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Schleswig-Holstein Musik Festival zu Gast in Lüneburg

oc Lüneburg. Die großen und auch viele der kleineren Festivals machen Dinge möglich, die der Konzertalltag nicht so schnell hergibt. Weltstars in Scheunen, fern der großen Städte! Weniger spektakulär, aber inhaltlich reicher sind all die Möglichkeiten, auf Festivals Konzerte mit ungewöhnlichen Besetzungen und Programmen in die Tat umzusetzen. Ein Beispiel des Schleswig-Holstein Musik Festivals war in der Klosterkirche Lüne zu erleben: „Meisterschüler — Meister“. Als Meister saß Nils Mönkemeyer inmitten jüngerer, auch schon ziemlich meisterlicher Kollegen. Sie spielten im Trio, Quartett und Quintett Musik alter Meister.

Obermeister Mönkemeyer zählt noch keine 40 Jahre, er wirkt sogar noch jünger, wie er da im Zentrum seiner Festival-Meisterschüler wirbelt, Blicke fliegen lässt, die Musik mit dem ganzen Körper zu spielen scheint. Mönkemeyers großes musikalisches Verdienst ist es, die Bratsche bzw. Viola ins Zentrum zu rücken. Dem Bratschenprofessor gelang so etwas wie die Befreiung der Mittelstimmen, die im Gesamtklang oft unterzugehen drohen. Dabei hat die Viola, was ja als Wort viel schöner klingt als Bratsche, mit ihrem warmen, vollen, dem Melodiösen und ein wenig dem Melancholischen zugeneigten Klang weit mehr zu bieten als die Komponisten der Jahrhunderte ihr zubilligten.

Mit Mönkemeyer spielen zunächst Geiger Albrecht Menzel (24) und Cellist Valentino Worlitzsch, Jahrgang 1989. Beide haben weitgehend abgeräumt, was zu ergattern ist an Auszeichnungen. Menzel kennt zudem die Klosterkirche, vor vier Jahren war er Gast der Lüneburger Bachwoche. Damals spielt er in exponierter Position, nun reiht er sich in Haydns Divertimento B-Dur ein, spielt sozusagen mannschaftsdienlich, auch wenn die Geige schon federführend bleibt. Mönkemeyer aber sorgt dafür, dass so etwas wie ein angeregtes Gespräch dreier Musiker entsteht.

Publikum reagiert begeistert

Etwas gewichtiger kommt Mozarts Klavierquartett (KV 478) daher, das kündigt schon die Tonart g-Moll an. Menzel hat Pause, den Violinpart übernimmt die 1999 geborene Lara Boschkor, ein ganz großes Talent, was sie wie mühelos unter Beweis stellt. Den führenden Klavierpart übernimmt William Youn, längst ein Meister, und gemeinsam entwickeln sie einen Klang von erstaunlicher Fülle, dessen Schwere schnell ins lichtere Emotionen übergeht.

Die ganze Klasse der Musiker bricht sich bei Dvoraks Klavierquinettt A-Dur op. 81 Bahn, nun mit Menzel (an der ersten Geige) und Boschkor. In dem Werk prasseln Kontraste aufeinander, die Sätze sind mit großer Raffinesse ausgefeilt. Es gibt kaum einen Ruhepunkt, Drama und Poesie liegen unmittelbar beieinander. Mönkemeyer muss das Stück lieben, denn die Viola bekommt zur Farbgebung mehrfach leitende Aufgaben. Das Zusammenspiel ist von mitreißender Vitalität, die Reaktion des Publikums fällt nach dem furiosen Finale entsprechend begeistert aus.

Das Schleswig-Holstein Musik Festival ist in diesem Sommer noch einmal zu Gast in Lüneburg: Am Sonntag, 21. August, singt um 19 Uhr der Festivalchor in St. Michaelis „Abendlieder“ von Rheinberger, Mahler und Reger.