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Die Entertainerin Gayle Tufts hatte mit ihrem virtuosen Denglisch ihr Publikum schnell im Griff, auch Pianist Marian Lux eroberte das Publikum. Foto: t&w
Die Entertainerin Gayle Tufts hatte mit ihrem virtuosen Denglisch ihr Publikum schnell im Griff, auch Pianist Marian Lux eroberte das Publikum. Foto: t&w

Gayle Tufts im Kulturforum Gut Wienebüttel

aat Lüneburg. Ihr Markenzeichen ist die pure Frauenpower, die die gesamte Bühne ausfüllt, bis auf das Fleckchen, das ihr Brandenburgischer Klavierbegleiter Marian Lux für sich und den Konzertflügel benötigt. Gayle Tufts liebt drastische Gesten, und sie redet ununterbrochen Denglisch mit starkem amerikanischen Akzent. Sie tut dies meist ziemlich laut, schreit sogar ihren oft derben Humor hinaus, tanzt fröhlich und singt mit begabter Popstimme. Die auch aus TV-Shows gut bekannte Entertainerin wälzt sich, wenn es passt, auch einmal auf dem Boden, immer bereit, mit dem Publikum zu kommunizieren.

Das tat sie auch in der gut besuchten Scheune des Kulturforums Gut Wienebüttel, wo sie zum ersten Mal auftrat und mit ihrem Programm „Love“ ihre Fangemeinde ununterbrochen zum Lachen brachte. Die Liebe, ihr eigenes Liebesleben vor allem, ist das Thema ihrer temperamentreichen Soloshow mit Pianist (Inszenierung Melissa King) in reichlichem rotem Kunstnebel. Frisch verliebt sei sie, Gayle, und gekommen, um „Yes, in Luneburg today were in Love“ zu singen, „moin everybody“! Und um die norddeutsche Ekstase zu testen. Die zeigte sich zunächst in laueren Beifallsbekundungen, nach Aufforderung aber schließlich in zustimmendem Gejohle. Gayle nahm dies als Ansporn, für „ein bisschen mehr Romantik“ zu plädieren, für eine hoffnungsvolle Liebe, wo sich doch so viele Paare trennten, Max Hummels von Borussia, Trapp vom menschlichen Verstand und so.

Während sie also von ihrem Mann erzählte, einem gebürtigen Bremer, dessen norddeutsch-trockene Art sie sehr schnell realistisch werden ließ, schwärmte die Entertainerin für deutsche Männer allgemein und insbesondere für solche wie Jürgen Klopp mit neuer Frisur und Brille (bedeutungsstarrer Blick ins Publikum).

Häufig frage man sie, die von New York nach Berlin zog, wo denn der Unterschied liege zwischen Amerika und Deutschland. Ein schier unerschöpfliches Themengebiet für die aus Massachusetts stammende Komödiantin, da wimmelt es vor Klischees, die sie dreschen und augenzwinkernd hinterfragen kann. Und schon ist sie bei der Politik, dem sympathisierenden „Ausländer“-Blick auf ein Land, in dem eine frühere Kommunistin Bundeskanzlerin ist. Sie imitiert in entsprechendem Strickblazer Merkels Biederkeit, betont aber auch, dass viele Amerikaner Merkel als Heilerin alter Länderbeziehungswunden sehen.

Wie Tufts mit Wortbedeutungen spielt und nach deren Wahrheiten sucht, macht sie interessant und urkomisch. „Gatte, Luftschnappen, Bausparvertrag — was ist that?“ Und: Seelenverwandtschaft — in das Wort sei sie verliebt. Das mache gute Laune. Und die lässt sich Gayle Tufts nicht verderben, auch nach quälenden Besuchen in Fitnessstudios nicht, die ihre Mittfünfzigerin-Problemzonen keineswegs verbessert hätten. Sie fordert totale Begeisterungsfähigkeit und tiefe Gefühle, wie sie Liebende beflügeln. Für sie als Verliebte sei sie existenziell, singt sie, und Pianist (und Komponist) Marian Lux unterstützt sie mit kraftstrotzendem Klavierklang. Er begleitet rund 20 Songs, teils gecovert, teils frisch kreiert, tanzt nach einem furios die Gefühlsduselei persiflierenden 70er-Schlager-Medley und kredenzt ein Fortissimo-Solo- Potpourri aus Hollywood-Filmmusiken.

Gayle Tufts, die bekanntlich eher glamourbieder daherkommt, die uneitel und sehr vehement sagt, was sie denkt, und herzeigt, wie sie wirklich ist, gefällt offensichtlich ihren Lüneburger Fans rundum. Ihr und natürlich ihrem Pianisten galt am Ende der turbulenten Show langer Beifall.