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Johanna Adele Ward inszenierte diese Fabrik-Ruinen-Szene mit Blick auf das berühmte Abendmahl-Fresko von Leonardo da Vinci: Nur Judas blieb am Tisch. Foto: ff
Johanna Adele Ward inszenierte diese Fabrik-Ruinen-Szene mit Blick auf das berühmte Abendmahl-Fresko von Leonardo da Vinci: Nur Judas blieb am Tisch. Foto: ff

BA-Show an der Leuphana

ff Lüneburg. Die Postgarten und Plakate „The Doors of Dublin“ kennt wohl jeder: dekorative Aufnahmen von den großen, bunten gregorianischen Haustüren der Stadt. Längst wurde diese Idee in anderen Städten kopiert, vielleicht ist sie ja auch anderswo überhaupt erst entstanden, wer weiß. Unklar ist auch: Wer lebt wohl hinter diesen schmucken Portalen? Hanna Elsner hat geklingelt, ist mit den — durchweg freundlichen — Bewohnern ins Gespräch gekommen. Daraus ist nun wiederum eine serielle Arbeit entstanden, die den Lebensraum hinter der bunt lackierten Oberfläche öffnet. Zu sehen ist der Beitrag der angehenden Kunst-Lehrer/innen auf der BA-Show der Leuphana.

Jedes Jahr zeigen Studierende des Instituts für Kunst, Musik und ihre Vermittlung ihre nach sechs Semestern entstandenen Bachelor-Abschlussarbeiten (daher BA-Show). Die Resonanz ist groß, Hunderte Besucher streifen durch die Flure, Treppenhäuser und Kellerräume des Leuphana-Gebäudes 16. Das Thema ist frei, aber natürlich müssen Position und Technik erläutert werden. Das wiederum erleichtert dem Betrachter das Verständnis. Denn neben vordergründiger Ästhetik und dem Reiz des Verblüffenden funktionieren die Fotografien, Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Objekte und Installationen, rund 30 Beiträge sind es ingsesamt, auf mehreren Ebenen.

Kunst-Studierende zeigen ihre Abschlussarbeiten

So hat Hanna Elsner also für ihre Spurensuche die Bewohner der schicken Dubliner Häuser in der geöffneten Tür fotografiert, dazu gibt es biographische Notizen. Die meisten Bewohner können übrigens mit der vornehmen Eleganz ihrer Häuser durchaus konkurrieren. Nicht konkurrieren kann (und soll) der Darsteller, der sich für Johanna Adele Ward an einen langen Tisch setzte, mit der Vorlage: das Abendmahl-Fresko Leonardo da Vincis. Statt Jesus und seinen Jüngern nun also ein einsamer, angeschlagener Mensch in einer Industrieruine — er besetzt den Stuhl des Judas und blickt nun ins Leere, Jesus ist längst verschwunden. Der Bezug zum Original ist klar erkennbar, die Ausstattung und die Komposition des Bildes lassen sich vielfältig deuten.

Insgesamt ist die Lust am Fabulieren erkennbar, das gilt vor allem für die Installationen. Kristine Pape beispielsweise zeigt die Ecke eines üppig ausgestattenen Kinderzimmers. Noch passt das Baby in eine Wiege, aber klar ist schon jetzt: Die Eltern werden ihr Kind mit bunten Reizen in Atem halten. Pape, selbst Mutter, diskutiert hier das Phänomen der überambitionierten „Helikopter-Eltern“, eine hektische Klangcollage in Endlosschleife stört den durchaus idyllischen Eindruck vom Kinderzimmer. Anderswo führen Foto-Strecken (etwa über die Abläufe hinter den Kulissen eines Restaurants) in die Nähe zum Journalismus.

Die BA-Show auf dem Campus ist noch am Mittwoch, 29. Juni, von 12 bis 17 Uhr geöffnet.