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Zweimal noch Felix Krull, dann wird gepackt: Ulrike Gronow bricht auf zu neuen Ufern. Foto: t&w
Zweimal noch Felix Krull, dann wird gepackt: Ulrike Gronow bricht auf zu neuen Ufern. Foto: t&w

Ulrike Gronow geht in den Osten

oc Lüneburg. Sie kommt auf dem Mountain Bike angerauscht, bestellt Latte Macchiato, dreht sich eine Zigarette und sagt: „Wenn man ohne Grimm und Groll geht, kommt man gerne wieder.“ Aber jetzt ist es Zeit zu gehen. Sechs Jahre spielte Ulrike Gronow Theater in Lüneburg. Nächste Station: Rudolstadt. „Schillers heimliche Geliebte“ nennt sich die Stadt in Thüringen. Die Stadt ist kleiner als Lüneburg, die Gage höher, die Wohnung größer. Das Ensemble auch. Es hat eben alles seine Seiten, und mit dem Wechsel ins Kleinere hat Ulrike Gronow Erfahrung.

Sie kam aus München nach Lüneburg, von der Bayernmetropole in die überschaubare Stadt im Norden. „Ich hatte einen kleinen Kulturschock“, blickt sie zurück. Alles Backsteinrot hier, München erschien ihr pastell und hell. „Ich habe etwas zum Ankommen gebraucht“, aber was ihr schnell half, das war eine Schauspieltruppe, die wie eine Familie zusammenhielt und -hält. Das ist an Theatern alles andere als selbstverständlich, Solidarität und Neid liegen stets eng beieinander. Es ist wie beim Fußball: Ohne Vertrauen und Zusammenspiel geht nichts. Aber wer steht auf dem Platz, und warum sitze ich auf der Bank?

Nächste Station: Rudolstadt

Ulrike Gronow bekam viel zu spielen in Lüneburg, große Rolle, kleine Rollen. Ein bisschen wurde sie ins Komödiantische gedrängt. Wer ihr Koddern und Bollern beim letzten SomnamBar-Abend erlebte, der kann das wohl verstehen. „Komödiantisches Talent ist ja nichts Schlechtes“, sagt sie, „aber ich will auch die andere Seite zeigen.“ Was sie in Rudolstadt spielen wird, weiß sie aber noch nicht. Los geht es dort erst am 1. September. Und ganz vorbei ist es hier ja noch nicht. „Lauter letzte Male“, sagt sie. „Komisches Gefühl“.

Damals in Bielefeld, da hatte Ulrike Gronow begonnen, Lehramt zu studieren, Deutsch und Französisch. „Aber ich habe eigentlich nur die Theaterseminare besucht“, und dann war schnell klar: „Man muss machen, was man machen will.“ Und das war eben das Schauspielen. Sie ging nach München, holte sich dort das Rüstzeug, trat hier und da frei auf, und dann kam Lüneburg ins Spiel. Sie blieb hier länger als gedacht. Das hat etwas mit der Truppe zu tun. Die fuhr sogar mehrfach gemeinsam in den Urlaub.

Vorbei ist nicht vorbei

Soll sie eine Produktion nennen, die besonders im Gedächtnis bleibt, dann ist es „Was ihr wollt“. Die Regie, das Bühnenbild mit der gigantischen Tulpe, die Musik — „damit war ich glücklich“. Zweimal ist sie nun noch im „Felix Krull“ zu sehen. Manche, aber nur manche empören sich über die Nacktszene in dem Stück. Für Ulrike Gronow ist das kein Problem, was wiederum damit zu tun hat, dass es nicht nur ihr Beruf ist, sondern dass dieses gute Mit­ein­an­der im Team auch Schwieriges leicht beherrschbar macht. Und dramaturgisch ist es keine Szene, die auf billigen Effekt aus ist.

Vorbei ist nicht vorbei. Zum Theaterfestival in der Innenstadt, das am 9./10. Juli wieder vom Verein Zum Kollektiv veranstaltet wird, ist sie erneut in Lüneburg, eine Woche nach ihrem Umzug. Sie werden da noch einmal ihren letzten SomnamBar-Abend wiederholen. Dann aber muss, wer sehen will, reisen: Nach Spielzeitende trifft sich das Schauspiel in Kaltbrunn bei Allensbach bei Konstanz beim Bodensee. Da packen sie den größten SomnamBar-Hit aus: „Struwwelpeter“. Danach bleibt Zeit, auf die Alm zu gehen, was Ulrike Gronow seit Jahren immer wieder macht. Und da sie ohne Grimm und ohne Groll geht, wird sie später in Lüneburg noch den einen und anderen Latte Macchiato trinken.