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Das wird der erste Bestseller der Spielzeit 2016/17: Im weißen Rössl, zu erleben ab 29. September. Foto: tamme
Das wird der erste Bestseller der Spielzeit 2016/17: Im weißen Rössl, zu erleben ab 29. September. Foto: tamme

Theater Lüneburg zieht Bilanz

oc Lüneburg. Die Theaterchefs Hajo Fouquet und Volker Degen-Feldmann könnten sich zufrieden zurücklehnen. Sie haben nach Zuschauerzahlen ihre bisher beste Spielzeit hinter sich gebracht. 105591 Besucher wurden an der Kasse gezählt. Das sind exakt 1357 mehr als im Vorjahr, dabei gab es sogar drei Produktionen weniger. „Ein gutes Jahr“, sagt Hajo Fouquet, und Volker Degen-Feldmann fand zuletzt 2001 einen ähnlichen Wert. Das war das Jahr, als Burkhard Schmeer mit dem „Caveman“ zigmal den Saal füllte.

Zahlen lassen viele Deutungen zu, sicher ist: Es sind die Studios, die das Jahr 2015/16 nach vorn brachten, das T.3 vor allem, aber auch das T.NT. „Im großen Haus ist die Platzauslastung über die Jahre relativ konstant“, sagt Hajo Fouquet. Sie liegt bei 81,1 Prozent, knapp über dem Vorjahr. Das Plus liegt vor allem am deutlich besser gelaufenen Weihnachtsmärchen.

Die Kernzahlen bei Schauspiel und Musiktheater, ebenfalls bei den Konzerten, zeigen ein leichtes Minus. Bei den Sprechstücken waren zwischen 75,9 und 80,0 Prozent aller Plätze besetzt, den Bestwert erzielte der „Menschenfeind“. Deutlich besser lief der Bereich Operette/Musical, schwächer die Oper. Bei „Anatevka“ waren 95,4 Prozent aller Plätze besetzt, beim viel gelobten Operndoppel „Cavalleria Rusticana / Bajazzo“ lediglich 64,2 Prozent. Stark entwickelt sich weiterhin das Ballett. Olaf Schmidts jüngster Abend „Flügelschlag“ tanzte sich hoch auf einen Auslastungswert von 84,7 Prozent.

Kaum zu toppen ist die Arbeit des Theaters für junges Publikum und mit ihm. Ins T.3 kamen noch einmal 1915 Besucher mehr bei nur einer Vorstellung mehr. Anders gesagt sprang die Ziffer für die Platzauslastung um fast 13 Punkte auf 87,2. So gut wie durchgängig ausverkauft waren „Natürlich blond“ (98,9 Prozent verkaufte Plätze), „Die Schneekönigin“ (98,8), „Kunst ver-rückt Tanz“ (98,6) und „Next to normal“ (98,1). Das lässt sich auch so deuten, dass sich mit dem eher Unbekannten, dem Experimentellen durchaus Kasse machen lässt. Fürs Puppentheater allerdings darf etwas mehr getan werden, da gehen die Besucherzahlen zurück trotz unveränderter Qualität.

Das T.NT meldet ebenfalls ein Besucherplus und ein gewachsenes Angebot an Vorstellungen. Den Bestwert erzielte eine Wiederaufnahme: „Der Struwwelpeter“, da waren im T.NT-Foyer 99,3 Prozent der Plätze besetzt. Dicht danach folgten die Stücke von Spektakelmeister Burkhard Schmeer, und fast alle weiteren Produktionen erzielten gute bis sehr gute Werte. Das Balladenprogramm allerdings kam nicht so gut an, wie es das verdient hätte.

Zeit zum zufriedenen Zurücklegen bleibt nicht am Theater. In den Theaterferien wird wieder gebaut das Feuerschutzprogramm! 1,1 Millionen Euro verschlingen die Baumaßnahmen, zu denen es keine Alternative gibt. Dafür sorgen Vorschriften. Allein 40 neue oder erneuerte Türen wurden und werden eingebaut, Durchbrüche für Fluchtwege entstehen und vieles mehr. 700000 Euro kommen von den Gesellschaftern Stadt und Kreis, von den Gemeinden und von der Sparkassenstiftung. Über 400000 Euro muss das Theater ein Darlehen aufnehmen.

Ungelöst bleibt das Kernproblem: Die Basisfinanzierung stimmt nicht. Die kommunalen Theater in Niedersachsen warten alle auf ein Signal aus Hannover. Durch Streichen von Produktionen, wieder um 5,5 Prozent steigende Eintrittspreise und den guten Besuch kommt das Lüneburger Theater auf einen Umsatzerlös von 1,525 Millionen Euro. Von der Summe geht eine gute Botschaft an die Gesellschafter: Das Defizit dürfte weniger dramatisch wachsen aber nicht verschwinden.

Etwas teurer werden künftig die Werkstätten. Sie bleiben in der Goseburg, müssen aber umziehen, der Vermieter hat neue Pläne. 300 Meter weiter fand sich eine größere und bessere Halle, die zum Teil schon als Lager genutzt wird.
Am 11. August starten die Proben, viele neue Gesichter werden vor und hinter den Kulissen zu sehen sein. Erster wichtiger Termin für das Publikum ist der 28. August: Theaterfest samt Spielzeitgala. Der Vorverkauf startet am 15. August.