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Blick konzentriert, Spiel gelöst: Eva Pankoke war zum zweiten Mal Solistin bei den Musikfreunden  diesmal mit Mozartklängen. Foto: t&w
Blick konzentriert, Spiel gelöst: Eva Pankoke war zum zweiten Mal Solistin bei den Musikfreunden diesmal mit Mozartklängen. Foto: t&w

Das Orchester der Musikfreunde spielt im voll besetzten Theater

oc Lüneburg. Nach der Pause lehnt Ute Mattheus ihr Cello an den Stuhl und sinniert über MFO. Kürzel sind manchmal ja hilfreich, und wer Marke sein will, hat eben so etwas wie BMW oder HSV. Warum nicht auch ein Orchester, das an diesem Abend im ausverkauften Theater Lüneburg sein 50-jähriges Bestehen feiert? MFO also könnte künftig für Musikfreunde-Orchester stehen, Ute Mattheus hatte da allerdings allerlei weitere und witzige Ideen. Das MFO wiederum wurde als OdM, als Orchester der Musikfreunde, großgepäppelt und klang nie so erwachsen wie an diesem Abend.

Dass dieses Orchester seit 50 Jahren Bestand hat, ist ein Zeichen für die kulturelle Substanz in und um Lüneburg. Was der damalige PH-Musikprofessor Dr. Gottfried Küntzel mit seiner Frau Margrit Küntzel-Hansen für musikbegeisterte Laien zwischen 15 und 85 Jahren aufbaute, liegt heute in Händen von Lothar Nierenz, dem stellvertretenden Leiter der Musikschule. Nierenz ist Geiger, hat beste Kontakte in die Szene und holte für das ehrgeizige Konzertjubiläum etliche Profis hinzu, die eigene Familie inbegriffen: Kathy bei den Geigen, Jakob bei den Celli.

Vor der Pause gab aber Eva Pankoke Ton und Tempo vor. Sie ist Pianistin und Pädagogin und nahm sich mit dem Orchester KV 466 vor. KV — Kenner verbuchen, dass es sich um das Köchel-Verzeichnis handelt, also um Musik von Mozart, für die der Naturforscher Ludwig Alois Friedrich Ritter von Köchel 1862 eine bis heute im Kern gültige Systematik erstellte. KV 466 ist das Klavierkonzert Nr. 20 in d-Moll. Ein Werk, in dem es zwar auch gilt, die typisch unterhaltenden Mozart-Klänge perlen und laufen zu lassen. Vor allem aber wirft das Werk einen tiefen Blick hinter die Kulissen, da wird es dramatisch und driften die Gedanken immer wieder ins Tiefe.

Eva Pankoke arbeitet die emotional schillernden Seiten in schon gläserner Klarheit heraus. Ihr Spiel ist auch in der empfindsam gehaltenen Romanze keinen Moment sentimental, es zeigt einen deutlichen Zug nach vorn, und in den Kadenzen bekommt der Vortrag noch ein Plus an Brillanz. Lothar Nierenz und das sehr groß besetzte Orchester ziehen mit, es ist Frische im Spiel, es entsteht viel Dynamik — das passt!

Ganz anders und nicht minder herausfordernd ist der zweite Brocken: Dvoraks achte Sinfonie. Ein ideales Werk, um alle Orchesterfarben vorzuführen, und an Nierenz stellt es die schwere Aufgabe, die Klangfarben entsprechend abzustimmen und einzugliedern. Die Wärme des Cello-Chores, die Läufe der Flöte, die Signale der Trompete, das Flirren der Geigen, die rollende Pauke und vieles mehr soll — und wird — ein gemeinsamen Bild ergeben. Lothar Nierenz und sein Orchester spielen das sich laufend wandelnde Werk ohne jede Betulichkeit, sondern mit großer Leidenschaft. Die Wiedergabe ist reich an Nuancen, und auch der Walzer bekommt auf charmante Weise seinen Dreh. Mehr geht nicht, und Lothar Nierenz wird genau prüfen, womit er sein Orchester im Jahr 51 des Bestehens fordert. Es gibt langen und begeisterten Beifall eines sicher ohnehin grundsolidarischen Publikums — und ein gesungenes Volkslied obendrein.

Ach ja: MFO. Das steht übrigens bei der Anfrage an Internet-Professor Google zuallererst für Matratzen Factory Outlet. Also: Es muss nicht immer ein Kürzel sein.

p.s.: Das schreibt in diesem Fall — oh weh! — ein Autor mit Kürzel oc.

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