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Mozart-Oper rustikal: Donna Elvira (Amper Breunis) geht Don Giovanni (Tim Maas) an die Wäsche. Zweitens: Wie spielt man ein Date in Paris mit einem dreifach schizophrenen Partner? Die Impro-Theatertruppe Nicht unbefugt drehte das Rad des Festival-Programms im Klosterhof weiter. Foto: ff
Mozart-Oper rustikal: Donna Elvira (Amper Breunis) geht Don Giovanni (Tim Maas) an die Wäsche. Zweitens: Wie spielt man ein Date in Paris mit einem dreifach schizophrenen Partner? Die Impro-Theatertruppe Nicht unbefugt drehte das Rad des Festival-Programms im Klosterhof weiter. Foto: ff

Theaterfestival Lüneburg: Klo-Krimi und Open-Air-Oper

ff Lüneburg. Leporello kann es immer noch nicht fassen: Sein Herr Don Giovanni ist ein machtbesessener Weiberheld, der keine Rücksicht auf Verluste kennt das ist dem Diener seit langem klar, er musste ja schon oft genug diese Affären decken. Aber nun hält er ein Büchlein in der Hand, in dem Giovanni alle seine Liebschaften wie ein Buchhalter notiert hat und deren aktuellen Stand verzeichnet damit der Supercasanova bloß nicht durcheinanderkommt. Davon sang der Bass-Bariton Timotheus Maas im Klosterhof Opern-Arien-Auftakt zum zweitägigen Lüneburger Theaterfestival, wenn man das morgendliche Yoga zur Einstimmung nicht einrechnet.

Ein Programm, das von Kinder- und Improtheater über Performances, Lesungen und Puppenspiel bis zu Konzerten reichte, hatte der junge Verein „Zum Kollektiv“ nun schon zum dritten Mal auf die Beine gestellt, mit dem Klosterhof hinter der Ratsbücherei und dem Rathausgarten als abwechselnden Schauplätzen. Belohnt wurde das Engagement mit neugierigem, entspanntem Publikum aller Altersgruppen und annähernd idealem Wetter.

Amper Breunis und Tim Maas aus den Niederlanden brachten also Theaterstimmung ins Grüne, mit Duetten von Henry Purcell, mit Tim Fischers „Ich geb ein Tigerfest zuhaus in meinem Garten“, mit Mozart, italienischem Belcanto und Brechts Lied vom Surabaya-Johnny.

Anschließend: Impro-Theater. Wie spielt man eine Duo-Szene auf dem Klo als Krimi? Das Ensemble „Nicht unbefugt“, acht Studentinnen der Leuphana, ließen sich auch durch reichlich groteske Vorgaben nicht aus dem Konzept bringen aber genau so hatten sie es ja auch gewollt. Es gab Gelächter, etwa für ein Liebespaar, dessen Amouren einmal korrekt durch das Alphabet führten, und für Kurz-Sketche, die sich etwa um ein Blind-Date in Paris drehen, mit einem Partner, dessen Persönlichkeit gleich in mehrere Persönlichkeiten gespalten ist. Um es noch ein bisschen schwieriger zu machen, sollte das Publikum auch die jeweiligen Akteure auswählen. Es gab also keine heimlichen Spezialistinnen für bestimmte Themen.

Und so nahm Tag eins des Festivals seinen Lauf, mit Loriot-Szenen von Thomas Ney, mit Artistik und einer Jam Session zum Abschluss. Und was die Veranstalter wohl am meisten freute: Es kamen, je später der Abend wurde, immer mehr Menschen.