seither nicht gestopft, auch wenn zuletzt das Land bei Tarifsteigerungen wieder miteinstieg. Der Sockel trägt nicht.

Aktuell wird das Theater vom Land mit 2,966 Millionen Euro, von Stadt und Landkreis Lüneburg mit jeweils 1,411 Millionen Euro finanziert. Der Vertrag mit dem Land läuft bis 2018. Insgesamt kommt das Theater einschließlich seiner Einnahmen und der Unterstützung durch die Gemeinden auf einen Etat von rund acht Millionen Euro.

Die Ausgabenseite liegt höher, allein die Personalkosten beziffert Verwaltungsdirektor Volker Degen-Feldmann auf 6,7 Millionen Euro. Am Ende dieser Spielzeit ist mit einem Minus von mehr als 181.000 Euro zu rechnen. Für 2016/17 kalkuliert das Theater mit einem weiteren Fehlbetrag von 120.000 Euro. Da türmt sich etwas auf.

Das Theater hat die Zahl der Produktionen gesenkt, dreht vorsichtig an der Preisschraube, muss aber aktuell auch noch Brandschutzmaßnahmen stemmen, die zum Teil nur per Kredit abzudecken sind. Noch sei die Liquidität der Theater GmbH gesichert, sagte Intendant Hajo Fouquet bei der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschuses der Stadt. Laut Lagebericht würde aus heutiger Sicht „spätestens im Geschäftsjahr 2018/19 die bilanzielle Überschuldung der Gesellschaft eintreten.“ Da auch Stadt und Land nur bedingt einspringen können, hieße das am Ende: Schluss mit diesem Theater!

Fouquet und Degen-Feldmann sowie die Partner der kommunalen Theater in Niedersachsen führen seit langem immer wieder intensive Gespräche mit Landespolitikern und dem Ministerium. Es gab Teilerfolge. Im November 2014 stellte das Land einmalig für 2015 einen Betrag von 400.000 Euro zur Verfügung, davon flossen 43.000 Euro nach Lüneburg. Die 400.000 Euro sollen verstetigt werden. Sicher ist nichts.

Bei den Haushaltsberatungen des Landes im zweiten Halbjahr 2016 soll es um eine weitere Stützung gehen, die Rede ist von 800.000 Euro. Kommt das, geht die Theaterleitung von einem Betrag von 92.000 Euro für Lüneburg aus. Bleibt aus Sicht der kommunalen Theater zu hoffen, dass die entsprechende Nothilfe tatsächlich kommt — und sich das Land nicht aus der Mitfinanzierung von Tarifsteigerungen zurückzieht.

Die Position der sechs kommunalen Theater und der Göttinger Symphoniker, die aus dem gleichen Topf des Landes finanziert werden, ruft nach mehr Sicherheit. Der Festbetrag müsste nach der Rechnung der betroffenen Bühnen um 2,4 Millionen Euro erhöht werden, davon sollten 400.000 Euro nach Lüneburg gehen. Dann würden auch in drei Jahren die Lichter im Theater Lüneburg mit Sicherheit für ein Programm der gegenwärtigen Qualität angehen.