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Rotraut Kahle in der Inszenierung ihrer Ausstellung, die Kostüm- und Zeitgeschichte verbindet. Sie zeigt im Heinrich-Heine-Haus Brautkleider aus 150 Jahren. Foto: t&w
Rotraut Kahle in der Inszenierung ihrer Ausstellung, die Kostüm- und Zeitgeschichte verbindet. Sie zeigt im Heinrich-Heine-Haus Brautkleider aus 150 Jahren. Foto: t&w

Brautkleider aus 150 Jahren im Heine-Haus

oc Lüneburg. Kleider kann eine Frau ja gar nicht genug haben. Sagt das Klischee. Für Brautkleider gilt aber: Wenn es gut geht, langt eines fürs Leben. Kein Kleid ist so besonders wie das Brautkleid. Keines wird mit solcher Sorgfalt ausgewählt, erspart, genäht, gekauft, geschmückt und getragen — und weggeworfen wird es ganz gewiss nicht. Brautkleider erzählen Geschichten von Armut und Wohlstand, von Anmut und Stolz, von Zeitgeist und Zeitläuften. Jetzt erzählen sie ihre Geschichten im Heinrich-Heine-Haus, zusammengetragen und inszeniert von Rotraut Kahle.

Aus 150 Jahren hat die Lüneburger Expertin für Kostümgeschichte Brautkleider zusammengetragen. Viele hat sie in ihrer eigenen Sammlung, weitere kamen als Leihgabe über einen Aufruf in der Landeszeitung hinzu. Mit im Bunde ist das Marstall-Museum in Winsen, aus dessen Bestand Beispiele kommen und wohin Rotraut Kahle ihre Sammlung geben wird.

Es glänzt leuchtend weiß und weiß in allen cremigen Abstufungen im Heine-Haus, das mit seinen kostbaren Deckenmalereien gut zu dieser festlichen Ausstellung passt. Rotraut Kahle hat die Kleider nicht chronologisch geordnet, sondern nach ihrer Erscheinung. In die Mitte des zentralen Raumes drapierte sie Kleider mit Bodenschleppen. Einer der hinteren Räume macht klar, warum die Ausstellung „Brautkleider schwarz — weiß“ heißt. Denn auch das lange Schwarze hat seine Tradition, vor allem auf dem Lande, wo es auch zu anderen Freud-und-Leid-Anlässen getragen werden konnte; zur Hochzeit kamen passende Accessoires hinzu. Solche sind in einer Vitrine zu sehen.

Ob hochgeschlossen oder tief dekolletiert, ob über den Boden schleifend oder als superkurzes Minikleid — jede Zeit hat ihren Stil. Und jede einen anderen Reichtum. Es gibt Kleider, die von Generation zu Generation weitergereicht wurden, ob es nun als Akt familiärer Tradition geschah oder aus purer materieller Not. Nicht jede Braut konnte sich üppig mit Seide und Spitze umhüllen, manche musste und muss improvisieren. Aus Drethem stammt zum Beispiel ein Kleid, das mit Fallschirmseide aus Militärbeständen genäht wurde. Ein anderes trugen in recht kurzer Folge vier Schwestern zu ihrer Hochzeit.

Jedes der gut 50 Kleider hat eine eigene Geschichte, und auch diese erzählt die Austellung. Rotraut Kahle weist damit den Weg von der indviduellen Geschichte des für den Moment schönsten Tag des Lebens weiter zur Mode- und Zeitgeschichte, die sich hinter jedem Moment ausbreitet.

Ausstellung öffnet im Heine-Haus bis zum 24. Juli

Manche Kleider fallen aus der Schwarz-Weiß-Schneiderei heraus. Von 1942 stammt ein violett eingefärbtes Kleid, und in hellblauem Pastellton kommt ein „New Romantic Look“ in den 1980er-Jahren zum Tragen. Andere Kleider kombinieren sich einen Hippie-Look aus dem „Indienladen“, aber es überwiegt natürlich das Weiß in kostbarem Stoff und Zuschnitt. Mit Frack, Cut, Smoking und Anzug ergänzt eine Männerabteilung die Brautkleiderparade.

Diese wirklich besondere, mit einem Katalog aufbereitete Ausstellung öffnet im Heine-Haus bis zum 24. Juli täglich von 16 bis 19 Uhr. Vom 30. Juli bis 13. November ist dann das Marstall-Museum Winsen der Zielort. Die Sammlung dürfte in dieser Zeit wachsen. Denn manche Besucherin wird sich erinnern, dass da hinten im Schrank doch noch das eigene Brautkleid hängt. Es könnte ja nach all den Jahren museal sein und nun Platz schaffen für das, was das Klischee von Frauen behauptet.