Aktuell
Home | Kultur Lokal | A Summer’s Tale: Nischen für Neues
Folkert Koopmans, Erfinder der Veranstaltung A Summer's Tale, ist einer der erfolgreichsten Festivalmacher in Europa und will weitere Zielgruppen erschließen. Foto: heimplatz
Folkert Koopmans, Erfinder der Veranstaltung A Summer's Tale, ist einer der erfolgreichsten Festivalmacher in Europa und will weitere Zielgruppen erschließen. Foto: heimplatz

A Summer’s Tale: Nischen für Neues

oc Westergellersen/Luh­mühlen. An diesem Wochenende startet die Open-Air-Saison richtig mit dem lunatic in Lüneburg und dem Uelzen Open R. Kaum einer kennt die Open-Air-Szene in Deutschland so gut wie Folkert Koop­mans. Der 1963 in Orleans geborene Industriekaufmann ist seit den 80er-Jahren als Konzertveranstalter aktiv. 1990 gründete er die FKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH, die bundes- und europaweite Tourneen plant und Open-Air-Festivals wie das Hurricane und South­side durchführt. Daneben bereichern Indoor-Festivals das Portfolio von FKP Scorpio, Opern im XXL-Format, Tanztheater, die Dinnershow Palazzo und mehr. Koopmans hat auch das Festival A Summer’s Tale im Event-Park Luhmühlen ins Leben gerufen, das sich vom Ansatz her als eine Art Kurzurlaub mit Musik, Filmen, Lesungen, Workshops etc. versteht und einen starken Akzent in Richtung Nachhaltigkeit setzt. Koopmans lebt in Nindorf, am Rand der Heide.

Sie gelten als Europas größter Festivalveranstalter, managen rund 20 große Festivals, davon neun in Deutschland. Ist der Markt mit alles in allem rund 700 Festivals allein in Deutschland nicht gesättigt?
Koopmans: Der Markt ist sicher in manchen Bereichen gesättigt. Es bilden sich aber Nischen, und da gibt es noch Möglichkeiten für Neues. A Summer’s Tale gehört genau da hinein, es erreicht auch ein Klientel, das sonst nicht mehr auf große Festivals geht.

Funktionieren Festivals heute mehr als Marken, fast egal, wer dort auftritt?
Koopmans: Es ist sicher so, dass ein großes, gut eingeführtes Festival wie das Hurricane allein über sein Image 30- bis 40000 Besucher zieht. Aber man braucht doch die großen Headliner, um es ganz voll zu bekommen. Es ist nicht egal, wer da spielt. Bei kleineren Festivals funktioniert der Name als Marke noch besser, etwa beim schon ausverkauften Rolling Stone Weekender im November. Je länger ein Festival auf dem Markt ist, desto besser funktioniert es man muss die Marke aber auch gut pflegen.

Es gibt kleine Festivals wie das studentische Non-Profit-Festival lunatic in Lüneburg, die auch deutliche Akzente auf ein breites Kulturprogramm und auf Nachhaltigkeit setzen. Die fürchten ein wenig, dass Großveranstaltungen ihnen die Ideen klauen…
Koopmans: Na ja, wir haben schon eigene Ideen, mit denen wir arbeiten, Aber ich glaube, dass es beides geben muss. Die Festivalszene kann sich durchaus befruchten. Ich achte schon darauf, dass zum Beispiel ein kleines Festival wie das Apple Tree Garden in Diepholz bestehen kann; wir geben auch Bands, die mit uns arbeiten, an kleinere Festivals weiter.

Sie haben einmal gesagt, es brauche drei bis fünf Jahre, bis ein neues Festival etabliert ist. Wie erklärt sich die Spanne?
Koopmans: Das ist natürlich ein Erfahrungswert. Gerade in Deutschland sind die Menschen extrem konservativ und vorsichtig, da passt ein Satz wie „Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich“. Man guckt und hört erst mal, was andere sagen. Beim A Summers Tale ist das geradezu klassisch zu beobachten.

Wenn Sie denn auf den Vorverkauf zum zweiten A Summers Tale gucken, kommen Sie da mit drei bis fünf Jahren aus?
Koopmans: Das läuft jetzt sehr gut, wir liegen beim Vorverkauf ziemlich genau um das Zehnfache besser. Es nutzen auch immer mehr Leute den Vorverkauf, es werden am Ende aber nicht zehnmal so viele Leute kommen wie im Vorjahr. Mit Glück können wir aber schon in diesem Jahr eine schwarze Null erreichen.

