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Gerold Ahrends gibt dem Marienleuchter neue Farbe, er restauriert auch die Apostel Petrus und Paulus sowie die Heiligen Ursula und Katharina, die ihre Heimat am Lüneburger Rathaus haben. Foto: ff
Gerold Ahrends gibt dem Marienleuchter neue Farbe, er restauriert auch die Apostel Petrus und Paulus sowie die Heiligen Ursula und Katharina, die ihre Heimat am Lüneburger Rathaus haben. Foto: ff

Heilige der Maria-Magdalenen-Kirche mit neuem Schein

ff Lauenburg. Auch die Heiligen in den Kirchen wechseln über die Jahrhunderte schon mal ihre Garderobe. Beispiel: der Marienleuchter in der Maria-Magdalenen-Kirche Lauenburg. Vor allem Anna, die Mutter Marias, hat in regelmäßigen Abständen ein neues Gewand aufgemalt bekommen. Doch längst bröckelt die Figur, sie hat Risse bekommen, jetzt soll der schmucke Kerzenleuchter restauriert werden. Die Frage ist nur: Welche Zeit ist das Ziel? Und: Was trägt die heilige Anna unter ihrem Mantel? Erste Forschungs-Ergebnisse präsentiert der Restaurator Gerold Ahrends.

Der Marienleuchter, der im Kirchenschiff eine zentrale Position über den Köpfen der Gemeinde innehatte und von der Schiffergilde gestiftet wurde, besteht aus zwei Figurengruppen aus Eichenholz; auf der einen Seite: Anna selbdritt — Anna trägt ihre Tochter Maria und den Enkel, das Jesuskind. Auf der anderen Seite ist noch einmal Maria mit Kind zu sehen. Umrahmt wird das Ensemble von einem Strahlenkranz, einem (echten) Hirschgeweih und einem schmiedeeisernen Bogen. Dazu kommt das eigentliche Kerzenleuchter-Gestell.

Der Künstler lässt sich nicht mehr ermitteln, der Leuchter stammt wohl aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Zuletzt lackiert wurde er 1959 — und zwar nicht gerade fachmännisch. „Da wurden beim Bemalen Außen- und Innenseiten der Gewänder verwechselt“, sagt Gerold Ahrends, so etwas aber fällt erst dann richtig auf, wenn man den Leuchter aus der Nähe betrachtet.

Initiator der Analyse ist der Förderverein der Maria-Magdalenen-Kirche

Ahrends entnahm Farbsplitter und rekonstruierte an ihnen 15 Schichten in fünf Fassungen: Annas Gewand leuchtete in der Spätgotik in hauchdünnem Gold, im Jahre 1599 — die Jahre der Arbeiten selbst sind zuverlässig datiert — büßte es dann zumindest seinen prunkvollen Saum ein, der kostbares Brokat imitieren sollte. Ab 1677 trug Anna dann ein violettes Kleid, 1799 wurde teilweise neu vergoldet und Grün aufgetragen, das Purpurgewand aber belassen, 1959 dann wurde es dann also noch einmal großzügig grün lackiert.

Initiator der Analyse ist der Förderverein der Maria-Magdalenen-Kirche. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde und dem Kirchenkreis soll nun ein Ziel, also ein Konzept, gefunden werden. Das ist nicht zuletzt eine Frage des Geldes, die Landes-Denkmalpflege könnte helfen, außerdem hoffen die Betreiber auf Sponsoren. Den aktuellen Zustand zu konservieren, die Oberflächen zu reinigen und die Macken zu retuschieren, das kostet ein paar Tausender. Zurzeit sind die Lücken in den Gesichtern und Gewändern mit Japanpapier abgeklebt. Reizvoller ist natürlich eine historische Fassung. Die allerdings birgt auch Risiken, denn es ist nicht klar, ob die gewählte Schicht auch einigermaßen vollständig ist.

Etwas einfacher ist die Entscheidungsfindung bei vier großen, (schon immer) goldenen Holz-Skulpturen, die ebenfalls in der Werkstatt von Gerold Ahrends und seiner Kollegin Yvonné Erdmann auf ihre Kosmetik warten: Sie wurden 1481 von Cord Schnitker geschaffen und zieren normalerweise die dritte Etage der Westfassade des Lüneburger Rathauses. Am Tag des offenen Denkmals, also am 11. September, werden sie im Rathaus ausgestellt.