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Ulrich Raulff,  Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, berichtet über den stillen Abschied des Pferdes aus der Arbeitswelt der Menschen. Foto: Michaelis/nh
Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, berichtet über den stillen Abschied des Pferdes aus der Arbeitswelt der Menschen. Foto: Michaelis/nh

Ulrich Raulff über „Das letzte Jahrhundert der Pferde“

lz Lüneburg. Seit Urzeiten war das Pferd der engste Partner des Menschen. Es war unverzichtbar in der Landwirtschaft, verband Städte und Länder, entschied die Kriege. Dann zerbrach der „kentaurische Pakt“, und in nur einem Jahrhundert fiel das Pferd aus der Geschichte heraus, aus der es jahrtausendelang nicht wegzudenken war. Die Geschichte eines Abschieds erzählt Ulrich Raulff unter dem Titel „Das letzte Jahrhundert der Pferde“: Dienstag, 5. Juli, 19.30 Uhr im Museum Lüneburg.

Der Exodus des Pferdes aus der Menschengeschichte ist ein erstaunlich unbeachteter Vorgang. Ganze Bibliotheken zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts schweigen sich aus über das Pferd, das gleichwohl in Europa und Amerika allgegenwärtig war — bis das letzte Jahrhundert der Pferde in der Zeit Napoleons anbricht und mit dem Ersten Weltkrieg ausklingt. Ulrich Raulff zieht in seinem neuen Buch alle Register der Kultur- und Literaturgeschichte und beschreibt eine untergehende Welt. „Raulffs Abschied von den Pferden ist weit mehr als eine historische Rückschau.

Er erzählt nicht nur, wie sie aus unserer Welt verdrängt wurden, er zeigt auch, wie sie sich unserem kollektiven Gedächtnis eingeprägt haben“, schreibt der Literaturkritiker Jakob Hessing: „Einige der schönsten Seiten des Buches sind der Literatur gewidmet: Ob in Goethes Werther, Kleists Michael Kohlhaas oder Kafkas Landarzt, ob in Flauberts Madame Bovary, Tolstois Anna Karenina oder Fontanes Effi Briest — immer sind es auch die Pferde, an denen sich der Untergang einer Welt abzeichnet.“

Preis der Leipziger Buchmesse für das beste Sachbuch

Raulff ist Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Zuvor war er unter anderem Feuilletonchef der FAZ. Er hat Bücher über Marc Bloch und Aby Warburg geschrieben, für seine Arbeiten erhielt er verschiedene Preise, „Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben“ wurde 2010 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse für das beste Sachbuch ausgezeichnet.

Den Abend moderiert Prof. em. Dr. Achatz von Müller. Er war von 1978 bis 1982 Professor für Geschichte an der Universität Kassel. Er arbeitete als Filmautor und Regisseur in der Redaktion Geschichte/Zeitgeschichte des WDR. Vor allem in der ZEIT verfasste er Essays zu Bildung und Studium. In Lüneburg arbeitet er an einem neuen zivilgesellschaftlich orientierten Studienmodell im Kontext der allgemeinbildenden Profilierung des Leuphana College.
Die Lesung gehört zu der Reihe „ausgewählt“ des Literaturbüros Lüneburg und der Leuphana Universität. Karten sind beim Literaturbüro sowie bei Lünebuch und Bücher am Lambertiplatz erhältlich. Die Reihe wird vom Lüneburgischen Landschaftsverband und der Sparkassenstiftung Lüneburg gefördert.