Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Der Meister verbirgt sich hinter Turntables und Rechner, vorn sorgt die Bläsersektion für knackigen Jazz zu Parov Stelars Elektroswing, einem rauschenden Finale des Festivals A Summer's Tale. Foto: t&w
Der Meister verbirgt sich hinter Turntables und Rechner, vorn sorgt die Bläsersektion für knackigen Jazz zu Parov Stelars Elektroswing, einem rauschenden Finale des Festivals A Summer's Tale. Foto: t&w

Das Festival „A Summers Tale“ wächst in Runde zwei + + + Mit Fotogalerie

oc Luhmühlen. Der Unterschied zwischen Jahr eins und Jahr zwei ist an Getränken abzulesen: 2015 wurden zusätzliche Wasserstellen geöffnet, es war so heiß. 2016 ordert das Team des „A Summers Tale“-Festivals kurzfristig 1000 Liter Glühwein und Apfelpunsch. Es ist am zweiten von vier Tagen so nass und so kalt. Gestört hat das Wetter wenige, das Festival auf der Westergellerser Heide läuft erstaunlich ab: Es wird bis in die Nacht getanzt, gesungen, gefeiert, morgens meditiert und Yoga gemacht, tags Neues in Workshops gelernt. Man trifft nicht einen unfreundlichen Menschen, sieht keinen Besoffenen, es liegt kein Müll herum, und die Polizei hat vier Tage lang nichts zu melden. Hier holt ein Festival neuen Typs alle Generationen ab.

Folkert Koopmans veranstaltet seit 25 Jahren Festivals — Hurricane, Southside, Mera Luna, Rolling Stone Weekender. . . Im Grunde, sagt er, versuche er in Luhmühlen ein Festival aufzubauen, wie er — Jahrgang 1963 — es heute selbst gern besuchen würde. Das Konzept kommt an. Zählte Koopmmans Firma FKP Scorpio im ersten Jahr 7500 Besucher, waren es nun 12.000. Koopmans sagt aber auch: „Es rechnet sich noch nicht.“

Vervierfacht habe man das Angebot an Workshops von Weintest bis Fingerknitting, und dennoch sei die weitere Nachfrage riesig, sagt Julia Baer. Die frühere Leuphana-Studentin ist für die Konzeption zuständig und am vierten Tag platt und glücklich. Das Festival versuche, sagt sie, schnell zu reagieren. Täglich werden, wo es geht, weitere Workshops nachgeschoben. Morgens wird kurzerhand zum Meditations-Flashmob vor der Konzertbühne aufgerufen. Lucie Beyer führt rund 300 Teilnehmer entspannt in den Tag. Die aus Lüneburg stammende Yogafrau leitet weitere Festivalkurse, zwischendurch führt „Lucie in the Sky“ aus Lust und Laune Akrobatik vor der lauschigen Waldbühne vor.

„A Summers Tale“ zielt auf Familien. Es gibt Theater, Mitmachaktionen und Grusel-Gewusel für Jungs und Mädchen. Bei den Konzerten tragen die Kinder fast alle große bunte Kopfhörer. Die Musik startet am Nachmittag, Mitternacht ist Schluss, danach gibts Disco und Filme.

Festivalkonzerte sind gut zum Wiederhören und Entdecken. Zu den Stars zählen Noel Gallagher, der mit seinen High Flying Birds Rockmusik spielt, wie sie heute die Beatles und die Kinks spielen könnten. Zum Ende tischt er die großen Songs von Oasis auf: „Wonderwall“, „Dont Look Back In Anger“. Amy MacDonald wird von Song zu Song besser, alle ihre Hits sind dabei. Bei Fat Freddies Drop wird zu Reggae-Rhythmen getanzt, und zum Finale bringt Elektroswing-Überflieger Parov Stelar mit Band ein ganz großes Showformat auf die Bühne, samt fetter Jazzbläser-Sektion.

Soul war eine der großen Sachen bei diesem Festival

Man achte unbedingt aufs Kleingedruckte. Da stehen bei der Festivalvorschau die weniger bekannten Bands, z.B. die von Paul Janeway aus Alabama. Er sieht aus wie einer, der sich im Kleingedruckten auskennt. Er ist aber nicht der Mann, der uns durch Abgründe der Steuererklärung leitet. Und er singt. Und wie er singt! Seine Stimme steigt aus den Tiefen des Soul auf, er röhrt, er jubiliert, er reißt mit und entertaint mit seiner Band St. Paul & The Broken Bones, dass es die Schuhe vom Boden reißt. Dann steht er da und freut sich, wie der Jubel nicht endet.

Soul war eine der großen Sachen bei diesem Festival — Michael Kiwanuka, Samm Henshaw. . . Aber jeder macht seine Entdeckungen, es könnte auch das Frauen-Duo Boy sein, es könnten die Seelentiefenforscher von The Slow Show sein, der Hamburger Kneipenchor oder Funny van Dannen, der Texten singt wie „Ich bin nicht mehr jung und brauche das Geld“. Oder oder oder.

Überall Zuspruch

Wo bleibt die Kritik? Man kann alle, die da sind, fragen und fragen — überall Zuspruch. „Die Zusammenarbeit ist aus unserer Sicht wunderbar“, sagt auch Dr. Roland Wörner. Er ist Geschäftsführer des Ausbildungszentrums Luhmühlen und verantwortlich für das Gelände, das noch Reserven für die Zukunft biete. Dr. Wörner weist auch auf den Heideboden hin, der schluckt viel Wasser, verdaut die Regenfälle. Es gebe natürlich Stellschrauben, an denen gedreht werden müsse, sagt Festivalmacher Koopmans. Wie in die Wirtschaftlichkeit kommen und dabei diese sehr besondere Atmosphäre erhalten? Wäre ein Ablauf von Donnerstag bis Sonntag besser als von Mittwoch bis Sonnabend? Wie die Workshops ausbauen? Oder im Detail: Braucht es ein Restaurantzelt mit Drei-Gang-Menü, wenn das Team um Matthias Graf (Team 412) so viele — fast durchweg aus der Region stammende — Foodstände findet, die (Bio-)Essen von Falafel bis Tacos anbieten?

Auf Facebook schreibt eine Rebecca: „Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so lebendig gefühlt habe.“ Anfang August 2017 wird es wieder so sein.

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