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Wie der bizarre Set eines Fantasy-Films wirkt die Szene, die Beate Schmegel hier präsentiert. Tatsächlich ist hier ein  nicht verändertes - Stückchen Natur bei Regen zu sehen.  Foto: ff
Wie der bizarre Set eines Fantasy-Films wirkt die Szene, die Beate Schmegel hier präsentiert. Tatsächlich ist hier ein nicht verändertes - Stückchen Natur bei Regen zu sehen. Foto: ff

Beate Schmegel stellt im Wasserturm aus

ff Lüneburg. Die Leine in der einen Hand, der Fotoapparat in der anderen: Wenn die Fotografin Beate Schmegel mit ihrem Hund spazieren geht, dann richtet sich die Aufmerksamkeit beider meist, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, auf den Wegesrand. Denn hier sind ganze Welten im Minformat zu entdecken, man muss allerdings die Nase beziehungsweise das Auge dafür haben. Beate Schmegel hat bereits einige Ausstellungen in der Region mit Bildern gestaltet, in denen das Reich der Insekten, Gräser und Pilze als spektakuläre Mikrokosmen erscheinen. Die gleiche Position nimmt sie als Naturfotografin auch für ihre neue Präsentation „Wasserwelt“ im Wasserturm ein.

Beate Schmegel: ,,Man muss nicht den Ozean betrachten, um einen Tropfen Wasser zu erkennen.“ Diese Tropfen sammeln sich etwa auf einem Spinnennetz zu einem bizarren Muster. Das Wasser als bildprägendes Element durchflutet die Szenarien, erstarrt zu grotesken Eisformationen, bildet einen sanften Regenschleier, bildet Strudel oder Kristallornamente an einem Grashalm. Durch die extreme Nahaufnahmen verliert es oft seine Eindeutigkeit. Das gilt auch für die anderen Ausstattungsstücke dieser Mini­dramen, also für Pflanzen, Steinchen, einen Tannenzapfen, der wie eine Ananas wirkt.

Wasser als bildprägendes Element

Das Oben und Unten, das Darüber und das Darunter gehen verloren oder vermischen sich. Natürlich sucht der Betrachter nach Erklärungsmustern und deutet vielleicht einen von unten fotografierten, kristallbesetzten Schneebesen als Jahrmarktszene, als Karussell mit ausschwingenden Auslegern. Anderswo wirkt die Draufsicht auf eine pulverige, rissige Schneedecke, aus deren Lücken schwarzes Wasser hinaufschimmert, wie eine Satelliten-Aufnahme aus dem All — die Größenordnung als Orientierung geht verloren, nun scheint das Bild einen Flußlauf durch eine Eiswüste zu zeigen.

Tatsächlich entstanden an der Schwindequelle oder an einem kühlen Bergsee des Harzes im Morgenlicht, manchmal wählte Beate Schmegel auch die gewöhnliche Position des Spaziergängers, als „Hommage an die Normalität“, aber so ganz normal dann auch wieder nicht: Ein stilles Gewässer wirkt wie aus Holz geschnitzt, und ein schmales Waldflüsschen erweist sich als verregneter Wirtschaftsweg. Die Wasserwelten im Wasserturm sind bis 29. August zu sehen.