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Oli Bott prägt mit dem Vibraphon den Klang der Berliner Gruppe,  neben ihm Juan Lucas Aisemberg. Foto: t&w
Oli Bott prägt mit dem Vibraphon den Klang der Berliner Gruppe, neben ihm Juan Lucas Aisemberg. Foto: t&w

Sommernachtsmusik im Kulturforum

oc Lüneburg. Wenn im Kulturforum in den kommenden Wochen und Monaten alles auf den Prüfstand der Machbarkeit kommt, dann wird wohl auch die Reihe namens „Wienebütteler Sommernachtsmusik“ kritisch betrachtet werden. Das ist bedauerlich, aber ohne entsprechenden Zuschuss bräuchte sie sicher mehr Zuhörer als an diesem gerade mal passabel besuchten Abend mit dem starken Berliner Ensemble Vibratanghissimo.

Die Reihe mit vier Konzerten bietet das, was sich unter Weltmusik fassen lässt oder was gern als „crossover“ bezeichnet wird. Musik also, die sich nicht so einfach einkasteln lässt. Wie der Name der Berliner Gruppe schon andeutet, bildet der Tango die Grundlage für das, was die Musiker um den Vi-braphonisten Oli Bott spielen. Bott bewegt sich sicher durch die Genres, von Haus aus aber ist er dem Jazz verpflichtet. Bott bekam Stipendien und Preise für Komposition, Jazzdirigat und Improvisation. Er spielt in mehreren Formationen, seit 2003 pflegt er das Quartett Vibratanghissimo.

Das hat sich dem argentischen Tango und seinen Verwandten verschrieben. Vor allem ist es die Musik von Astor Piazzolla, die allüberall gern adaptiert wird und auch ohne Bandoneon funktioniert. Obwohl, ein bisschen lassen sich die Sehnsuchtsklänge des Bandoneons schon vermissen. Aber Bott, Juan Lucas Aisemberg an der Bratsche und als Arrangeur, Arnulf Ballhorns am Kontrabass und die besoners gegenüber dem Vibraphonklang sehr aufmerksam agierende Pianistin Tuyêt Pham werden der Musik des Argeniniers mehr als gerecht. Sie blicken außerdem tiefer ins Land, spielen eine Chacarera und auch eine melancholisch eingefärbte Zamba.

Die Arrangements sind ausgefeilt, die Klangabstimmung ist bestechend. Spannender wird die Musik im zweiten, vitaleren Teil, in dem sich die Musiker mehr Freiraum geben. Da sie sich ihres Erfolgs sicher sind, sparen sie sich das Stück, das nie fehlen darf, als erste Zugabe auf: „Libertango“, das berühmteste Stück des Tango-Nuevo-Meisters Piazzolla.

Zwei Abende mit Sommernachtsmusiken, die Gebhardt Dietsch bereits zum 18. Mal in die Stadt holt, stehen noch bevor. Am Freitag, 22. Juli, wird das Trio Indian Art um 21 Uhr Linien zwischen indischer Musik und dem Jazz ziehen, dazu Folk, Rock und Pop einbeziehen. Und am 29. Juli um 21 Uhr zeigt das Duo Fado Ins-trumental, dass die Musik aus dem nächtlichen Lissabon auch ohne Gesang und mit Nähe zum Jazz große Emotionen spiegeln kann.