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Giora Feidmann genoss die Intimität und die Akustik der Kreuzkirche. Foto: t&w
Giora Feidmann genoss die Intimität und die Akustik der Kreuzkirche. Foto: t&w

Giora Feidman tritt in der Kreuzkirche auf

aat Lüneburg. Technische Perfektion, ein schier unerschöpfliches Einfühlungsvermögen und ein legendärer Facettenreichtum musikalischer Stile: All das gehört zu Giora Feidman wie seine Klarinette, zu jenem weltbekannten Musiker und Botschafter der Toleranz und des Friedens, der mit Itzak Perlman die Musik des Films „Schindlers Liste“ einspielte und der als Erster den Klezmer in der Welt populär machte. Immer wieder erklärt er, er sei dort zu Hause, wo er gerade musiziere. So auch in der Kreuzkirche, wo der von Argentinien nach Israel gezogene Virtuose mit seinen Trio-Partnern ein großes Publikum bezauberte.

Musik als Botschaft des Friedens

„Klezmer Fantasy — Three Musical Worlds, One Love“ war Titel des Konzerts. Dieses 2015 initiierte Projekt brachte den heute 80-Jährigen erstmals mit der in der Ukraine geborenen Pianistin Marina Baranova und dem türkischstämmigen deutschen Rahmentrommel-Spezialisten Murat Coskun zusammen. Drei Konfessionen treffen hier aufeinander mit einer spannenden Musik-Mischung.

Barocke und klassisch-romantisch beeinflusste Klaviermusik war durchzuhören, Impressionistisches, Neoklassik und moderne Musik, atmosphärische Indie-Klassik und Jazz, Tango und orientalische Gesangstradition. Für spontanes Improvisieren gab es viel Platz, die Stücke und Themen stammten unter anderem von Piazzolla, Bach und den drei Protagonisten selbst. Lieder und Melodien osteuropäischer Juden waren fast immer präsent. Klezmer entstand immer wieder neu, überraschend vielschichtig und wechslungsreich, melancholisch oder tanzfreudig.

Barocke und klassisch-romantisch beeinflusste Klaviermusik

Giora Feidman präsentierte die Melodien meist sehr leise beginnend, beseelt singend auf der Klarinette, auch signalhaft gesteigert, wenn er die voluminöse Bassklarinette zur Hand nahm. Er spielt volltönend, spritzig, tanzlustig oder fast gehaucht. So sehnsuchtsvoll und zugleich voller Lebenslust erklang dieser Klezmer auch im Trio. Baranova nahm am Konzertflügel etwa in einem ihrer Werke Feidmanns leisen Ton auf, steigerte sich virtuos in ausdrucksvolle Patterns und leidenschaftlich gespielte Variationen. Ihre dynamisch aufgewühlten Solo-Meditationen animierten auch den Percussionisten Murat Coskun zu sensibler Begleitung und vitalen, technisch äußerst brillanten Soli.

Giora Feidman wirbt dafür, dass es überall so sein möge wie in diesem Moment des Besinnens und Friedens, für den er spiele. Das sei in dieser akustisch wunderbaren Kirche ideal, denn gerade das Miteinander sei hier, in einem kleineren Raum einer kleineren Stadt, viel eher möglich als etwa in der Carnegie Hall oder in der Berliner Philharmonie. Feidman animierte mehrmals zum Mitsingen, stimmte „Donna donna“ oder „Shalom chaverim“ an und sein Publikum sang noch weiter, als er und seine Mitspieler ihr Podium schon verlassen hatten. Für Zugaben kam das wunderbare Trio wieder.