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Das gabs nur einmal: 12 Celli spielen in der Musikschule. Foto: t&w
Das gabs nur einmal: 12 Celli spielen in der Musikschule. Foto: t&w

Ein Abend für zwölf Cellisten

oc Lüneburg. Das war der Abend des Daniel Munck. Seit 1998 ist er Solo-Cellist der Lüneburger Symphoniker. Er hat unzählige Opern, Operetten, Musicals, große und kleine Konzerte gespielt. Jetzt hat er sich so etwas wie einen Traum verwirklicht und einen Abend für zwölf Cellisten gestaltet. Was für eine Arbeit! Denn zwölf für ein anspruchsvolles Konzert geeignete Cellisten sind ja in Lüneburg nicht mal eben zur Hand.

Also suchte und fand Munck sie im Nahen wie im erweiterten Umfeld, er koordinierte Termine und Noten, arrangierte Werke und Proben, und alles mündete in ein mehr als zweistündiges Programm mit vielen Höhen. Nur eines war das Konzert denn doch nicht ganz: eine Lüneburg-Premiere.

Das aber wissen nur die altgedienten Meisterkonzertbesucher — und das LZ-Archiv: 1983 also spielten „Die zwölf Cellisten“ im damaligen Stadttheater, nicht die aus Berlin, sie kamen aus München. In Teilen erklang damals das gleiche Programm: Klengel und Villa-Lobos dürfen da nicht fehlen. Auch Muncks frisches Dutzend startete mit dem festlichen Hymnus von Julius Klengel und zeigte sofort, welche Fülle und Feierlichkeit so ein Cello-Chor verströmen kann.

Alles war durchdacht an diesem Abend, bis hin zu wechselnden kurzen Moderationen. Munck selbst steuerte mit ruhiger Hand einen Satz aus Bachs Solosuite G-Dur bei. Das war musikhistorisch der Punkt, an dem das Instrument erwachsen wurde. Dann ging es in wachsender Besetzung durch die Kammermusik zu einigen Unbekannten — mal prestissimo, mal salonesk. Auf einen zweiten Bach-Ausflug, der leider nicht ganz rund ablief, folgte der Kern des Abends, und da wurde es spannend. Heitor Villa-Lobos spann in seinen „Bachianas Brasileiras“ Kontrapunktik und Fugenbau in die Musik seiner Heimat ein — und das führt zu Hörerlebnissen. Mit tiefer Emotion sang Angela Davis eine weit gespannte wortlose Kantilene in der Aria (Cantilena), und Leidenschaft packte sie in das folgende geschwinde Parlando des „Martelo“-Tanzsatzes in der Nr. 5. Bei der Nr. 1 der Bachianas führte das Cellodutzend Farbigkeit und schwingende Melodik vor, mitreißend und zupackend entwickelte sich ein Fugenbau des Brasilianers. Über ein Wagnersches Wesendonck-Lied, das Angela Davis mit verinnerlichtem Ausdruck sang, ging es zu gleich vier Zugaben. Das machte dann nur noch Spaß, von Pizzicato-Polka bis „Dschungelbuch“.

Riesenbeifall im fast ausverkauften Saal für einen außergewöhnlichen Abend der Kammermusikreihe des Theaters, für die elf gewinnenden Musiker und allen voran für den Organisator und dauerpräsenten Daniel Munck.