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Die Faulbaumblüte (Öl auf Hartfaserplatte) zeigt Mattheus Deichelbohrers Umgang mit dem Licht. Repro: oc
Die Faulbaumblüte (Öl auf Hartfaserplatte) zeigt Mattheus Deichelbohrers Umgang mit dem Licht. Repro: oc

Bilder von Mattheus Deichelbohrer in der KulturBäckerei

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. Als Mattheus Deichelbohrer vor 25 Jahren starb, hinterließ er in Rullstorf ein Haus voller Kunst. Gut 70 Jahre hatte Deichelbohrer gemalt, sein Thema hieß Landschaft, und er tauchte mit beharrlicher Ruhe in Wälder, Wiesen und in das Wesen von Bäumen ein. Deichelbohrer lebte konträr zum Zeitgeist, seine Kunst wurde eher wenig wahrgenommen, sie passte nie zu dem, was gefordert oder gewollt war. Jetzt ist eine Auswahl seines Werks in der KulturBäckerei zu sehen. „Wiederentdeckt“ heißt die bis zum 28. August laufende Ausstellung.

Auslöser war ein Kontakt, den Annemarie Deichelbohrer, die Witwe des Malers, zum Kunstarchiv aufbaute. In Neuhaus versammelt die Sparkassenstiftung Lüneburg das künstlerische Vermächtnis der Region. Dort wird nun ein Konvolut an Werken des 1902 in Seligenstadt am Main geborenen Künstlers bewahrt. Es handelt sich um Bilder, die im Keller-Atelier lagerten, angegriffen vom Zahn der Zeit.

Inga Blohm und Markus Tillwick restaurierten rund 60 Werke, sie repräsentieren nun das Deichelbohrer-Werk. Die Auswahl in der KulturBäckerei zeigt die Kontinuität im Werk des Künstlers, der Einflüsse des Impressionismus in seine Kunst aufnahm.

Mattheus Deichelbohrer verweigerte sich der Reichskulturkammer

Deichelbohrer hatte in Frankfurt studiert und war auf einem guten Weg, als er 1927 an der „Großen deutschen Kunstausstellung“ teilnahm, neben Barlach, Modersohn, Illies, Flebbe und vielen anderen. Wenige Jahre später trennten sich die Wege: Die einen folgten der Nazi-Diktatur, andere wie Barlach wurden verfemt. Mattheus Deichelbohrer verweigerte sich der Reichskulturkammer. Er wurde zwar nicht persönlich verfolgt, durfte aber nicht mehr ausstellen.

Nach 1945 war das Dilemma ein anderes. Die Welt stand offen, aber für jemanden wie Deichelbohrer, der seinem Thema und seinem Stil treu blieb, war nicht wirklich ein Markt da. Der früherer Museumsdirektor Dr. Eckhard Michael zeigte das Werk des Künstlers wiederholt an der Wandrahmstraße, 1992 verbunden mit einem Katalog.

Wie genau Deichelbohrer in der Auseinandersetzung mit dem Licht und der Dunkelheit, mit seiner ins Pastose gehenden Malweise die Welt sah, davon zeugt die neue Ausstellung. Kristin Halm erinnerte in ihrer Einführung daran, dass Deichelbohrer dem Menschen auch in schwerer Zeit die Schönheit der Natur vermitteln wollte. Es mag darin ein Stück Selbsttherapie stecken. Die Nachdenklichkeit und Neugier, mit der er sich in Selbstporträts erforscht, führt endgültig zu einem rundherum ernst zu nehmenden Künstler.