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Theaterleiter Jens-Erwin Siemssen und und Dramaturgin Zindi Hausmann entwickeln das Stück, mit dem sie per Bahn durch Europa reisen. Foto: t&w
Theaterleiter Jens-Erwin Siemssen und und Dramaturgin Zindi Hausmann entwickeln das Stück, mit dem sie per Bahn durch Europa reisen. Foto: t&w

Theaterzug macht Station in Lüneburg

oc Lüneburg. Sie waren in Königsberg, in Labiau und Tilsit. Die Städte tragen heute russische Namen. Sie haben in Polen Menschen gesucht, die Flucht und Vertreibung erlebten, und andere alte Frauen und Männer in Frankfurt/Oder befragt. Noch gibt es Zeitzeugen, alle waren sie Kinder, als am Ende der Krieg, den die Deutschen in die Welt gesandt hatten, zurückkam und blutigen Zoll verlangte.

„Flucht Ucieczka“ heißt ein Stück Dokumentartheater, das in diesem Sommer auf Schienen eine Strecke bereist, wie sie Menschen zurücklegten, die vor 70 Jahren ihr altes Leben verloren und nicht wussten, ob sie ein neues finden. Das Stück kommt auch nach Lüneburg.

Durch die Zeitgeschichte

Am Ende des Krieges und in den Jahren danach waren die Züge am Lüneburger Bahnhof immer wieder hoffnungslos überfüllt. Foto: a/makovec
Am Ende des Krieges und in den Jahren danach waren die Züge am Lüneburger Bahnhof immer wieder hoffnungslos überfüllt. Foto: a/makovec

„Das Letzte Kleinod“ nennt sich eine seit 1991 bestehende, in diesem Jahr vom Bund ausgezeichnete Bühne aus Schiffdorf-Geestenseth bei Bremerhaven. Es hat sich einen guten Namen mit gründlich recherchierten Dokumentarstücken erarbeitet. Das Team um Jens-Erwin Siemssen greift in seinen Produktionen Zeitgeschichte auf, vergangene und aktuelle. Frühere Stücke drehten sich um Fliegeralarm und Piraterie, das Leben auf Containerschiffen und Flüchtlingsheime auf dem Lande. Gespielt wird immer an Orten, die dem Thema entsprechen. Jetzt kommt es zu einer Zusammenarbeit mit dem polnischen Theater Gdynia Glowna.

Aus schließlich 14 Interviews haben Siemssen und Dramaturgin Zindi Hausmann ein Stück kondensiert, das in rund 70 Minuten zum Erinnern und zum Befragen einladen soll. Unterwegs sein wird das Theater mit mehreren Güterwaggons. Vor ihnen wird gespielt und immer dann innen, wenn traumatische Geschichten von Vergewaltigungen, kollektivem Suizid und anderen Schrecknissen ans Licht kommen. Diese Themen bräuchten den intimeren Rahmen, sagt Autor und Regisseur Siemssen.

Acht Akteure, darunter zwei Musiker, werden spielen Russen, Polen, Deutsche sind dabei. Halten wird der Theaterzug an zehn Orten, nach Lüneburg rollt er Anfang August. Gespielt wird vom 9. bis 11. August jeweils um 19 und 20.30 Uhr auf dem Museumsbahnhof Süd, für Schulen gibt es zu vereinbarende Extravorstellungen. Weitere Infos und Karten: www.das-letzte-kleinod.de.