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Vereins-Vorsitzende Maike Abel und Hartwig Wedemeyer, Gründungsmitglied und heute Pressewart, freuen sich über die Resonanz auf die Orgelkonzerte. Foto: ff
Vereins-Vorsitzende Maike Abel und Hartwig Wedemeyer, Gründungsmitglied und heute Pressewart, freuen sich über die Resonanz auf die Orgelkonzerte. Foto: ff

Die Orgel hat ordentlich zu tun

ff Salzhausen. Am Anfang war eine neue Orgel, gebaut im Jahre 1997 von Michael Becker aus Kupfermühle: Das gute Stück in der St.-Johannis-Kirche Salzhausen klingt laut und warm, zugleich orientiert am transparenten Klang des Barock und bald setzte sich die Erkenntnis durch: Allein mit der Begleitung der Gottesdienste ist das nagelneue Instrument unterfordert. Das war die Geburtststunde einer Initiative mit klaren Vorstellungen und kompliziertem Namen: „Förderverein Freunde der Kirchenmusik an St. Johannis zu Salzhausen“.

Gerade hat Maike Abel, Vorsitzende des Fördervereins, Post bekommen, eine Zusage: Der Rostocker Motettenchor, eine feste Größe der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, kommt nach Salzhausen, am 10. Juni nächsten Jahres soll es so weit sein. „Es ist extrem schwierig, für das Jubiläumsjahr der Reformation gute Ensembles zu bekommen“, so Maike Abel. Und die Ansprüche steigen, der Musikbetrieb läuft nicht schlecht in der Johanniskirche.

Seine Premiere feierte der Verein am 24. März 2006 mit Bachs Johannespassion unter der Leitung der damaligen Kantorin Birgit Agge. Kernstück aber ist der „Salzhäuser Orgelsommer“, den der Verein kurz nach seiner Gründung ins Leben rief. Das erste Konzert gestaltete am 14. Juli 2006 die Organistin Ulrike Franke-Huber. Geld war knapp, „und wir hatten den Anspruch, dem Publikum die Orgelkonzerte bei freiem Eintritt zu ermöglichen“, so Gründungsmitglied Hartwig Wedemeyer, „über Spenden freuen wir uns natürlich“. Lüneburger Kantoren wie Tobias Gravenhorst und Joachim vom Amsberg spielten zu einem eher symbolischen Freundschaftspreis, mittlerweile hat sich der Orgelsommer bei zehn Konzerten pro Jahr eingependelt, und es kommen immer mehr Anfragen aus allen Winkeln der Republik. Zu den Highlights zählte ein Auftritt des international renommierten Calmus-Ensembles im Jahre 2015, es wird demnächst wiederkehren. Apropos Spenden: Der Verein freut sich, dass ihn eine Reihe treuer Sponsoren über die Jahre begleitet.

Geboten wird den Musikern also nicht unbedingt eine fette Gage, aber eine reizvolle Location: Die Kirche stammt in ihren Ursprüngen wohl aus dem 9. Jahrhundert und sah da eher aus wie eine Festung. Der Unterbau des Altars wird auf das 12. Jahrhundert datiert, der Chorraum mit seinem gotischen Rippengewölbe entstand anno 1464. Die Kanzel stammt aus der Renaissance, der Altar aus dem Barock.

Mittlerweile also hat die Kirche eine Becker-Orgel, gebaut nach dem Vorbild norddeutscher Barockorgeln Stichwort: Arp Schnitger mit Rückpositiv (also am Rücken des Organisten an der Empore installiert) und 18 Registern. Es gibt sogar güldene Verschnörkelungen, die auf die Epoche Johann Sebastian Bachs verweisen. Auf seiner Wunschliste hat der Verein, der heute rund hundert Mitglieder zählt, eine Truhenorgel für die Chöre.

Geboten wird den Musikern außerdem, wie Maike Abel und Hartwig Wedemeyer mit einigem Stolz versichern, ein treues Publikum, eine zuverlässig gut besuchte Kirche bei dem Calmus-Ensemble waren es fast dreihundert. Da allerdings saßen die Zuhörer schon sehr eng aufeinander. Stolz sind die Veranstalter auch darauf, dass der Orgelsommer in den Kanon der „Orgelschätze in der Lüneburger Heide“ des Lüneburgischen Landschaftsverbandes aufgenommen wurde.

Nächstes Konzert: Am Freitag, 22. Juli, 18.30 Uhr, spielt die aus St. Petersburg stammende Organistin Olga Chumikova unter anderem Werke von Georg Muffat, Johann Ludwig Krebs und Johann Kuhnau. Der Freitag darauf gehört ihrem Bardowicker Kollegen Peter Elf­lein.