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Marita Landgraf schlägt seit April in Lauenburg Brücken für die zeitgenössische Kunst. Foto: oc
Marita Landgraf schlägt seit April in Lauenburg Brücken für die zeitgenössische Kunst. Foto: oc

Mehr Potenzial im Künstlerhaus Lauenburg

oc Lauenburg. Der Weg zur Kunst führt durch eine alte Schankwirtschaft. Lange haben sie nach der brutalen Flut 2013 daran gebaut, das Künstlerhaus in Lauenburgs Unterstadt wieder herzurichten. Nun sieht der Eingang mit dem großen Tresen, den Barhockern und der dunklen Vertäfelung in etwa so aus wie anno 1850, als der Bau als Schreyersches Gasthaus öffnete. Durch den Raum mit Tresen und Hockern geht es Richtung Elbe ins Licht und zur Kunst. Noch bis Sonntag ist dort einiges zu entschlüsseln.
Es ist die 30. Stipendiatengeneration, die sich gerade im Künstlerhaus vorstellt. Seit 1986 bezogen schon mehr als 130 deutsche und internationale Künstler als Stipendiaten Zimmer in der immer noch wie aus der Zeit gefallen wirkenden Unterstadt. Seit 2009 ist der Förderverein des Künstlerhauses Eigentümer des Gebäudes, um das Haus dauerhaft als Stipendiatenstätte und als Ort der kulturellen Begegnung zu erhalten. Zurzeit bangt der Verein um das Geld, das für die Sanierung nach der großen Flut fließen soll. Bis Ende August soll Klarheit herrschen, das ist wichtig für die Zukunft des Hauses und auch für die Stadtgalerie ein paar Schritte weiter.
Seit April kümmert sich Marita Landgraf als künstlerische Leiterin um Künstler und Konzepte. Die 35-Jährige brachte Erfahrung aus dem Künstlerhaus Bremen mit, arbeitet parallel für die Hamburger Galerie Mathias Güntner und kümmert sich um die Pressearbeit des Kulturforums Hamburg. Eine Frau, drei Jobs das ist Realität in der gegenwärtigen Arbeitswelt. Dass Marita Landgraf auch ein eigenes Schmucklabel betreibt, sei erwähnt „aber dafür habe ich ja gar keine Zeit“, sagt sie.
Lauenburg das ist für sie ein 16-Stunden-Vertrag. Das heißt, zwei Tage in der Woche. Damit aber ist eine inhaltliche, neue Wege öffnende Arbeit kaum zu machen. Überstunden gehören dazu. Sie können wohl im Winter abgebummelt werden, denn von November bis April herrscht weitgehend Ruhe im Haus. Das Land Schleswig-Holstein vergibt für Lauenburg jeweils drei 5,5 Monate währende Stipendien für Bildende Kunst und Neue Medien und je eines über 2,5 Monate für Literatur bzw. Komposition.
Vom „Limit der Zeit“ spricht Marita Landgraf, die seit 2014 in Hamburg lebt, häufiger und zugleich vom Potenzial des Hauses, das noch genutzt werden könne. Mehr Internationalität wünscht sie sich, eine Steigerung des Niveaus bei den Ausstellungen in der Stadtgalerie, um überregional mehr Aufmerksamkeit zu erzielen. Und zu stärken sei das Netzwerk, in Richtung Hamburg und darüber hinaus.
Aktuell also läuft eine Erstausstellung der Stipendiaten Janine Eggert, Christian Helwing, Donny Karsadi, Janko Marklein und Benjamin Zuber. Sie wird auch am Wochenende zu sehen sein, wenn die Altstadt ART läuft, Sonnabend von 14 bis 19 Uhr, Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Das ist ein wiederkehrendes Projekt, das der Verein Kunst & Genuss am Fluss in die Elbstraße holt. Kunsthandwerker und Künstler aus Zwiesel, Chemnitz und Worpswede zeigen ihre Arbeiten, andere aus der Region wie Kalligrafin Birgit Nass sind dabei und natürlich alle, die in der Unterstadt leben und arbeiten. Marita Landgraf wird mit Stipendiaten auch die Stadtgalerie im Hagenström bespielen.
Die Hagenström-Räume kann das Künstlerhaus vorläufig bis Ende 2016 nutzen. Am Donnerstag, 4. August, um 19.30 Uhr präsentiert Marita Landgraf dort „Grund genug“, eine Gruppe von acht Künstlern, 2013 von Absolventen der Kunsthochschulen Halle, Leipzig und Dresden gegründet. Die Ausstellung wird bis 9. Oktober Bildhauerei, Druckgrafik, Zeichnung, Malerei, Assemblage, Objektkunst, Installation und Video/Performance bieten.