Deckte sich das tatsächliche Publikum im vergangenen Jahr in etwa mit der Zielgruppe, die Sie mit dem Luhmühlen-Festival erreichen wollten und können Sie die definieren?
Koopmans: Das deckte sich tatsächlich ziemlich genau, wir hatten alles zwischen etwa 35 und 60 Jahren, viele kamen mit Kindern. Es waren also diejenigen, die ich mit einem Hurricane-Festival nicht mehr erreiche. Ich glaube, das Konzept war gut, der Vorverkauf jetzt zeigt das ja auch. Und die Menschen kommen aus einem sehr weiten Radius, aus dem ganzen deutschen Raum und darüber hinaus. Ich bin sicher, dass das auch für den Tourismus in der Region gut ist.

Gibt es für Runde zwei wesentliche Änderungen?
Koopmans: Wesentliche nicht. Es wird etwas größer, sicher, aber das muss es auch, sonst können und wollen wir uns das nicht leisten. Wir haben natürlich beim ersten Mal eine Menge gelernt. Das Workshop-Angebot haben wir zum Beispiel um etwa das Zehnfache ausgeweitet, da wurden wir regelrecht überrannt. Der Bereich der Food-Stände wird ebenfalls erweitert, es wird dabei aber eher noch regionaler zugehen als im Vorjahr. Wir werden auch wieder ein Restaurant haben, das lief beim ersten Mal langsam an, am letzten Tag war es dann plötzlich ausgebucht.

Werden die Bühnen größer?
Koopmans: Nein, das bleibt so, da war ja auch noch Platz.

Gibt es beim Line-up Probleme mit den Bands über die Auftrittsfolge?
Koopmans: Bei diesem Festival nicht. Wir haben es hier ganz überwiegend mit Künstlern zu tun, die schon länger dabei sind und die Sache relaxter sehen. Eine Band wie Garbage zum Beispiel will einfach eine gute Zeit, eine gute Umgebung, egal, ob da noch wer nach ihnen spielen sollte.

Wenn Sie die maximal kalkulierte Besucherzahl von 20000 pro Tag erreichen, kann dann noch eine ähnlich entspannte Atmosphäre wie beim Start entstehen?
Koopmans: Das ist die Herausforderung. Ich glaube, dass wir es hinbekommen, das Gelände ist weiträumig, und wir bringen ja einige Erfahrung ein. Wir wägen aber im Moment ab, ob wir in diesem Jahr schon auf die maximale Zahl gehen, wir wollen ja unbedingt die Qualität halten.

Es meldete sich in Luhmühlen eine Bürgerinitiative, die sich wegen Lärm, vor allem von einem anderen, einem Techno-Festival, beschwerte. Sehen Sie da eine Gefahr?
Koopmans: Ganz ohne Lautstärke geht es nun mal nicht, dann kann man da nichts veranstalten. Wir halten uns aber an die Richtlinien, sind im engen Kontakt mit den Behörden, und auf der großen Bühne geht es am Nachmittag los und ist um 24 Uhr Schluss.

Und welchen Auftritt bzw. Programmpunkt wollen Sie selbst auf keinen Fall versäumen?
Koopmans: Mich reizen ja immer die kleineren Sachen, Musiker, die man nicht so oft hört. Gavin James zum Beispiel, das ist ein noch vergleichsweise neuer Künstler. Und Neil Finnn, man kennt ihn von Crowded House, eine Band, von der ich ein großer Fan bin.

A Summer‘s Tale

2016 Das zweite A Summer‘s Tale 2016 findet vom 10. bis 13. August auf dem „Himmel und Heide“-Gelände zwischen Westergellersen und Luhmühlen statt. Neben Künstlern wie Noel Gallagher, Amy MacDonald, Sigur Rós, Garbage und Parov Stelar gibt es ein umfangreiches Programm von Yoga bis Käserei-Workshop, Lesungen bis Philosophie-Kurzvorträgen, Kanufahren bis Zirkusschule.

Mehr zum Thema:

>>> A Summer’s Tale: Vier Tage sind ein Sommer +++ mit Fotogalerie und Videos
>>> A Summer’s Tale in Luhmühlen: Zuerst kommen immer die Camper
>>> A Summer’s Tale: Festival mit Fünf-Jahres-Plan