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Ivan Meylemans dirigiert die Noord Limburgse Brassband, die Lüneburger erlebten ein facettenreiches Blech-und-Schlagwerk-Konzert. Foto: t&w
Ivan Meylemans dirigiert die Noord Limburgse Brassband, die Lüneburger erlebten ein facettenreiches Blech-und-Schlagwerk-Konzert. Foto: t&w

Jazzkonzert der Noord Limburgse Brassband

ff Lüneburg. Die Geschichte der Kirchenmusik in St. Michaelis umfasst rund sechs Jahrhunderte, und sie ist entsprechend facettenreich — „aber ein Orchester, das nur aus Blechbläsern und Schlagwerk besteht, hatten wir wohl noch nie“, so Kantor Henning Voss. Tatsächlich lässt sich die Noord Limburgse Brassband bei uns als Unikum beschrieben, daheim in Belgien dagegen ist die Besetzung populär und weit verbreitet. Wie auch immer: Das Publikum erlebte ein Orchester, das ein bedrohliches Gewitter abfackeln konnte, Trompetenglanz, aber auch zarte Klänge entwickelte, die an ein Streichquartett erinnern.

Bereits bei dem Auftakt, dem Luther-Choral „Ein feste Burg“ entwickelten die 28 Musiker/innen unter der Leitung von Ivan Meylemans ein mächtiges Klanggebäude, das an den Klang einer großen Orgel erinnerte. Als zweites Stück präsentierte die Brassband ein Kernstück des Abends, „Goldberg 2012“ von Svein H. Giske: eine zeitgenössische Komposition, die Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen adaptierte, von dem Orchester Sinn für Dynamik und Farbschattierungen verlangte.

Die Intonation bei so einer Besetzung gilt als heikel, so etwas kann schnell in ein allgemeines Gedröhne ausarten. Nicht einmal Klarinetten, Oboen und Saxophone dürfen dabei sein, sie gelten wegen ihres Mundstücks schließlich als Holzblasinstrumente. Entstanden ist die Bassband in England, dort hat jede größere Gemeinde so ein Orchester, neben Belgien gelten Norwegen und die Schweiz als Hochburgen.

Preise auf internationalen Wettbewerben

Die Noord Limburgse Brassband, die als Logo das Kürzel NLBB führt, erwies sich natürlich als souverän. Sie zählt zu den besten ihres Landes, spielt in Europa ganz vorn mit, hat Preise auf internationalen Wettbewerben gewonnen. In Lüneburg spielte der US-Jazz eine große Rolle, Gastgeber war schließlich die Jazz IG, und der Verweis auf die legendären Bigbands ist naheliegend. Zu den schönsten Stücken des Abends zählte dann auch George Gershwins „Ein Amerikaner in Paris“, eine Tondichtung mit dem Groove und der Hektik des Großstadtverkehrs. Publikumswirksame Glanzlichter gab es viele, John Philip Sousas Marsch „The Stars and Stripes Forever“ zählte sicher dazu, aber auch ein „Concerto for Trumpet“ von Harry James, mit dem die NLBB bewies, dass sie auch brillante Solisten in ihren Reihen hat. Nicht zuletzt: die Filmmusik „La Belle Américaine“ von John Hartmann, in der die Tuba Solo-Aufgaben übernimmt.

Langer Applaus der rund dreihundert Besucher, zwei Zugaben. Hoffentlich haben die belgischen Musiker die Lüneburger Ovationen in ihren Herzen bewahrt und über den Abend gerettet — denn kurze Zeit später mussten sie schließlich miterleben, wie ihre Mannschaft mit einem eins zu drei gegen Wales aus der Europameisterschaft flog.