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Deborah Coombe und ihr Lüneburger BachChor brachten zum Eröffnungskonzert in der Nicolaikirche geistliche Musik mit. Foto: t&w
Deborah Coombe und ihr Lüneburger BachChor brachten zum Eröffnungskonzert in der Nicolaikirche geistliche Musik mit. Foto: t&w

Der Auftakt zum Festival des Verbands Deutscher Konzertchöre führte in die Nicolaikirche

hjr Lüneburg. Früher gehörte die Mitgliedschaft in einem Gesangsverein zum guten Ton in bürgerlichen Familien. In Zeiten reizüberflutender Freizeitangebote hat sich das gründlich geändert, die Klagen über Nachwuchssorgen sind bei etlichen Chören entsprechend laut. Insofern verstand sich das Chorfestival „Dialoge“ als Werbung für kulturelles Engagement in der Region, initiiert wurde es vom Landesverband Nordwest der Deutschen Konzertchöre.

„Wissenschaftlich nachgewiesen wirkt Gesang anregend und gemeinschaftsfördernd, davon wird gewiss auch die neu eingerichtete Singeklasse in einer lokalen Grundschule profitieren,“ betonte Professor Ekkehard Klemm als Präsident das Dachverbands am Eröffnungsabend, der mit gleich fünf herausragenden Ensembles in der gut besuchten Nicolaikirche markante Akzente setzte und ein Anliegen der Veranstaltung eindrucksvoll sichtbar machte: die Verbindung von Barock über das 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart in dramaturgisch sinnhafter Konsequenz als anregendes Zwiegespräch unterschiedlicher Epochen.

„In Lüneburg erleben wir immer offene Türen und einen sehr inspirierenden Spirit“, konstatierte Prof. Frank Löhr als Vorsitzender des Landesverbandes Nordwest. Unter Leitung von Stefan Metzger Frey und zu Daniel Stickans einfühlsamer Orgel-Begleitung sang der präzise eingestimmte Nicolai-Chor von der Empore das Magnificat und Nunc dimittis von Charles Villiers Stanford (1852-1924) mit überzeugender Innerlichkeit. Ein frühes Werk, wie etliche Beiträge an diesem Abend zugleich eine Rarität, die aufhorchen ließ. Der irische Komponist fußt auf europäischen Traditionen der Romantik und verknüpft sie mit folkloristischen Elementen.

Nach Italien blickte der von Deborah Coombe gewohnt straff dirigierte BachChor: Stücke aus dem 20. und 21. Jahrhundert von Corrado Margutti, Bruno Bettinelli und Ildebrando Pizzetti, der unter anderem die Musik für Mussolinis Propagandafilm „Scipione Africano“ schrieb und dessen weltliches „Cade la sera“ einen motorisch bewegten Gegensatz zum geflüsterten Dona nobis pacem vom Margutti bot.

In höchst harmonischer Allianz mit der Kammerbesetzung des Hugo-Distler-Ensembles interpretierte der BachChor neben „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ von Heinrich Schütz die eindringlich gestaltete Oster-Hymne „Victimae paschali laudes“ von Rheinberger. Im Alleingang führte Erik Matz das perfekt disponierte Distler-Ensemble zu Eric Whitacres „Three Flower Songs“. Der international erfolgreiche Grammy-Gewinner bietet ein breites Spektrum von A-Cappella bis zum opulenten Musiktheater und legt für die drei Chorwerke wechselnde Rhythmik aus. Es dominiert ein flächiger, ruhiger Klang, kontrastiert durch leidenschaftlichere Momente. Für die Sängerinnen und Sänger war es exakt die richtige Herausforderung und weiterer Beweis ihrer beachtlichen Ausdruckskunst.

Aus Hannover reiste die von Florian Lohmann ebenfalls sorgfältig präparierte Capella St. Crucis an. Felix Mendelssohn-Bartholdy und Johann Sebastian Bach gehören zum Standart-Repertoire, Seltenheitswert besitzen dagegen Credo und Agnus Dei aus der vierstimmigen Messe, von Frank Martin 1926 geschrieben. Der Schweizer Künstler widmete sich überwiegend sakraler Musik, suchte kreativ nach ungewöhnlichen Klang-Strukturen für die alten Texte. Das zeigt sich hier herausragend. Dem disziplinierten Chor gelang eine stupende Gestaltung mit sicherem Einsatz und klarer Diktion.

Das Eröffnungskonzert bleibt als werbeträchtiges Plädoyer nach Maß in Erinnerung: Chormusik macht Spaß, begeistert, fesselt Ausführende und Publikum. Großer Beifall.